Euregio: 125 Polizisten jagen Temposünder

Von: os
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Polizeikontrolle
„Verkehrskontrolle, Ihre Papiere bitte!” Foto: ddp

Aachen. Es ist einiges los in der kleinen Wohnstraße. Kinder spielen, ein Jugendlicher dribbelt mit einem Basketball über den Bürgersteig. Da kommt ein Auto angerauscht. Der Fahrer steigt in die Bremse, aber er ist zu schnell. Frontal erwischt das Fahrzeug ein Kind, das die Straße überquert, und wirbelt es durch die Luft...

Es ist ein Schockvideo, das die Polizei in dem Bulli am Grenzübergang Köpfchen Temposündern zeigt. Das wirklich Schockierende daran: Es ist die authentische Aufnahme eines Amateurfilmers, anders als die übrigen Videos, die nachgestellte Crash-Szenen zeigen. Drastisch wird hier dokumentiert, was Jörg Pionke kurz vorher in nüchterne Worte gefasst hat: „Bei Tempo 30 kommt man noch rechtzeitig zum Stehen, wenn in 15 Meter Entfernung ein Kind die Straße überquert”, hat der Polizeidirektor gesagt.

„Wenn man 50 fährt, ist man nach 15 Metern immer noch 50 km/h schnell - man kann gar nicht so schnell reagieren.” Was dieser Aufprall für das Kind bedeutet, sagt Pionke auch: „Das ist so, als würde es aus zehn Metern Höhe fallen.”

Jörg Pionke ist an diesem Mittwochmittag am Grenzübergang Köpfchen, weil er ein ernstes Thema an den Mann bringen will. Und weil er Sprecher des euregionalen polizeilichen Arbeitskreises Verkehr ist. Als solcher stellt er mit belgischen und niederländischen Kollegen eine konzertierte Kontrollaktion vor, wie sie das Grenzland im Kampf gegen Temposünder noch nicht gesehen hat (siehe „Region Rhein-Maas”). Und einer der 32 Kontrollpunkte, an denen insgesamt 125 Polizisten aus drei Ländern im Einsatz sind, ist der Grenzübergang an der Eupener Straße.

Dort stehen sich uniformierte Kollegen aus zwei Ländern direkt gegenüber. Rechts die Deutschen, links die Belgier. Raser gibt es hüben wie drüben, aber in Belgien ist es teurer. Die junge Autofahrerin, die die deutschen Beamten herauswinken, weil sie mit 71 Sachen in der 50er-Zone geblitzt worden ist, kommt mit 30 Euro davon. Hätte sie sich von belgischer Seite der Grenze genähert, wären es 50 Euro gewesen.

Mehr zahlen müssen zwei Frauen, über die die Polizisten nur noch den Kopf schütteln können. Drei Erwachsene und drei Kinder sitzen in dem Auto, das mit Tempo 81 herausgefischt wird. Eine Mutter sitzt hinten, ihr Kind ungesichert auf dem Schoß. Die Fahrerin ist mit 90 Euro dabei, die Mutter mit 50. Letztere guckt auch ein Schockvideo. Es zeigt, wie nicht angeschnallte Kinder von der Rückbank durch die Windschutzscheibe auf die Fahrbahn fliegen.

„Die Frau schien wirklich beeindruckt”, erzählt Franz-Josef Lichotka, Verkehrssicherheitsberater der Polizei. Doch manchmal trügt der Schein, versagt jede Prävention. Denn als die Frauen fahren, blickt Lichotka zufällig noch einmal in den Wagen. Und er sieht, dass die Mutter ihr Kind wieder bei sich hat - auf dem Schoß.
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