Aachen - Explorado haucht Neuem Kurhaus neues Leben ein

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Explorado haucht Neuem Kurhaus neues Leben ein

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Soll der neue Besuchermagnet am Kurpark werden: Stadt und Politik setzen beim Neuen Kurhaus auf das Konzept der Kölner Eventspezialisten Explorado für eine der edelsten Adressen Aachens. Foto: Michael Jaspers
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Der Lenné-Pavillon soll im Rahmen der Sanierung des Neuen Kurhauses abgerissen werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn sich die Spitzen aller Fraktionen um den Oberbürgermeister scharen, um anschließend nahezu mit einer Stimme zu sprechen, kann man ohne Übertreibung von einem seltenen Schauspiel in der Aachener Kommunalpolitik sprechen.

Wenn es dann auch noch um das Thema „Zukunft des Neuen Kurhauses“ geht, das für manch einen Beobachter in der Vergangenheit eher wie ein Drama mit unzähligen Irrungen und Wirrungen daherkam, ist die besetzungsstarke Präsentation eines Konzepts für den Prachtbau an der Monheimsallee wohl das, was sich (fast) jeder Erzähler wünscht: eine gelungene Geschichte mit Happy End. Ein paar Fragen bleiben dennoch weiterhin offen.

Am Mittwoch informierte OB Marcel Philipp gemeinsam mit CDU, SPD, Grünen, Linken, FDP und Piraten darüber, wie das Nutzungskonzept für den schicken Leerstand aussieht. Der Kölner Eventspezialist Explorado soll dem seit Ende Mai verwaisten Kurhaus neues Leben einhauchen.

Das Unternehmen genießt einen hervorragenden Ruf und steht unter anderem hinter dem erfolgreichen Science-Abenteuer-Museum „Odysseum“ in Köln und dem „Sea Life“ in Oberhausen. Die letzten Zweifel beseitigten Vertreter der Explorado-Gruppe am Montagabend. Da stellten sie ihr Konzept den Fraktionen ausführlich vor. Fraktionsübergreifender Tenor: „Die verstehen in Handwerk.“

80.000 Besucher pro Jahr?

In Aachen möchte das Unternehmen mit einem auf die Stadt zugeschnitten Angebot punkten. So planen die Macher im rechten Flügel des Kurhauses einen Eventbereich nach durchaus bewährtem Konzept: Mitunter sperrige (Kunst-)Themen sollen dem Besucher leicht zugänglich präsentiert werden.

Eine Idee: Ein Jahr lang stehen das Wirken und die Werke Michelangelos im Fokus – selbsterklärend nicht mit Originalstücken, sondern ansprechend und multimedial aufbereitet. Im Jahr darauf könnte der Schwerpunkt zum Beispiel auf Marc Chagall liegen und so weiter und so fort.

Im linken Flügel soll nach der Sanierung des Gebäudes wieder das Spielcasino, das derzeit im Tivoli residiert, einziehen. Der Mitteltrakt soll in seinen Ursprungszustand zurückgebaut werden. Im dortigen Kursaal samt Galerie zieht dann der niederländische Gastro- und Catering-Riese Maison van den Boer ein. „Das Ganze ist absolut auf Unterhaltung ausgerichtet“, findet CDU-Fraktionschef Harald Baal Gefallen an dem Gesamtkonzept.

Und das soll massig Menschen anziehen: Explorado kalkuliert laut OB Philipp für die Aachener Attraktion mit mindestens 80.000 Besuchern pro Jahr. Zum Vergleich: Das Ludwig Forum zählt pro Jahr etwa 20.000 Besucher, ebenfalls gut 80.000 Menschen strömten zur Eröffnung in den Einkaufstempel Aquis Plaza. Kosten soll der Eintritt nach ersten Angaben des potenziellen Betreibers 8 oder 9 Euro (Kinder und Rentner zahlen die Hälfte).

Doch eigentlich, machte Marcel Philipp am Mittwoch deutlich, sei es für solche Detailüberlegungen noch viel zu früh. Denn eines gibt es bei aller Freude über die Weichenstellung in Sachen Neues Kurhaus noch nicht: trockene Tinte in Form von Unterschriften unter einem Vertrag mit dem Betreiber. Erst muss kommende Woche der Hauptausschuss dem Konzept zustimmen, dann sollen die konkreten Verhandlungen mit Explorado schnell zum Abschluss gebracht werden.

Anschließend wird noch einmal eine Menge Wasser die Wurm runterfließen, bevor das runderneuerte Neue Kurhaus seine Pforten öffnet. Optimisten peilen Ende 2018 an. Dann, so war es einst vereinbart, soll eigentlich Westspiel mit seinem Casino wieder von der Krefelder Straße an die Monheimsallee ziehen.

Mit Gerücht aufräumen

Apropos Casino: Häufig wurde zuletzt darüber spekuliert, dass die Verantwortlichen von Westspiel längst Gefallen an ihrer neuen Heimat im Stadion gefunden haben und gar nicht mehr zurück wollen. „Wir hoffen, dass wir mit diesem Gerücht aufräumen können“, betonte SPD-Fraktionschef Michael Servos. Denn dass nun Explorado als Partner bereit steht, gehe vorrangig auf das Engagement des Casino-Betreibers zurück, bestätigte OB Philipp.

Anfang des Jahres habe Westspiel eine Studie in Auftrag gegeben, wie das Neue Kurhaus in Zukunft betrieben werden kann. Bevor allerdings die Roulettekugeln wieder rollen, populäre Ausstellungen Besucher locken und Feinschmecker in feinem Ambiente schlemmen können, steht der große Umbau an. Den muss die Stadt alleine stemmen.

Etwa 20 Millionen Euro sind dafür in den kommenden Jahren im Haushalt veranschlagt. Allerdings, das betonten alle Fraktionen, sei die nun gefundene Lösung mit Explorado jene, die für die Stadt künftig die günstigste sei. So hofft die Verwaltung, über die Vermietung des Gebäudes langfristig ein Gewinngeschäft zu machen. In diesem Punkt allerdings herrscht dann doch nicht komplette Einigkeit. Vor allem Grüne und FDP setzen hinter diese Hoffnung (noch) ein Fragezeichen.

Der Pavillon weicht, kommt ein neuer Club?

Der Lenné-Pavillon soll im Rahmen der Sanierung des Neuen Kurhauses abgerissen werden. Dort entsteht eine Terrasse, die gastronomisch betrieben wird. Im Untergeschoss, wo einst das Automatencasino untergebracht war, würde die Politik in Zukunft gerne Räume für einen Club sehen. Die Anregung sei bei Explorado durchaus auf Interesse gestoßen, so Michael Servos (SPD).

Über die Sanierung und das Nutzungskonzept des Neuen Kurhauses wird am kommenden Mittwoch, 18. November, im Hauptausschuss beraten und abgestimmt (17 Uhr, Sitzungssaal des Rates, Rathaus). Die Stadt favorisiert eine Mietvereinbarung mit der Explorado-Gruppe über zehn Jahre. Die geplante Sanierung sieht vor allem vor, das Gebäude denkmalgerecht in seinen Grundzustand zurückzusetzen, um es anschließend multifunktional nutzen zu können. Geschätzte Kosten: 20 Millionen Euro.

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