Aachen - Euregionales Medienzentrum: Echte TV-Expertin übernimmt Regie

Euregionales Medienzentrum: Echte TV-Expertin übernimmt Regie

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Medien im Wandel: Lara Langfort-Riepe ist die neue Leiterin des Euregionalen Medienzentrums. Im Gebäude am Blücherplatz stehen zwar auch noch Projektoren und Filmrollen aus längst vergangenen Tagen, der Blick des Medienzentrum-Teams richtet sich aber vor allem Richtung Zukunft. Die liegt – natürlich – im Digital- und Onlinesegment. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Wir wollen doch moderner wirken“, sagt Lara Langfort-Riepe und lacht beim Blick auf die langen Regalreihen voller alter 16mm-Filme, vor der sie fotografiert werden soll. Es ist ihr erster Pressetermin. Zumindest vor der Kamera. Hinter dem Sucher kennt sich die 36-Jährige dagegen bestens aus.

Als Redakteurin und Regisseurin hat sie für große deutschen TV-Sender Beiträge produziert. Von Beginn an eine Herzensangelegenheit für sie: über und für Kinder berichten, ihnen aber auch die Welt der Medien näherbringen und erklären. Perfekte Voraussetzungen, um nun in Aachen die Stelle als Leiterin des Euregionalen Medienzentrums der Stadt und der Städteregion Aachen sowie der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgien anzutreten. Für wie viele Schulen sie und ihr Team Ansprechpartner sind, warum die VHS-Kassette bei einigen Lehrern immer noch gefragt ist und welche neuen Ideen sie umsetzen will, erzählt die Wahl-Kölnerin im AZ-Samstagsinterview.

Wie fit sind Kinder und Jugendliche heutzutage im Umgang mit Medien?

Langfort-Riepe: Die Kinder und Jugendlichen sind sehr fit. Wir dürfen aber nicht vergessen: Auf die Kinder prasselt mittlerweile eine Flut an Informationen ein. Daher müssen sie gut geschult werden, um mit den allgegenwärtigen Medien zurechtzukommen und den Überblick zu bewahren. Das fällt uns Erwachsenen schon ungemein schwer, warum sollte es da den Jüngeren anders gehen? Wichtig ist: Wir müssen gerade kleine Kinder an die Hand nehmen. Da sind vor allem die Eltern, aber auch Erzieher, Lehrer und auch Einrichtungen wie wir vom Euregionalen Medienzentrum der Stadt und der Städteregion unter Beteiligung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens gefragt.

Wie kann genau da das Euregionale Medienzentrum helfen?

Langfort-Riepe: Wir setzen an unterschiedlichen Stellen an. Zum einen sind wir für die Schulen zuständig. Als Medienzentrum versorgen wir die Schulen in der Region – und davon betreuen wir insgesamt rund 240 in Aachen, der Städteregion und der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien – mit Medien. Wir engagieren uns darüber hinaus aber auch in der vor- und außerschulischen Medienbildung, arbeiten also zum Beispiel fast täglich mit Kitas zusammen. Drei Medienberater sind regelmäßig bei uns im Gebäude am Blücherplatz vor Ort und stehen mit ihrem Fachwissen den Lehrkräften zur Verfügung.

Sie machen also auch schon Kita-Kinder fit am Computer?

Langfort-Riepe: Ja, aber natürlich auf eine möglichst spielerische Art und Weise. Wir bieten spezielle Aktionen bei uns im Haus für Kita-Kinder an, bei denen wir die Kleinen dann an Medien heranführen.

Nennen Sie uns doch bitte ein Beispiel.

Langfort-Riepe: Wir erstellen beispielsweise mit den Kindern kleine Trickfilme. Wir haben bei uns im Haus eine so genannte Trickboxx, um solche Filme zu produzieren. Die Kinder überlegen sich selbst Geschichten und setzen diese um. Das Schöne daran: Am Ende sehen die Kinder das fertige Produkt. In diesem Prozess wird zum einen die Kreativität der Kinder gefördert, sie lernen aber auch die technischen Aspekte kennen.

Ein Job in der Medienbranche – für viele junge Menschen ist das immer noch ein Traumberuf. Sie haben jahrelang als Redakteurin und Regisseurin für TV-Sender gearbeitet. Nun sind Sie als Leiterin des Medienzentrums in eine Verwaltung gewechselt. Wie kam es dazu?

Langfort-Riepe: Oh, da muss ich aber ein bisschen früher ansetzen, um erklären zu können (lacht).

Gerne!

Langfort-Riepe: Ich habe bereits als Schülerin bei einer Lokalzeitung und beim Lokalradio gearbeitet. Schon damals habe ich gemerkt, dass mich besonders die Themen für und über Kinder und Jugendliche sehr interessiert haben. Wenn irgendwo ein Kinder-Schwimmwettbewerb stattgefunden hat, da war klar, dass ich losziehe und darüber berichte.

