Familienpaten sorgen für das Familienglück anderer Menschen

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Sie helfen nicht nur in Notsituationen als Puffer, wenn es bei Familien einmal zu Engpässen kommt: Die Paten Dr. Helga Ohlrogge und Ilona Kampa und Marion Scheins (SkF) und Eva- Maria Wagner (SKM). Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Der Erfolg kommt zu mir zurück. Das ist Glück pur“, sagt Dr. Helga Ohlrogge. Früher hat sie sich um die Zahngesundheit von Kindern und Erwachsenen gekümmert. Jetzt trägt die pensionierte Zahnärztin ein bis zwei Mal in der Woche zum Familienglück von drei Kindern und ihrer alleinerziehenden Mutter bei.

Die 72-Jährige ist Familienpatin der Fachstelle Familienpatenschaften des Sozialdienstes katholischer Menschen (SKM) und des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF).

Ohlrogge hat selbst zwei Kinder und zwei Enkel, die allerdings nicht in Aachen wohnen. „Es sollte wieder Sinn ins Leben kommen“, erläutert sie ihren Entschluss, im Ruhestand Familienpatin zu werden. „Kinder sind in ihrer Klarheit sehr direkt. Das gefällt mir so an ihnen.“ So hat sie sich auch nicht von den ersten zurückhaltenden Reaktionen der Kinder abschrecken lassen.

Mittlerweile hat sie die älteste Tochter gut auf die weiterführende Schule vorbereitet, wird von den jüngeren Kindern stürmisch beim Abholen im Kindergarten begrüßt und auch von der Mutter immer mal wieder um Rat gefragt. „Ich werde sogar zu den Festen der muslimischen Großfamilie eingeladen“, freut sie sich über Integration, die nicht nur als Einbahnstraße funktioniert.

Zurzeit sind 75 Familienpaten in Aachen aktiv. Sie kümmern sich um 65 Familien. 50 weitere Familien warten darauf, einen Familienpaten bei sich begrüßen zu dürfen. Die Warteliste ist seit Beginn an lang, denn viele, völlig unterschiedliche Familien können sich vorstellen, die Unterstützung und Begleitung eines Familienpaten anzunehmen.

Das können Familien mit schwierigen Bedingungen sein oder auch vermeintlich normale, die in Zeiten von Berufstätigkeit von Vater und Mutter, einem Leben fern der Großeltern und immer komplexeren Herausforderungen an ihre Grenzen stoßen. „Es geht um eine Entlastung für Eltern und eine Verlässlichkeit für Kinder“, erklärt Eva-Maria Wagner, Koordinatorin der Fachstelle Familienpatenschaften beim SKM. „Unsere Familien – ihre Voraussetzungen, ihre Probleme, ihre Stärken – sind sehr unterschiedlich, aber darin sind sie alle gleich.“

Ebenso verhält es sich bei den Paten: Viele von ihnen sind im Großelternalter, es gibt aber auch Studenten, es sind Frauen ebenso wie Männer und sie haben unterschiedlichste Berufe. Mitbringen müssen sie Toleranz und Unvoreingenommenheit gegenüber anderen Familienwelten, Reflexionsbereitschaft, Verlässlichkeit, Erfahrung im Umgang mit Kindern sowie mindestens einmal in der Woche ein paar Stunden Zeit. Dann lassen sich gute Partnerschaften zwischen Familien und Paten entwickeln.

Wichtige Bezugspersonen

„Durch die Mitgliedschaft im Netzwerk ‚Frühe Hilfen‘ legen wir zurzeit den Schwerpunkt auf die Begleitung von Familien mit Kindern von null bis drei Jahre“, sagt Marion Scheins, Koordinatorin der Fachstelle Familienpatenschaften beim SkF.

Ilona Kampa macht als Familienpatin einer Einjährigen gerade diese Erfahrung: „Gerade wenn Kleinkinder anfangen, laufen zu lernen, braucht man viele Augen, Arme und Beine.“ Regelmäßig verschafft die 65-Jährige dem kleinen Mädchen frische Luft und neue Eindrücke sowie der sehr jungen Mutter Freiraum für eigene Aktivitäten. “

Die Fachstelle Familienpatenschaften von SKM und SkF sucht immer wieder neue Ehrenamtliche, um Familien im Alltag zu unterstützen. Zum Beispiel für Familie X.: Frau X., 30 Jahre alt und alleinerziehend, lebt mit Ihrem dreieinhalbjährigen Sohn Paul zusammen. Zurzeit hat sie einen Minijob, wird aber im Oktober mit einer Vollzeitausbildung zur MTA beginnen. Die Mutter wünscht sich für sich selber und für Paul eine zusätzliche Bezugsperson mit regelmäßigen Einsatzzeiten – ein Mal pro Woche – und Einspringen in Notsituationen, sozusagen einen Puffer, wenn es schon einmal zu Engpässen und zeitlichen Überschneidungen kommt.

Junge Mutter braucht Hilfe

Oder für Familie Y.: Auch Frau Y. ist alleinerziehend. Sie ist 24 Jahre alt und lebt mit ihren beiden Söhnen (2,5 und 1,5 Jahre) nun seit kurzem in einer eigenen Wohnung. Die junge Mutter hat keinen Kontakt zu ihren Eltern und nur unzureichende Unterstützung vom Vater der Kinder. Oder für Familie Z.: Familie Z. hat keine Familie vor Ort und wünscht sich eine Ersatzoma oder Ersatzgroßeltern für die sieben Monate alte Tochter Mia.

Die Mutter ist noch in Elternzeit, der Vater zudem beruflich voll eingespannt. Schön wäre es, wenn die Eltern auch mal Zeit für sich, ohne Kind, finden könnten, was eher am Wochenende möglich wäre.

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