Aachen - „Falscher Tag” am rechten Ort

„Falscher Tag” am rechten Ort

Von: sc
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Subversives Spiel mit der Wirklichkeit: Zwölf Künstler gaben mit ihrer seltsamen Performance beim Neuen Aachener Kunstverein viel Anlass zum Nachdenken. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Etwa 50 Personen steigen die Treppen im Neuen Aachener Kunstverein (NAK) hinauf, um sich eine Performance namens „Der falsche Tag” anzuschauen. Empfangen werden sie gleich von einer ganzen Reihe von Gastgebern, die jedem die Hand schüttelten und die Gäste bitten, sich in einem Karré um die Bühnenfläche aufzustellen.

Die Aktionskünstler postieren sich derweil zur einer Lagebesprechung und verkündeten kurz darauf, dass sich die Gruppe mit dem Tag der Aufführung vertan habe. Die Performance rund um Anne Tismer hat begonnen...

Die künstlerische Grenzgängerin Anne Tismer präsentiert bereits seit dem 13. März im NAK ihr ganz eigenes Oeuvre, das von Performance über Kunstaktion, Videoarbeiten bis hin zu Objekten und Zeichnungen reicht. Für einige Tage war es nun möglich, ihr über die Schulter zu gucken. Sechs Abende lang entwickelte sie zusammen mit dem Theater Ausbruch die Aufführung „Der falsche Tag”, welche jetzt einmalig zu sehen war.

Der Arbeitsprozess war für alle zwölf beteiligten Künstler besonders spannend. Am Anfang wurden zwei große Themen gesucht, welche die Basis geben sollten. Tismer entschied sich für die Themen „Vater” und „Traum”. Hierzu schrieben Laien sowie Künstler ihre Gedanken und Erinnerungen auf.

In einem nächsten Schritt wurden diese Ergebnisse dazu genutzt, um für jeden Einzelnen die passende Rolle auf der Bühne zu finden. Herausgekommen ist nach sechstägigem Arbeitsprozess ein Wechselspiel zwischen realer Welt und Traumwelt, zwischen Surrealismus und Komik.

Mit einer Mischung aus Tanz- und Sprechtheater inszenierte Tismer elf kurze Akte, die stets mit Thesen und Antithesen spielen, was wiederum ein Charakteristikum für die Arbeiten der Künstlerin ist. Die Laienschauspieler tanzen, hüpfen, räkeln, wälzen sich mal singend, mal weinend, dann wieder erklärend durch den Raum. Die Zuschauer stehen wie Schaulustige um sie herum. Konstant wird das Publikum in die Performance integriert, sei es, um sich erklären zu lassen, warum Zebrafinken nicht von der Stange fallen oder wie ein „Mörderhaus” von innen aussieht.

Wer sich jedoch auf leichte Kost eingestellt hatte, wurde enttäuscht. „Der falsche Tag” ist subversiv und schwer verdaulich. Schnelle Szenenwechsel und die vielen Interaktionen machten es nicht immer leicht, das künstlerischen Crossover zu verstehen. „Mir ist wichtig, dass das Publikum gezwungen ist, sich einen Reim darauf zu machen, was gerade auf der Bühne passiert. Es ist eine ganz persönliche Auseinandersetzung mit der Gegenwart, der Realität und Surrealität”, so Anne Tismer.

Noch eine Aktion zum Ende der Schau

Anne Tismers Arbeiten sind noch bis 9. Mai im NAK-Haus im Stadtgarten (Eingang Passstraße) zu sehen. Zur Finnisage wird die Künstlerin die Performance „bongani” zeigen, die das Schicksal und die Weltsicht eines traumatisierten Kindes zu fassen sucht.

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