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Facebook-Party: Stadt lässt Elisengarten sperren

Von: Matthias Hinrichs
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Keine Chance zum Massenrendezv
Keine Chance zum Massenrendezvous per Internet-Absprache: Nach dem Party-Aufruf auf „Facebook”, der bis gestern Abend rund 2500 Zusagen erntete, hat die Stadt beschlossen, den Elisengarten heute komplett zu sperren. Auch die Polizei soll die Tabuzone sichern. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Sollten sich die Befürchtungen der - vor allem städtischen - Ordnungshüter bewahrheiten, führt die nächste große Datenautobahn in Sachen „dicke Party” am Freitagabend schnurstracks Richtung Elisengarten - ganz reell. Der gleichnamige Aufruf auf Facebook erntete am Donnerstag weiter reichlich Zusagen.

Rund 2500 virtuelle Freunde sind der Einladung zum mehr oder minder spontanen „Event”, der gleich in doppelter Ausführung (Freitag ab 19 Uhr und Samstag ab 23.30 Uhr) im grünen Herzen der Stadt steigen soll, bis zum frühen Abend gefolgt. Insgesamt wurde der Schwof-Appell, der höchstwahrscheinlich unter einem Pseudonym ins Netz gestellt wurde, gar rund 15.000 Mal geklickt.

Die Stadt hatte das ansonsten freilich gänzlich unorganisierte Happening indes prompt untersagt. Und wappnete sich Donnerstagmittag bei einer kleinen Krisenbesprechung direkt vor Ort und in Absprache mit der Polizei, um die Aktion quasi im Keim zu ersticken. Heißt: Diesmal kommen auch die Harten nicht in den Garten. Frei nach dem altbekannten Sponti-Spruch sollen am Wochenende in Sachen öffentliches Grün die Signale vorübergehend auf Rot gestellt werden.

„Die Anlage ist für eine solche Massenveranstaltung einfach nicht geeignet, wir können das nicht verantworten und wollen daher auf Nummer sicher gehen”, bekräftigte Hans Poth vom städtischen Pressebüro. Deshalb soll das komplette Areal zwischen Hartmann- und Ursulinerstraße ab Freitag früh gesperrt bleiben. „Wir müssen auf Nummer sicher gehen und werden daher bereits am Morgen Gitter aufstellen”, erklärte Poth. Und erinnerte an das Verursacherprinzip: „Wir behalten uns vor, dem Menschen, der den Aufruf initiiert hat, die Kosten in Rechnung zu stellen, sofern wir ihn ermitteln können - schon, um etwaigen Wiederholungen vorzubeugen.” Zwar wolle man sich keinesfalls dem Vorwurf aussetzen, gerade jungen Leuten gegenüber gleich die juristisch-bürokratische Keule zu schwingen. „Grundsätzlich sind wir offen für neue Ideen”, unterstreicht Poth. „Aber Aktionen wie diese brauchen nun einmal Planung.”

In der Tat hatte sich das Areal vor der rund 2,4 Millionen Euro teuren Umgestaltung durchaus als attraktive Bühne für Open-Air-Veranstaltungen bewährt. Dennoch: Öffentliche Toiletten stünden dort zum Beispiel nicht zur Verfügung, so Poth. „Auch offizielle Anfragen für größere Veranstaltungen haben wir nach der Neugestaltung stets abschlägig beschieden.” Folglich soll am Freitag lediglich der Zugang zum Restaurant geöffnet bleiben.

Fragt sich allerdings, ob sich die einschlägige Internetgemeinde von all dem beeindrucken lässt. Nicht wenige Facebook-Fans ließen bereits wissen, dass sie notfalls eben spontan eine andere Örtlichkeit in der City anzusteuern gedenken. Wenn tatsächlich viele junge Menschen kommen, so Hans Poth, denke die Stadt darüber nach, wie man die Menschenströme umlenken kann.
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