Ex-Talbot-Werk vor Verkauf: 190 Jobs gesichert?

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
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Bombardier
Die tiefe Skepsis bei den Bombardier-Beschäftigten weicht langsam. Foto: dpa

Aachen. Die einen versuchen es als den großen Wurf zu verkaufen, die anderen runzeln skeptisch die Stirn. Die einen sind die Verantwortlichen des Bombardier-Konzerns, die anderen sind die Beschäftigten des Aachener Ex-Talbot-Werks, das eigentlich zum 30. Juni geschlossen werden sollte. Die einen verkünden die Absicht, ihren Standort an den Personaldienstleister Quip AG aus Baesweiler verkaufen zu wollen, die anderen sehen darin die Konzernstrategie, „einen Haufen Probleme loszuwerden“.

Fakt ist: Die Quip AG will zusammen mit dem bisherigen Werkleiter Dirk Reuters die „Talbot Services GmbH“ gründen. 160 Beschäftigte und 30 Auszubildende sollen aus dem bisherigen Team in die Gesellschaft „übergehen“. Grego Peters bezeichnet das als „Hälfte der Belegschaft“. Die Aussagen des Geschäftsführers von Bombardier kommen bei Betriebsrat, Gewerkschaft und Betroffenen als erste Mogelpackung an. Im Werk sind derzeit ohne Azubis 400 Mitarbeiter plus 200 Leiharbeiter beschäftigt. Peters und Quip-Vorstand Wolfgang Haller sprechen zudem von „Anpassung der Kostenstrukturen“, sprich geringeren Löhnen über einen „Haustarif“. Betriebsratschef Josef Kreutz kündigt an, dass man diesen Weg „nicht um jeden Preis“ mitgehen werde. Er betont, dass „der große Gewinner bei der Sache Bombardier selber“ sei, weil man sich hoher Kosten, die bei einer Schließung fällig würden, entledigen wolle. Bombardier selber spricht von „großer sozialer Verantwortung“, der man gerecht geworden sei. Kreutz sagt jedoch auch, dass in einem möglichen Neuanfang „eine große Chance“ liegen könne, „wenn das hier fair abläuft“. Aber: „Wir sind noch meilenweit von unseren Zielen entfernt.“ Bereits heute soll weiter verhandelt werden, nachdem die Mitarbeiter am Mittwoch von der Neuigkeit völlig überrascht wurden.


Die neue Gesellschaft will für Bahnbetreiber und -hersteller Reparatur, Instandsetzung und mehr anbieten. Der Bedarf sei groß. Nicht ausgeschlossen sei auch, dass demnächst im Auftrag wieder Züge gefertigt würden – vielleicht auch für Bombardier. Auf dem riesigen Gelände kann man sich außerdem weitere Nutzungen vorstellen. Eine Idee ist etwa die Produktion des Elektroautos „Streetscooter“. Aachens OB Marcel Philipp nennt die Neuigkeit einen „Schritt in die richtige Richtung“.


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