Kinderthemen liegen Ihnen also besonders am Herzen.

Langfort-Riepe: Ja, vielleicht liegt es auch daran, dass ich aus einer Lehrerfamilie komme und daher eine große Affinität für das Thema Kinder und Jugendliche entwickelt habe (lacht). Das hat letztlich dazu geführt, dass ich Kommunikationswissenschaften mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik studiert habe. Ich war mir einfach früh sicher: Das ist mein Ding!

Wie ging es dann für Sie weiter?

Langfort-Riepe: Ich habe zunächst ein Fernsehvolontariat bei einer Produktionsfirma in Köln absolviert. Dort habe ich zum Beispiel als Redakteurin und Regisseurin Sendungen wie „Wohnen nach Wunsch“ mitgestaltet – das ist eine Einrichtungssendung, die wir für VOX produziert haben. Damals stand zur Debatte, dass man ein ähnliches Format auch kindgerecht fürs Kinderfernsehen umsetzt. Leider ist es letztlich nicht realisiert worden. Der Bereich hat mich aber nicht losgelassen. Und so arbeitete ich unter anderem als Dozentin für die Film- und Medienakademie in Hamm und schulte Kinder, Jugendliche und Lehramtsanwärter im Bereich Redaktion, Kamera und Schnitt.

Und nun sind sie in Aachen. Wie kam es konkret dazu?

Langfort-Riepe: Dadurch, dass ich stets auch medienpädagogische Kurse für Kinder und Jugendliche gegeben habe, darüber hinaus auch Medienkonzepte für Schulen und insbesondere den Offenen Ganztag im Kölner Raum entwickelt habe, bot sich schließlich die Möglichkeit an, zum Medienzentrum nach Aachen zu wechseln. Diese Chance habe ich gerne genutzt. Nun kann ich nicht zuletzt meine Erfahrungen im spannenden Aufgabenfeld der Schule weiter ausbauen und die Medienbildung auf der kommunalen Ebene vorantreiben. Ein weiterer interessanter Aspekt dieser Arbeit ist: Das Medienzentrum deckt nicht nur den städtischen und ländlichen Bereich ab, sondern ist auch grenzüberschreitend tätig.

Das Medienzentrum bietet neben seinem Onlineangebot weiterhin rund 7000 klassische Medien – also VHS-Kassetten, DVDs und sogar noch 16mm-Filme – zur Ausleihe für Schulen an. Ist das für den Unterricht im 21. Jahrhundert überhaupt noch gefragt?

Langfort-Riepe: Die Anfragen gehen in der Tat zurück. Die Zukunft liegt sicherlich in unserem Onlineangebot, das derzeit rund 6400 Medien umfasst – Tendenz steigend. Dennoch: Auch die klassischen Angebote wie VHS-Kassetten und natürlich DVDs werden auch heute noch von Lehrern ausgeliehen. Das liegt sicherlich zum Teil an der technischen Ausstattung vor Ort. In einigen Schulen stehen noch VHS-Rekorder. Nicht jede Klasse verfügt zudem über moderne, multimedial nutzbare Whiteboards. Manchmal ist es für den Lehrer schlichtweg einfacher, eine VHS-Kassette einzuschieben und damit den Unterricht zu gestalten anstatt zuerst zu prüfen: Könnte ich dieses Medium auch direkt über die Online-Plattform abrufen? Ist die Internetverbindung schnell genug? Das ist zum Beispiel gerade in ländlichen Gebieten ja nicht immer der Fall. Zudem gilt bisher: Unser Onlineangebot steht nur den Schulen offen. Optimal wäre es natürlich, wenn in Zukunft sämtliche Bildungseinrichtungen, also zum Beispiel auch die Kitas, auf unsere Onlinedatenbanken zugreifen könnten. Einschlägige Medienpakte sind zum Teil schon heute vorhanden.

Das Medienzentrum richtet sich mit seinem Angebot also an Kitas, Schulen und weitere Bildungseinrichtungen. Der „einfache“ Bürger kann nicht vorbeikommen und sich etwas bei Ihnen ausleihen?

Langfort-Riepe: Das Medienzentrum richtet sich in erster Linie an schulische und außerschulische Bildungseinrichtungen. Aber eines meiner Ziele ist es beispielsweise, Angebote für die „Best Ager“, also die Generation 50plus, zu etablieren. Die haben schließlich auch einen großen Bedarf, sich Technikwissen anzueignen, gerade mit Blick auf die neuen Medien. Vielleicht können wir in Zukunft auch in diesem Bereich noch mehr Bürger ansprechen und unterstützen.

Kehren wir einmal zurück ins Klassenzimmer: Immer mehr Kinder besitzen bereits im Grundschulalter ein eigenes Smartphone. Die Faszination, die die neuen Medien auf junge Menschen ausüben, ist enorm. Was ist Ihrer Meinung nach das optimale „Einstiegsalter“?

