Experten erklären die Nutzung der Thermalquellen

Von: Leon Kirschgens
Letzte Aktualisierung:
14683441.jpg
Hier ist die Thermalquelle offensichtlich: Am Burtscheider Markt wurde das heiße Wasser bereits früher genutzt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. 500 Haushalte in Aachen an 365 Tagen im Jahr heizen – und zwar kostenlos nur durch den Einsatz von Thermalwasserquellen. Das könnte nach Ansicht der Bürgerstiftung Lebensraum durchaus Realität werden. Jetzt trugen Caroline Schroeder und Henry Riße vom Institut für Wasserwirtschaft der RWTH auf der Burg Frankenberg vor, wie die Aachener Thermalquellen zur Energiegewinnung genutzt werden können.

„Die Quellen in Aachen gehören zu den wärmsten Europas“, sagte Schroeder, die über dieses Thema ihre Bachelorarbeit an der RWTH schrieb. Die Landesbadquelle in Burtscheid sei beispielsweise 74 Grad Celsius warm. Daher sei es auch nicht verwunderlich, dass Karl der Große sich seinerzeit in Aachen niederließ.

Heute dagegen würden die Aachener Quellen nur noch wenig beachtet. Zwar nutzten beispielsweise die Carolus-Thermen Thermalwasser aus der Rosenquelle. Doch ein Großteil des Thermalwassers aus den elf Burtscheider und vier Aachener Quellen bleibe ungenutzt.

Das müsse sich ändern, schließlich könne man damit auch ein zukunftsweisendes Projekt anstoßen: „Irgendwann werden die fossilen Energiequellen wie Braunkohle ausgeschöpft sein“, sagte Lieser. Die Thermalquellen könnten dann eine von vielen erneubaren – und lokalen – Energiequellen sein. „Sich nicht jetzt schon Gedanken darüber zu machen, wäre fahrlässig“, sagte er.

Gedanken gemacht über die heißen Quellen hat sich die Bürgerstiftung bereits vor zehn Jahren. Damals initiierte sie schon einmal eine Bachelorarbeit in Kooperation mit der RWTH und sucht seitdem nach Mitstreitern in der Politik – bislang allerdings erfolglos. „Wir haben einen Brief an den Oberbürgermeister Philipp mit unseren Erkenntnissen geschickt“, sagte Ulrich Lieser von der Bürgerstiftung. Eine Antwort sei bislang jedoch ausgeblieben.

Wirtschaftlichkeit bewiesen

Dabei sei die Wirtschaftlichkeit erwiesen. Am Beispiel der Kirche St. Foillan rechnete Riße dem Publikum vor, dass eine Investition in Wärmetauscher und Wärmepumpen lohne. Etwa 12.000 Euro könne allein St. Foillan an Heizkosten pro Jahr einsparen, da für die alte Heizung kein Schornsteinfeger mehr beauftragt werden müsse und die Gas-, Wartungskosten wegfielen.

Einziges Problem blieben die Abwassergebühren der Stadt. Fielen diese nicht weg, gehe die Rechnung nicht mehr auf. Doch Lieser zeigte sich optimistisch, dass die Stadt ihnen dort entgegenkäme. Schließlich würde auch diese dadurch Instandhaltungskosten für die Abwasserrohre sparen, da das Wasser nach einer Nutzung deutlich kühler als bisher in das Abwassersystem fließe. Außerdem sei es ein Imagegewinn für die Stadt, wenn die eigenen Thermalquellen mehr genutzt würden. Damit käme dem „Bad“ im Namen Aachens vielleicht wieder mehr Daseinsberechtigung zu.

Die Rahmenbedingungen, so fassten die Vertreter der RWTH und die Bürgerstiftung zusammen, seien vorhanden. „Jetzt müssen wir nur noch etwas Wärmeenergie in den Prozess bringen“, sagte Lieser und spielte damit auf die Zaghaftigkeit der Aachener Politik an.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert