Explosive und berauschende Nacht im Aachener Theater

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Erstklassige Band: Keiner spielte sich in den Vordergrund, und dennoch lieferte jeder Musiker eine perfekte und zugleich sehr gefühlvolle Leistung ab. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Rosenblätter auf dem Bühnenboden, Bistrotische, rote Kerzen auf silbernen Leuchtern, die Musiker ganz in Schwarz – es war Freitagabend alles im Großen Haus des Theaters Aachen bereitet für „eine Nacht in Buenos Aires“. Doch wer angesichts des fast schon stereotypen Bühnenbildes einen „typischen“ Tangoabend erwartet hatte, musste sich gleich beim ersten Stück mächtig an den Lehnen seines Theatersessels festhalten.

Die Initiatoren Blanca Gleisner und Patricio Arroyo hatten mit Marcelo Nisinman nicht nur einen weltberühmten Bandoneonisten, sondern auch einen zeitgenössischen Tango-Komponisten nach Aachen geholt. Denn argentinischer Tango ist mehr als Astor Piazzolla.

Nisinman bewegt sich mit seinen Werken zum einen in den typischen südamerikanischen Tango-Sounds und geht doch weit darüber hinaus, mischt kompromisslos europäische Einflüsse dazu und vereint alles zu einem ganz eigenen Stil: Leidenschaftlich dramatisch, explosiv, jazzig, berauschend.

Der Tango kann aber auch introvertiert, unendlich traurig und damit auf eine andere Weise wunderschön sein. Und – das bewies Conférencier Philipp Manuel Rothkopf höchstpersönlich mit einer kleinen Gesangseinlage vor der Pause – er kann sogar lustig sein: „Oh, Donna Clara“ begeisterte in den 1930er Jahren schon Europa und sorgte auch jetzt für amüsierte Ausrufe. All diese Facetten kamen beim Tangoabend zum Zuge – mit Werken aus rund 100 Jahren Tango-Geschichte. Natürlich – auch Piazzolla fehlte nicht. Doch selbst hier gab es Überraschungen für die Ohren.

Gleisner (Englisch Horn und Oboe) und Arroyo (Tenor) hatten eine hochkarätige Schar von Musikern um sich versammelt, die in jedweder Besetzung wunderbar miteinander harmonierten, von denen sich keiner in den Vordergrund spielte und dennoch jeder von ihnen eine perfekte und zugleich sehr gefühlvolle Leistung ablieferte: Neben Gleisner, Arroyo und Bandoneon-Mann Nisinman waren das am Klavier Alfredo Perl, an der E-Gitarre Mark Samama Jensen, an der Violine Felix Giglberger, am Kontrabass Johannes Hugot und auch der scheidende Generalmusikdirektor Kazem Abdullah mit der Klarinette.

Ein Abend voller „Huh“, „Ahh“ und „Buena“ und damit die beste Vorbereitung auf ein eigenes sehr gefühlvolles Tango-Tänzchen im Anschluss im Spiegelfoyer.

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