Ex-Anwalt Günter S.: „Bin selber in die Falle getappt“

Von: Wolfgang Schumacher
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Die Geschichte, um die sich die Anklage rankt, ist eine echte Räuberpistole.

Aachen. Unter „Vortäuschung falscher Tatsachen“ und mit dem Unterlassen, „vollständig und wahrheitsgemäß“ Sachverhalte darzustellen, so formulierte es am Freitag Oberstaatsanwältin Jutta Breuer vor dem Aachener Schöffengericht, soll der ehemalige Anwalt Günter S. (83) in 28 Fällen zwischen November 2012 und November 2013 Gelder von Privatanlegern ergaunert haben. Gewerbsmäßiger Betrug und Untreue werden ihm vorgeworfen.

Die Geschichte, um die sich die Anklage rankt, ist eine echte Räuberpistole. Bereits im Jahr 2014 hatte Staatsanwältin Breuer eine Anklage vertreten, bei der sich die Täterin Ingrid S. aus Köln, damals 69 Jahre alt, vor einer Großen Strafkammer am Aachener Landgericht verantworten musste.

S. war eine vorbestrafte Betrügerin, die bereits im Gefängnis eine Geschichte in die Welt gesetzt hatte, nach der sie angeblich Zugriff auf ein Millionenerbe in der Schweiz habe. Das Geld, dazu Goldbarren und Schmuck, so ließ sie durchsickern, liege quasi abholbereit auf einem Konto bei der renommierten Züricher Privatbank Julius Baer. Nur noch bestimmte Formalien seien zu erledigen. So wurde sie beim Aachener Anwalt und einstmals prominenten Strafverteidiger Günter S. – er vertrat in einem spektakulären Mandat den inzwischen wieder freien Reemtsma-Entführer Thomas Drach – vorstellig. Der erfahrene Jurist solle ihr dabei helfen.

Günter S. biss an, so schnell, wie es heute in der Rückschau für ihn „unbegreiflich“ sei, sagte der Ex-Anwalt gebeugt zwischen seinen beiden Strafverteidigern Norbert Hack (Eschweiler) und Osama Momen (Aachen) sitzend. „Ich habe das mit der Erbschaft geglaubt. Erst heute weiß ich, dass das alles nicht stimmt“, stellte der Ex-Anwalt, der seine Zulassung nach dem Desaster im Jahr 2014 zurückgegeben hatte, resigniert fest.

Laut der vor Richter Christian Schneider verlesenen Anklage hatte S. sich Anleger gesucht und den solventen Aachener Geschäftsleuten die Erbschafts-Story unterbreitet, ihnen dabei horrende Profitversprechen gemacht, wenn sie denn die Rahmenkosten des Deals wie Notargebühren, Gerichtskosten und Steuervorauszahlungen vorfinanzieren würden.

Eine Reihe „gieriger“, wie er sie heute bezeichnet, Financiers gaben ihm zum Teil hohe Bar-Summen, die er ganz und ohne jeden Cent für sich selber an die Betrügerin Ingrid S. weitergeleitet haben will. Immer neue, wahnwitzige Storys erfand Ingrid S., und immer neue Hemmnisse tauchten auf – schließlich platzte die ganze Geschichte. Da war dann nach Berechnungen der Staatsanwaltschaft bereits ein Schaden von rund 170 000 Euro zu beklagen.

S. sagte am Freitag dazu: „Ich bin selbst geschädigt, von mir hat sie rund 80 000 Euro bekommen.“ Der Prozess wird am 29. Juni fortgesetzt.

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