Ex-Anwalt vor Gericht: „Ich wurde von einem Mandanten bedroht“

Von: Wolfgang Schumacher
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Foto: Ralf Roeger

Aachen/Düren. Ex-Anwalt Antonius Peter S. (50) musste am Mittwoch einiges vor der 1. großen Strafkammer am Aachener Landgericht erklären. Über seinen Verteidiger Bastian Bödeker hatte der jüngst noch von „Aktenzeichen XY“ gesuchte Jurist ankündigen lassen, er werde sich zu den Vorwürfen äußern und sie zumindest teilweise einräumen.

S. wird vorgeworfen, in den Jahren 2007 bis 2009 gewerbsmäßig Mandantengelder in Höhe von mehr als 80 000 Euro veruntreut und sich dem Zugriff der Behörden durch Flucht entzogen zu haben. In der Tat war der Anwalt beinahe vier Jahre untergetaucht, er wurde schließlich Anfang 2013 bei seinen Eltern in Düren aufgestöbert.

Wie es zu dieser Situation kommen konnte, versuchte der 50-Jährige am Mittwoch zu erklären. Zunächst ließ er seinen Verteidiger jeden Punkt der 18 angeklagten Fälle erörtern. Danach habe es sich oftmals um Mandantengelder gehandelt, die er zwar eingenommen, aber zu spät weitergeleitet habe. Dies auch deswegen, weil in verschiedenen Mandantenverhältnissen seinerseits Honorarforderungen bestanden hätten, die zum Teil heute noch gegenzurechnen seien. Also war zunächst von einem Teilgeständnis, das dazu noch von Reue und Einsicht geprägt ist, keine Rede. Es sei im Gegenteil alles eine Verkettung unglücklicher Umstände und eine völlige Überforderung seinerseits nach einem schweren Verkehrsunfall gewesen.

Der aus Düren stammende Anwalt war damals Mitglied einer Kanzleigemeinschaft in Aachen und habe wegen des Unfalls im Jahr 2005 monatelang nicht arbeiten können. Plötzlich sei der letzte Verbliebene in der Kanzleigemeinschaft gewesen, auch seine Frau habe wegen des Unfalls nicht mehr mitarbeiten können – das Geld sei knapp geworden. Das habe dazu geführt, dass ihn schließlich ein Mandant massiv bedrohte.

Arbeit für US-Firma

Im Juni 2009 sei er dann unauffällig in die Schweiz gegangen. Dort habe er juristisch eine US-Firma beraten. Neben einem Honorar wurden ihm dort in Zürich Unterkunft und Logis bezahlt, erklärte er dem Gericht unter Vorsitz von Richterin Regina Böhme.

Als die Sache zur Jahreswende 2010 ausgelaufen sei, habe er dann wegen der Drohungen inkognito bei seinen Eltern Zuflucht gesucht, da wurde er aufgefunden. Er habe in der Zeit nicht das Haus verlassen, sagte er. Der Prozess geht am Dienstag weiter.

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