Fantastische Familie erntet reichlich Jubel

Von: Nina Krüsmann
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Von der Modenschau mit selbstgenähten Kleidern bis zum rasanten Breakdance: Die rund 90 Teilnehmer des VHS-Projektes begeisterten zum Abschluss mit einer beeindruckenden Vielfalt von Ideen und großem Können. Foto: Andreas Schmitter
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Von der Modenschau mit selbstgenähten Kleidern bis zum rasanten Breakdance: Die rund 90 Teilnehmer des VHS-Projektes begeisterten zum Abschluss mit einer beeindruckenden Vielfalt von Ideen und großem Können. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Ich bin stolz, wie kreativ die Teilnehmer waren. Sie haben dafür bereits viel Lob bekommen, und man sieht es heute an ihren beeindruckenden Ergebnissen“, freute sich die Leiterin der Volkshochschule (VHS) Aachen Dr. Beate Blüggel. Und fünf Jahre „Suburbs“, das sei schon etwas, betonte sie bei ihrer Begrüßung zum Abschlussfest im Forum der VHS.

„Es war eine lebendige und intensive Zeit in den vergangenen drei Wochen“, bringt es Michaela Constantini auf den Punkt. Sie ist für die Organisation des Ferienprogramms für unbegleitete Flüchtlinge verantwortlich. Unter dem Titel „Stars of the Suburbs“ feiert das Projekt der VHS Aachen in diesem Sommer sein fünfjähriges Bestehen.

Es ist ein großer Erfolg: Mehr als 700 Kinder und Jugendliche mit Migrations- und Flüchtlingsgeschichte haben in den vergangenen Jahren an diesem Projekt teilgenommen. „Ziel ist es insbesondere, diesen Jugendlichen in den Ferien die Möglichkeit zu geben, die deutsche Sprache zu erlernen und zudem kulturelle Bildungsangebote zu besuchen“, erklärt Izabella Leszczynski-Grottker, Projektleiterin von „Stars of the Suburbs“ und pädagogische Mitarbeiterin für den Bereich Kreativität.

In den ersten drei Wochen der Sommerferien nahmen diesmal rund 90 Jugendliche an den Kursen mit insgesamt 20 Dozenten und noch mehr ehrenamtlichen Helfern teil. Mehr als 140 Bewerbungen hatte es auf die begrenzte Zahl an Plätzen gegeben. Die jungen Leute im Alter von 14 bis 18 Jahren wurden zuvor in 15 Sprachfähigkeitstests eingestuft. „Für die einzelnen Deutschkurse können so Lerngruppen – vom „totalen Anfänger“ bis zum Jugendlichen mit „guten Sprachkenntnissen“ – gebildet werden. Das ermöglicht ein individuelles Lehrangebot für alle Teilnehmenden“, erläutert Leszczynski-Grottker.

Tanz, Fotografie, Mode, Erzählen

Die jungen Leute aus Afghanistan, Eritrea, Ghana, Irak, Marokko, Nigeria, Senegal, Somalia und Syrien verbesserten aber nicht nur ihr Deutsch. „Die Kreativkurse sind neben dieser kognitiven Arbeit der zweite Baustein. Es gibt Breakdance und Hip Hop-Tanz, Fotografie, Nähen, 3D-Kunst, das Gartenbauprojekt „UpGardening“ sowie Erzählkunst“, zählt Leszczynski-Grottker auf.

Zentraler Punkt jedes Tages war das gemeinsame Mittagessen, das Dank ehrenamtlicher Unterstützung zum Gemeinschaftserlebnis wurde. Jedes Mal hat das Projekt, das auch in den nächsten Jahren weitergeführt wird, einen neuen Titel, zum Beispiel „Sounds of the Suburbs“, „Spirit of the Suburbs“ oder „Soul of the Suburbs“. Kunstdozent Sascha Bayer erklärt, wie passend der diesjährige Titel „Stars“ ist: „Die Teilnehmer werden hier ernst genommen, sind bestens motiviert und fühlen sich anerkannt, wenn sie etwas erarbeiten und vorführen können, dafür Applaus ernten und zum Beispiel in der Zeitung stehen.“

So war es ein emotionales Finale von „Stars of the Suburbs“, bei dem auch manche Träne zum Abschied floss. Ute Haupts moderierte einen Programmpunkt nach dem anderen an, zum Beispiel auch das „Haus der Geschichten“ mit Susanne Lachnit und Musik von Mohammad Ibrahim. Die Modenschau mit selbst kreierten und geschneiderten Kleidern und die Tanzvorführungen zu flotter Musik wurden lauthals bejubelt und mit nicht enden wollendem Applaus bedacht.

Sogar in Köln ausgestellt

Beim Abschlussfest spürte man die Kreativität: Im Gartenbauprojekt mit dem Gemeinschaftsgarten Hirschgrün ging es darum, wie man die natürlichen Ressourcen schonen und Müll sinnvoll recyclen und neu nutzen kann. 3D-Kunstdozent Sascha Bayer präsentierte mit seinem Kurs dutzende Werke, unter anderem die Skulptur „Multicultural Head“, die er mit Siem Ghjrmay, Alhamad Lama und Filmon Meheri entworfen hat.

„Der multikulturelle Kopf wird nun sogar in Köln ausgestellt“, erzählt Bayer. Anfangs hätte es noch nicht so viele Ideen gegeben, doch nach wenigen Tagen hätten die jugendlichen vor Fantasie nur so gesprudelt. Gemälde wie „Ich liebe Deutschland“ von Filmon Meheri und viele Flaggen-Bilder sind entstanden. „Und da ist uns am Ende sogar das Material ausgegangen, so viel haben wir gemalt“, freut sich Bayer.

Ähnlich verhielt es sich in den beiden Fotografiekursen von Sylvia Marinova und Andreas Schmitter. Tausende Fotos sind hier entstanden, unter anderem bei Ausflügen zum Reitturnier, in den Aachener Tierpark und bei einer Rathausführung mit Oberbürgermeister-Referent Alexander Lohe. Fotografie ist bei den Teilnehmern stets besonders beliebt.

„Es geht natürlich um Technik und Sehen, nah heranzugehen, aber auch darum, Verhalten zu lernen“, erklärt Marinova. Bei ihren Fotoexkursionen lernen die Jugendlichen ihre neue Heimat kennen und Integration passiert ganz nebenbei. „Es geht auch darum, dass die Teilnehmer sich untereinander kennenlernen, Afrikaner neben Syrern sitzen und miteinander Deutsch sprechen. So entstehen neue Freundschaften. Da ist in den drei Wochen richtig etwas gewachsen, wie eine kleine Familie“, erklärt Schmitter.

„Stars of the Suburbs“ wird von der VHS Aachen im Rahmen des Programms talentCampus des Deutschen Volkshochschul-Verbands durchgeführt, das durch das Förderprogramm „Kultur macht Stark“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Aufgrund der Förderung ist die Teilnahme kostenfrei.

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