Langfort-Riepe: Ein konkretes Alter zu nennen, ist schwierig. Heranwachsenden den Umgang mit den neuen Medien generell zu verbieten, halte ich jedoch für den falschen Weg. Eltern müssen individuell gucken: Welche Fähigkeiten bringt mein Kind mit? Wie geht es mit Medien um? Je jünger die Kinder sind, desto wichtiger ist natürlich die Funktion der Eltern. Sie müssen die Medienerfahrung ihrer Kinder begleiten – und dabei auch klare Regeln aufstellen, was zum Beispiel den Umfang der Nutzung angeht. Darüber hinaus sollten insbesondere jüngere Kinder nicht vor dem Fernseher oder Computer alleine gelassen werden.

Schule befindet sich im Wandel. Am Einhard-Gymnasium soll bald die erste Tabletklasse an den Start gehen. Wie sieht es denn mit der Tabletausstattung im Medienzentrum aus?

Langfort-Riepe: Wir denken in der Tat gerade darüber nach, einen Satz Tablets anzuschaffen. Lehrer könnten diese dann für Projekte in ihren Klassen ausleihen. Das Pilotprojekt am Einhard-Gymnasium sehen wir sehr positiv. Dort werden Eltern die Tablets für ihre Kinder kaufen, damit diese sie dann im Unterricht benutzen können. Stichwort: Bring your own device! Was am Einhard funktioniert, ist aber sicherlich nicht eins zu eins auf alle anderen Schulen übertragbar. Bei dem Einsatz von eigenen Geräten gilt: Es müssen viele Rahmenbedingungen beachtet werden. Neben sozialen Gesichtspunkten spielen so auch Aspekte wie Datenschutz eine Rolle. Eine Bereitstellung von Tablets durch das Medienzentrum ist eine gute Option, damit auch andere Schulen diese Technik nutzen können.

Moderne Medien werden den Unterrichtsalltag also immer stärker bestimmen.

Langfort-Riepe: Davon kann man ausgehen. Wichtig ist aber: Die Basis muss die Pädagogik sein. Es geht nicht in erster Linie um schicke Tablets und eine tolle IT-Ausstattung, sondern um die Frage: Wie kann ich die pädagogischen Herausforderungen mit den Chancen des technologischen Fortschritts bestmöglich verbinden?

Können Sie das an einem Beispiel deutlich machen?

Langfort-Riepe: Wir besitzen interaktive Systeme, die Lehrer im Unterricht über die Whiteboards – also die modernen, multimedial einsetzbaren Tafeln – im Unterricht benutzen können. Das bietet meiner Meinung nach gerade auch im Grundschulbereich tolle Möglichkeiten. Möchte ein Lehrer nun zum Beispiel mit seinen Schülern in der Biologiestunde über ein Gürteltier sprechen, kann er dieses schnell und unkompliziert visuell darstellen. Das erleichtert die pädagogische Arbeit ungemein. Nicht jedes Kind heute weiß, was ein Gürteltier ist, wie es aussieht. Sehen sie es als Bild auf dem Whiteboard, das ein wenig wie ein riesiges iPad funktioniert, gelingt die Vermittlung der Lerninhalte viel eingängiger. Die Kinder sehen sofort: Aha, das ist ein Gürteltier!

Bietet der Einsatz moderner Medien weitere Vorteile?

Langfort-Riepe: Diese Form des medienunterstützten Unterrichts baut zudem Barrieren ab. Auch Kinder, die zum Beispiel die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrschen, können so schneller in den Unterricht integriert werden. Was ich auch sehr spannend finde: Es gibt mittlerweile auch Medienpakete in arabischer Sprache, die wir in Zukunft einsetzen könnten, um beispielsweise mit Flüchtlingskindern in Schulen zu arbeiten.

Apropos Zukunft: Wagen wir einen Ausblick. Wo steht das Euregionale Medienzentrum in fünf Jahren?

Langfort-Riepe: Wir sind auf dem Weg zu einer modernen Medienbildungsagentur. Das klingt im ersten Augenblick nach einem schönen, modernen Wort, mir ist diese Entwicklung aber wirklich wichtig. Denn wir sind keine klassische Verwaltungseinrichtung. Wir arbeiten vielmehr pädagogisch und sind an der Basis unterwegs. Das bedeutet, dass wir mehr leisten als allein eine klassische Versorgung der Schulen mit Medien. Wir bieten eine kompetente Beratung und Qualifizierung in allen Fragen rund um das Leben und Lernen mit Medien an. Wir sind somit nah dran an denen, die Medienkompetenz vermitteln und vermittelt bekommen sollen: an den Kindern, den Lehrern, den Erziehern und den Eltern. Und für diese Aufgaben haben wir hier ein tolles Team beisammen.

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