Eurogress: Raucherzelt-Streit birgt weiteren Zündstoff

Von: Robert Esser
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Auch ohne Raucherzelt gilt: Ein voller Saal im Eurogress reicht nicht aus, um eine Karnevalssitzung ohne rote Zahlen über die Bühne zu bringen. Foto: Michael Jaspers
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Auch ohne Raucherzelt gilt: Ein voller Saal im Eurogress reicht nicht aus, um eine Karnevalssitzung ohne rote Zahlen über die Bühne zu bringen. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Viel Rauch um nichts? Von wegen. Nach dem Disput um ein Raucherzelt-Verbot vor dem Eurogress bleiben Spannungen zwischen den Führungsetagen der großen Aachener Karnevalsvereine und der Geschäftsführung des Kongresszentrums an der Monheimsallee.

Die Vereine hatten empört auf die Entscheidung des Eurogress‘ reagiert, künftig aus wirtschaftlichen Gründen bei Galasitzungen kein Raucherzelt mehr – das die Vereine ohnehin anteilig mitbezahlen mussten – aufstellen zu wollen.

So hatte etwa der Kommandant der Prinzengarde, Dirk Trampen, scharfe Kritik geübt: „Nicht nur, dass die Prinzengarde die schlechte Tonqualität des Vorjahres mit gut zehn Prozent Kartenrückgang im Vergleich zum vergangenen Jahr zu verkraften hat – jetzt müssen wir noch befürchten, dass durch das Nichtaufstellen des Raucherzeltes demnächst auch noch die Raucher zu Hause bleiben werden.“

Und weiter an die Adresse der Eurogress-Geschäftsführerin Kristina Wulf: „Wenn dieser Kurs Ihres Hauses weiter so in den nächsten Jahren gefahren wird, brauchen wir kein Eurogress mehr für unsere Sitzung, weil keiner mehr zur Oecher Fastelovvendschau kommen wird.“

Deutliche Worte fand ebenso der Präsident des Festausschusses Aachener Karneval (AAK), Frank Prömpeler: „Viele mittlere und kleinere Vereine sind bereits auch aus Kostengründen nicht mehr mit ihren Veranstaltungen im Eurogress, verlieren somit zunehmend an Bedeutung und mit ihnen auch unser Brauchtum Karneval als immaterielles Kulturerbe. Selbst den ,Großen‘ fällt es zunehmend schwerer, aufgrund der Preisgestaltung in Ihrem Hause Veranstaltungen wirtschaftlich darstellen zu können“, schrieb er.

Etwa ein Dutzend Karnevalstermine zählt das Eurogress noch pro Jahr. Der AAK-Präsident erinnerte daran, dass allein der Karneval pro Session über 20.000 Gäste ins Eurogress lockt und neben den Saalmieten für hohe gastronomische Umsätze sorgt. Prömpeler plädierte für ein Raucherzelt – und vor allem für ein klärendes Gespräch mit allen Beteiligten im kommenden Jahr.

Der Präsident der Öcher Duemjroefe, Thomas Sieberichs, erklärte indes auf AZ-Anfrage, man habe bei den eigenen Sitzungen keine Probleme mit dem Eurogress. Aber: „Es ist Fakt, dass jede Sitzung ein Minus-Geschäft für den Verein ist.“ Dies liege aber nicht nur am Eurogress, sondern an steigenden Kosten für Ton- und Lichttechnik sowie den hohen Künstlergagen. Bald werde man deshalb wohl die Eintrittspreise erhöhen müssen, die derzeit in der Regel bei rund 25 Euro für große Sitzungen liegen.

Ein Kompliment an die Euro-gress-Mitarbeiter, zu denen man beim Aufbau von Bühnen etc. persönlich Kontakt hat, macht Michael Hommelsheim, Kommandant der Öcher Börjerwehr: „Die sind super“, sagt er. Er wünscht sich – neben einem Raucherzelt – vor allem, dass die Aufbauzeiten für die Vereine nicht noch weiter verkürzt werden. Diese werden angeblich immer knapper, weil das Eurogress sonst höhere Personalkosten verbuchen müsste.

Eurogress-Geschäftsführerin Kristina Wulf lenkte nun in einem Punkt ein: „Wir werden auch in der kommenden Session ein Raucherzelt zur Verfügung stellen“, erklärte sie. Andere Vorwürfe werden zurückgewiesen. Die Saalmieten seien seit 2013 nicht mehr erhöht worden, kein Kunde erhalte bei Veranstaltungsmieten so hohe Rabatte wie die Aachener Karnevalsvereine.

So berechne man teils nur einen einzigen Tontechniker, obwohl zwei vor Ort seien, hieß es. Als städtisches Unternehmen müsse man zudem bei jeder wirtschaftlichen Entscheidung den Steuerzahler – der letztlich draufzahle – im Blick behalten, ließ Wulf wissen. Damit dürfte der Raucherzelt-Fall noch weiteren Zündstoff bergen....

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