Falsch verstandene Tierliebe

Von: Julia Gröbbels
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Aachen. Obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist, passiert es immer wieder: An verschieden öffentlichen Plätzen füttern vermeintlich tierliebe Menschen Enten und Tauben mit großen Mengen Brot und Vogelfutter.

„Diese Menschen handeln aus falsch verstandener Tierliebe“, so Herbert Fleu vom Naturschutzbund Aachen. Dass sie der Umwelt durch ihr Verhalten erhebliche Schäden zufügen, sei vielen Menschen jedoch nicht bewusst. Eine der Folgen sei eine erhebliche Verschlechterung der Wasserqualität, die zum „Umkippen“ der Gewässer führen kann, welche dann − wie zum Beispiel der Westpark-Weiher − häufig unter erheblichem Kostenaufwand entschlammt werden müssen.

Geschieht dies zu spät, kann es zu einem Fischsterben kommen. Aber auch für die Gesundheit der Vögel selbst sei das Füttern alles andere als zuträglich, so Elmar Wiezorek, Leiter des Fachbereichs Umwelt. Da die Vögel keinerlei Veranlassung mehr haben natürliches Futter zu suchen, fehlen ihnen und ihren Jungtieren wichtige in natürlichem Futter enthaltene Inhaltsstoffe. Knochen-, Organ- und Stoffwechselschäden sind die Folgen.

„Bislang ist noch kein Vogel gestorben, weil er im Winter nicht zusätzlich gefüttert wurde und das wird auch nicht passieren“, betont Fleu. In den vergangen Jahren haben Stadt und NABU durch Schilder mit der Aufschrift „Entenbrot ist Ententot“ und Informationsflyer versucht, die Fütterer zur Einsicht zu bringen. Mit ernüchterndem Ergebnis.

„Viele Schilder wurden abmontiert und unsere Flyer wurden durch gefälschte Flyer ersetzt, in denen erklärt wird, wie Vögel richtig zu füttern seien“, so Dr. Gudrun Maxam, Pressesprecherin des NABU. Aus diesem Grunde wolle man unbedingt eine Verunsicherung der Bürgerinnen und Bürger durch die gefälschten Flyer verhindern.

Für alle, die trotz besseren Wissens nicht auf die Fütterung der Tiere verzichten wollen, haben Stadt und Naturschutzbund bereits eine Idee, wie sie ihre Tierliebe sinnvoll einsetzen können. In Aachen gibt es zurzeit insgesamt zehn Taubenschläge, in denen Tauben kontrolliert gefüttert und durch den Austausch der Eier dezimiert werden. Ziel ist nicht die Vernichtung, sondern ein gesunder Taubenbestand.

„Die sieben ehrenamtlichen Taubenwarte würden sich über Verstärkung sehr freuen“, sagt Fleu. Wer einen Garten habe, kann durch das Zusammenstellen von Mischungen aus Sonnenblumenkernen, Nüssen, Haferflocken und getrockneten Apfelstücken nicht nur den Vögeln, sondern auch den eigenen Kindern eine Freude machen, die so auf ganz spielerische Weise lernen eine Amsel von einem Star zu unterscheiden. Es gibt also verschiedene Möglichkeiten seine Tierliebe auf sinnvolle Weise einzusetzen.

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