„Europaerklärer“ Rolf-Dieter Krause erhält die Karlsmedaille

Von: Madeleine Gullert
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Rolf-Dieter Krause
Der langjährige ARD-Korrespondent Rolf-Dieter Krause wird mit der Karlsmedaille ausgezeichnet. Foto: dpa

Aachen. Ein „Europaerklärer“ wird ausgezeichnet. Der langjährige ARD-Korrespondent aus Brüssel, Rolf-Dieter Krause, erhält am 18.Mai die Karlsmedaille für europäische Medien in Aachen. Knapp 20 Jahre war Krause bis zu seinem Ruhestand im vergangenen August für die deutschen Fernsehzuschauer das Gesicht aus Brüssel. Seine Markenzeichen: das obligatorische Halstuch und sein Wissen über die Europäische Union.

In Zeiten, in denen über Fake News diskutiert wird, in denen Journalisten in der Türkei verhaftet werden und in denen Journalisten an der Ausübung ihrer Arbeit sogar in EU-Ländern wie Ungarn und Polen abgehalten werden, sei das ein klares und starkes Zeichen, sagte Aachens Bürgermeisterin Margrethe Schmeer (CDU).

Genauer ein Zeichen für Freiheit, wie Jürgen Linden präzisierte. „Das passt in diesem Jahr auch genau zu dem Karlspreisträger“, sagte am Donnerstag Jürgen Linden, Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums. Karlspreisträger Timothy Garton Ash, Historiker und Schriftsteller, habe sein letztes Buch schließlich über die Rede- und Meinungsfreiheit geschrieben. „Ich sehe die Freiheit als Schwerpunktthema des diesjährigen Karlspreises und der Karlsmedaille“, sagte Linden. „Nur eben aus anderen Perspektive.“

Krauses Perspektive auf die Europäische Union ist eine mit Haltung. Das hat nicht immer jedem gefallen, auch wenn der Verein „Médaille Charlemagne pour les Médias Européens“ in seiner Begründung die „integrative Arbeit, die Krause geleistet hat“, hervorhob. Er habe den Zuschauern teils komplexe Sachverhalte nachvollziehbar erläutert. Das Medium Magazin ehrte ihn 2012 als „Journalist des Jahres“, weil er „im europäischen Schicksalsjahr der Eurokrise zum Erklärer Europas wurde“, lautete damals die Begründung. Das passt auch heute noch. „Krause ist einer der wenigen Menschen, der Europa sogar in einem 90-Sekunden-Beitrag erklären kann“, sagte Michael Kayser, Vorsitzender des Vereins „Médaille Charlemagne“.

Rund 20 Jahre lang arbeitete Krause im Herzen der Europäischen Union, in Brüssel: von 1990 bis 1995 und von 2001 bis 2016. Im „Bericht aus Brüssel“, in der „Tagesschau“ und den „Tagesthemen“ berichtete er bis 2016 über die Gründung der Europäischen Union, die Eurokrise und den Brexit und sagte wiederholt sehr offen, dass es die EU den Menschen nicht leicht mache. „In Europa sind die Akteure nicht so greifbar wie in Berlin, wo sie Daumen hoch, Daumen runter jederzeit urteilen können“, sagte er in einem Interview. Trotzdem sei es der einzige Job in seinem Leben gewesen, der partout nicht langweilig geworden sei.

„Ich bin kein Diplomat“, sagte Krause über sich selbst. Tatsächlich gab es reichlich Kritik, als er Griechenland 2015 harsch angriff. Nicht objektiv sei das, kritisierten viele Medien damals. Man müsse „die Jungs von Syriza zum Teufel jagen“, hatte Krause unter anderem gesagt. Anfang der 90er schrieb er das Buch „Europa auf der Kippe – 14 Argumente gegen den Vertrag von Maastricht“, meist kritisierte er den Euro, der sich „eher als ein Sprengsatz, ein Spaltpilz“ erweise. Trotzdem bleibt er ein Anhänger des Projekts Europa, ohne es verklärt zu sehen.

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