Falsches Signal: „Müllvermeidung wird bestraft“

Von: mh
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Haben bereits hunderte Unterschriften gesammelt: Birgit Mardak (links) und Gabriele Harren kritisieren die neuen Müllgebühren vor allem als ökologischen Rückschritt. Foto: Kurt Bauer

Aachen. Einen guten Vorsatz haben Gabriele Harren und Birgit Mardak mit Blick auf den Jahreswechsel schon ein Stück weit in die Tat umgesetzt. Die beiden Aachenerinnen haben inzwischen allein im Internet knapp 400 Unterschriften gegen die Einführung der neuen Müllgebühren gesammelt.

Ihr Motiv ist schnell erklärt. „Es geht uns gar nicht in erster Linie darum, dass wir mit der Änderung künftig weit mehr für die Entsorgung zahlen müssen als bislang“, unterstreicht Gabriele Harren. „Vor allem setzt die Politik hier aus unserer Sicht ein völlig falsches Zeichen.“

Selbst kleine Tonne ist zu groß

Denn durch das jetzt festgelegte Mindestvolumen von 7,5 Litern pro Woche und Person würden all jene bestraft, die ganz bewusst weit weniger Abfall produzierten. Deshalb sind die Initiatorinnen der Protestaktion zuversichtlich, dass sie bis Ende Januar mehrere tausend Solidaritätsbekundungen sammeln können, damit die umstrittene Umstellung am Ende doch noch dort landet, wohin sie nach ihrer Überzeugung gehört: ins Altpapier.

Selbst die Kapazitäten der kleinen 60-Liter-Tonne, die bei vordem vierwöchentlicher Leerung mit 69 Euro zu Buche schlug, habe ihre vierköpfige Familie bislang nicht ansatzweise benötigt, argumentiert Gabriele Harren. „Jetzt werden wir auch noch gezwungen, ein 120-Liter-Gefäß anzuschaffen, und das bei 14-täglichem Abfuhrrhythmus. Damit liegt die Gebühr für uns künftig bei 172 Euro.“ Kurzum: Statt Anreize für umweltbewussten Umgang mit Altlasten zu schaffen, ermuntere die Stadt die Bürger geradezu, mehr Müll zu produzieren, meint Birgit Mardak. Und fragt verärgert: „Liegt das wohl daran, dass die Verbrennungsanlage in Weisweiler nicht ausgelastet ist?“

In jedem Fall stelle das neue System einen höchst bedauerlichen Rückschritt im Hinblick auf die eigentlich doch gebotene Vermeidung von Abfall dar, finden die Bürgerinnen. Deshalb haben sie auch in zahlreichen Geschäften und öffentlichen Einrichtungen Unterschriftenlisten ausgelegt, um den Druck auf die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung zu erhöhen.

Auf der Online-Plattform „www.openpetition.de/!oechermuell“ wird die Umstellung von etlichen Unterzeichnern als „ungerecht“ und „Bevormundung“ kritisiert. Von „sinnlosen Entscheidungen aus finanziellen Überlegungen gegen den Bürger“ ist die Rede. Gabriele Harren und Birgit Mardak setzen nun freilich darauf, dass die „Entscheider“ sich weiter dialogbereit zeigen.

Ende Januar wollen sie dem Oberbürgermeister die Unterschriftenlisten überreichen. Einen Termin haben sie noch nicht, aber ihre Einladung an alle Betroffenen unterstreichen die Damen umso nachdrücklicher: „Natürlich kann sich jeder, der unser Anliegen unterstützen will, auch direkt an uns wenden.“

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