Fan-Randale: „Die ganze Stadt muss jetzt Gesicht zeigen”

Von: Oliver Schmetz
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„Rechts steht im Abseits”: Bei solch rein plakativen Aktionen wie auf der elektronischen Werbetafel an der „Frittezang” am Elisenbrunnen soll es nicht bleiben. Bürgermeisterin Hilde Scheidt fordert eine Aktion, bei der „die ganze Stadt Gesicht zeigt”. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Sie sehen sich gerne als die wahren Unterstützer ihres Vereins, doch mehr als mit ihren jüngsten Ausfällen hätten diese selbsternannten „Anhänger”, die eigentlich nur Chaoten sind, der Alemannia kaum schaden können.

Denn über den erfreulichen sportlichen Erfolg des Traditionsclubs redet nach den brutalen Übergriffen des rechtsradikal unterwanderten Fan-Clubs „Karlsbande” beim Auswärtsspiel am vergangenen Dienstag in Saarbrücken kaum noch einer. Stattdessen ist in Aachen das „Fan-Problem” der Alemannia Stadtgespräch.

Zu spüren war dies am Donnerstag in der AZ-Lokalredaktion, wo sich etliche Leser meldeten, darunter auch weitere Augenzeugen der Geschehnisse in Saarbrücken, wo Mitglieder der „Karlsbande” wie berichtet massiv auf andere Alemannia-Fans, die „Aachen Ultras”, einprügelten.

„Da muss man Angst um sein Leben haben”, schilderte etwa ein älterer Herr, nach eigenem Bekunden seit Jahrzehnten Alemannia-Fan, seine Erlebnisse, die sich nicht nur auf den vergangenen Dienstag beschränkten. Schon beim Saisonauftakt in Bielefeld habe es massive Drohungen seitens der „Karlsbande” gegeben.

Zu Wort meldete sich am Donnerstag auch die Aachener Politik, nachdem sie von Tivoli-Einsatzleiter Christian Außem in der AZ in Sachen Jugendarbeit zu verstärktem Handeln aufgefordert worden war. Bürgermeisterin Hilde Scheidt verwies dabei auf den Runden Tisch gegen Rechts und die vielfältigen Aktivitäten und Projekte, die sich in Aachen unter anderem an den Schulen des Problems Rechtsextremismus annehmen.

Die Ratsfrau sitzt für die Grünen am Runden Tisch und will nun eine Sondersitzung dieses Gremiums anregen, in dem alle Fraktionen, die Kirchen, die Gewerkschaften sowie Polizei und Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten. Auch die Fraktion „Die Linke” forderte am Donnerstag eine solche Sondersitzung, allerdings unter Einbeziehung der Alemannia, um „endlich eine wirksame Strategie gegen Nazis im Fangewand” zu entwickeln.

Dabei saßen die Fanbeauftragten des Traditionsvereins laut Scheidt erst vor vier Wochen an besagtem Runden Tisch und hätten dort schon den Wunsch aller Beteiligten vernommen, „dass sich der Alemannia-Vorstand mehr einbringen muss”, so die Bürgermeisterin.

Dabei habe man den Vereinsvertretern auch vorgeschlagen, nach den Sommerferien in einer großen Aktion im Stadion bei einem Heimspiel das „riesige Netzwerk gegen Rechts, das wir in Aachen haben”, gebündelt zu präsentieren. „Die ganze Stadt muss jetzt Gesicht zeigen”, fordert Hilde Scheidt. „Wir müssen zeigen: Das ist Aachen, und hier haben die Randalemacher nichts verloren.” Und für solch eine Aktion könne der Klub dann auch ruhig mal ein paar hundert Freikarten für Schüler spendieren, meint sie.

Die Alemannia-Verantwortlichen setzten sich indes am Mittwochabend zunächst mit anderen an einen Tisch: Sie sprachen tatsächlich mit Vertretern der „Karlsbande”, der nach etlichen Zeugenaussagen und nach erster vorsichtiger Einschätzung der Polizei die Täterschaft für die Krawalle in Saarbrücken zuzuordnen ist - und, wie die Vergangenheit gezeigt hat, längst nicht nur für diese. Dem Vernehmen nach zeigte die Alemannia ihren Problemfans dabei zum wiederholten Mal lediglich die Gelbe Karte, was aber auf den Tivoli-Tribünen anders als auf dem Rasen offenbar keine Sperren nach sich zieht.

Zumindest noch nicht. Beim Samstagsspiel gegen Kickers Offenbach ist die einzige Konsequenz aus den jüngsten Übergriffen, dass man die Sektoren der verfeindeten Fangruppen besser bewachen und strikt trennen will. „Die Toleranzgrenze ist endlich”, sagte Alemannia-Sprecher André Schaefer am gestrigen Donnerstag auf der turnusmäßigen Pressekonferenz des Vereins. „Es ist nicht mehr 5 vor 12, es ist schon später.”

Für andere ist es dagegen schon viel zu spät. Der ältere Herr, der sich in der Redaktion meldete, forderte unmissverständlich: „Kriminelle müssen draußen bleiben.” Und in der hitzigen Diskussion auf der AZ-Website kündigte auch mancher Anhänger an, seine eigene Konsequenz daraus zu ziehen, wenn der Klub keine ziehe - und vorerst lieber zu Hause zu bleiben.
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