Fahrradfreundliches Aachen? Sicherheit ist nicht an allen Stellen optimal

Von: Daniel Gerhards
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Konfliktpunkt Kaiserplatz: Die Autofahrer müssen beim Rechtsabbiegen den Radstreifen queren. Außerdem ist die Abbiegespur so schmal, dass Pkw oft auf dem Radstreifen stehen oder fahren. „Das ist ganz schlecht gemacht“, kritisiert ADFC-Vorsitzende Monika Volkmer die städtischen Verkehrsplaner. Foto: Michael Jaspers
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Konfliktpunkt Pontstraße: Dort konfrontieren die Verkehrsplaner die Fußgänger mit den Radfahrern – und davon gibt es auf Aachens Partymeile nicht nur abends und nachts sehr viele. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Freude machen, das sollte das Radfahren – eigentlich. Alles andere als spaßig kann es aber im Straßenverkehr in der Aachener Innenstadt werden. Autos, Fußgänger und Radfahrer können sich an vielen Stellen in Aachen ins Gehege kommen. Und dann wird es gefährlich.

Die Stadt Aachen hat sich Fahrradfreundlichkeit auf die Fahnen geschrieben. Und auch schon einiges für die Sicherheit der Radler getan, sagt Monika Volkmer, Vorsitzende des ADFC Aachen. Das hat an einigen Stellen gut funktioniert, an anderen sieht der Fahrrad-Club noch Handlungsbedarf.

Brenzlig werden kann es zum Beispiel auf Radwegen werden, die nicht auf der Straße, sondern auf dem Bürgersteig verlaufen. Deshalb setzt sich der ADFC dafür ein, die blauen Radwegschilder flächendeckend abzuhängen wie bereits vor Jahren an der Jülicher Straße geschehen. „Dort ist es sicherer, auf der Straße zu fahren“, sagt Volkmer. Auf dem niveaugleich mit dem Bürgersteig ausgebauten Radweg würden die Fahrradfahrer vor allem an Kreuzungen und Ausfahrten viel schlechter von den Autofahrern gesehen, es laufen Leute über den Radweg und oft stehen Mülltonnen im Weg.

Nur bei Gefahr auf Bürgersteig

„Man wird erheblich besser gesehen, wenn man auf der Straße fährt, und dort passieren auch weniger Unfälle“, sagt Volkmer. Fahrradfahrer auf den Radweg zu zwingen, um den Verkehr auf der Straße flüssig zu halten, sei nicht mehr zulässig. „Die blauen Radwegschilder dürfen nur noch dort hängen, wo es für die Radfahrer wirklich zu gefährlich ist, auf der Straße zu fahren.“

Ebenfalls auf dem Gehweg verläuft der Radweg in der Pontstraße vom Ponttor zum Driescher Gässchen. Fahrradfahren ist dort aber oft nicht möglich: „Das ist uns ein Dorn im Auge“, sagt Volkmer. Der rot gepflasterte Radweg wird – nicht nur abends, wenn in der Pontstraße der Bär steppt – so oft von Fußgängern genutzt, dass Radfahrer dort kaum ins Rollen kommen. „Wenn viel los ist, hat man gar keine Chance da durchzukommen. Viele Leute nehmen gar nicht wahr, dass sie auf einem Radweg gehen.“ Die Lösung könnte ganz einfach sein: „Man müsste die Einbahnstraße nur für Radfahrer in Gegenrichtung freigeben. Ein Rad und ein Bus kämen da problemlos aneinander vorbei“, sagt Volkmer. Dann gäbe es viel weniger Konflikte mit den Fußgängern.

Fußgänger, die mitten auf dem Radweg gehen, gibt es an der Kreuzung Wilhelmstraße/Adalbertsteinweg kaum. Dafür blockieren Autos dort oft den Radstreifen. Von der Normaluhr kommend gibt es rechts einen Schutzstreifen für Radfahrer.

Konfliktpunkt Kaiserplatz

Erster Konfliktpunkt: Die Rechtsabbiegerspur ist wie an der Normaluhr/Ecke Zollernstraße links neben dem Radstreifen, beim Abbiegen müssen Autofahrer über den Radweg. Und: Die Rechtsabbiegerspur am Kaiserplatz ist zu schmal, dort fahren und stehen die Autos oft auf dem Radstreifen. „Das ist ganz schlecht gemacht“, sagt Volkmer. „Im fahrenden Verkehr muss man aufpassen, dass man nicht von Rechtsabbiegern umgefahren wird.“ Die Planer hätten dort nicht im Sinne der Radfahrer gedacht: „Um die Leistungsfähigkeit der Kreuzung für den motorisierten Verkehr nicht zu beeinträchtigen, werden die Radfahrer an die Seite gedrängt. Leider haben sich die Planer geirrt: Es funktioniert für Radfahrer einfach nicht.“

Aber so unglücklich plant die Stadt nicht überall – zum Glück: Am Karlsgraben sei eine wesentliche Lücke in den Radfahrstreifen auf dem Ring geschlossen worden. Dort gibt es zwischen Radweg und parkenden Autos etwas Abstand. Das ist gut, falls jemand zurücksetzt oder plötzlich die Türe öffnet. Und die „Fahrradweiche“ am Alexianergraben erleichtert das Abbiegen zwischen den Autos. Und mit der Markierung von Rad- und Schutzstreifen auf dem Alleenring wurde ein wichtiges Zeichen für den Radverkehr gesetzt und eine deutliche Verbesserung erreicht.

Auch wenn die Radschutzstreifen so vorbildlich angelegt sind, sollten Radfahrer, Autofahrer und Fußgänger trotzdem immer aufeinander achten. Haben die Aachener das verinnerlicht? „Es gibt immer Menschen, die sehr rücksichtslos sind und die glauben, dass die Verkehrsregeln für sie nicht gelten. Aber auch wenn sich viele vernünftig verhalten, wünsche ich mir schon mehr Miteinander im Straßenverkehr“, sagt Volkmer.

Ein Problem sei vor allem, dass viele Autofahrer zu nah am Radfahrer überholen – manche hielten bloß zehn Zentimeter Abstand. Und dann kann es eng werden. Volkmers Tipp: „Man sollte als Radfahrer mindestens einen halben oder einen ganzen Meter Abstand zum Bordstein halten. Dann wird man auch nicht so eng überholt, weil der Autofahrer die Spur wechseln muss, um zu überholen.“ Laut Rechtsprechung sind ein bis eineinhalb, bei erkennbarer Unsicherheit auch zwei Meter Seitenabstand beim Überholen von Radfahrern vorgeschrieben. Daran halten sich viele Autofahrer aber nicht. Das wiederum verunsichert manchen Radfahrer. Volkmers Rezept: „Nach innen defensiv sein und nach außen Selbstbewusstsein zeigen.“ Dann kommt man nicht so schnell in brenzlige Situationen.

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