Falsche Polizisten: Am Ende ist das Opfer am Boden zerstört

Von: Oliver Schmetz
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Polizeibeamte müssen auf Verlangen ihren Polizeidienstausweis vorzeigen. Bei entsprechendem Lichteinfall wird ein Hologramm sichtbar.

Aachen. Das Verbrechen, das sich an diesem Donnerstagabend in einer guten Wohngegend im Aachener Süden ereignet, ist eines, das auch erfahrene Ermittler nur noch kopfschüttelnd zurücklässt.

Weil die Täter mit einer Dreistigkeit vorgehen, wie man es selten erlebt. Und weil das Opfer, eine betagte und alleinstehende Dame, ihnen hilflos ausgeliefert ist und nach der Tat, die sie nicht nur materiell erheblich schädigt, „am Boden zerstört“ zurückbleibt, wie die Polizei es beschreibt.

„Eine absolute Extremsituation“

Als die Seniorin an diesem Donnerstagabend ihr Haus aufschließt, ist für sie die Welt noch in Ordnung. Alles ist wie immer – bis ihr etwa eine halbe Stunde später im Wohnzimmer plötzlich zwei wildfremde Männer gegenüberstehen. Für die Frau ist dies ein enormer Schock, doch die beiden Fremden beruhigen sie sofort. Sie seien Polizeibeamte und gekommen, um sie zu beschützen, sagen sie der alten Dame. Denn draußen in ihrem Garten würden sich zwei Räuber aufhalten.

Die Männer, die die Seniorin in ihrem Wohnzimmer überrascht, sind Einbrecher, keine Polizisten, aber einer der beiden zeigt ihr kurz einen vermeintlichen Polizeiausweis. Das Lichtbild in dem Ausweis zeigt einen der beiden Männer, die Frau glaubt die Geschichte. „Ihr ist nie der Zweifel gekommen, dass es vielleicht doch keine Polizisten sein könnten“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen und nimmt das vermeintlich leichtgläubige Opfer in Schutz: „Ich kann die Frau verstehen. Sie war sehr aufgeregt, es war eine absolute Extremsituation. Das wäre sicher auch anderen passiert.“

Man müsse sich die Situation nur einmal vorstellen: der Schock, fremden Männern im eigenen Haus zu begegnen, die Nachricht von Räubern im Garten, die Erleichterung darüber, dass die Polizei schon da ist. Hinzu kommt, dass die beiden Männer laut Polizei „kommunikativ sehr gewandt“ sind. Und damit überzeugend.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter schon im Haus sind, als die Frau abends heimkehrt. Und sie sind sich ziemlich sicher, dass die Tat gut vorbereitet war. „Die haben das Ganze vorher ausbaldowert und wussten, dass da eine ältere Frau alleine wohnt“, sagt Kemen. Die Spurensicherung hat später eine eingeschlagene Scheibe gefunden. Die Männer sind ganz banal eingebrochen.

Doch wie sie dann ihre Rolle wechseln, mit welcher Dreistigkeit aus echten Einbrechern falsche Polizisten werden, haben die Ermittler selten erlebt. Denn die Täter nutzen die Situation nicht, um unerkannt zu entkommen, sondern treiben ihre Tat auf die Spitze. Sie bitten die Frau, ihnen sicherheitshalber alle Orte zu zeigen, wo sich Wertgegenstände befinden, worauf die Hausbesitzerin sie durch Haus führt. Danach schicken sie sie an ein Fenster mit dem Auftrag, den Garten zu beobachten und sich zu melden, wenn sie die Räuber sieht. Und dann knacken sie den Tresor und stehlen Familienschmuck und Bargeld in „beträchtlichem Wert“, wie die Polizei sagt. „Solch ein abgebrühtes und dreistes Vorgehen habe ich in 20 Jahren auf der Pressestelle noch nicht erlebt“, sagt Kemen.

Von den Tätern weiß man wenig

Als die Frau bemerkt, dass die Männer plötzlich abhauen, schaut sie sich im Haus um, entdeckt das Unheil und ruft die richtige Polizei. Und ist derart „am Boden zerstört und fassungslos“, dass sie zu den Tätern kaum genaue Angaben machen kann. Die Ermittler werden mit der Seniorin in den nächsten Tagen noch einmal in Ruhe reden, um Personenbeschreibungen zu erhalten. Bislang weiß man von den Tätern nur, dass – eloquent wie sie waren – Deutsch ihre Muttersprache sein muss. Und dass es sich um Profis handeln muss.

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