EU-Fähnchen und frischer Wind für Europa

Von: kaa
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Für Europa Flagge zeigen: Im Kleinen fängt es an. Foto: Ralf Roeger

Aachen. In knapp drei Wochen feiert die Europäischen Union 70. Geburtstag der Römischen Verträge, einem der Grundsteine der EU, wie wir sie heute kennen. Doch in Feierlaune ist Europa nicht: Flüchtlingskrise, Brexit, erstarkender Nationalismus und Rechtspopulismus in den Mitgliedsstaaten.

Wie steht es also um die europäische Idee bei den Menschen, die in Europa leben? Blickte man am Sonntagnachmittag auf den Katschhof, konnte man sagen: Es gibt Hoffnung.

Auf der Terrasse des „Ratskellers“ am Rathaus wehen blaue EU-Luftballons und EU-Fähnchen. Es ist die Auftaktveranstaltung von „#pulseofeurope“ in Aachen. Hinter dem Namen steht eine zivilgesellschaftliche Initiative, die Ende November 2016 in Frankfurt ihren Anfang nahm und sich im Schneeballsystem weiter verbreitet hat. Der Bürgerinitiative geht es darum, dem Auseinanderdriften Europas etwas Positives entgegenzusetzen. Sie setzen sich für den Erhalt und eine Reform der EU ein, erinnern an die Grundwerte Freiheit, Frieden, Rechtsstaatlichkeit, Toleranz und Achtung der Menschenwürde.

Sichtbare Zeichen sind Kundgebungen, die jeden Sonntag zur gleichen Zeit an einem zentralen Ort stattfinden. 29 Städte sind in Deutschland mittlerweile beteiligt. Celle, Berlin, Essen und Köln gehören dazu. Die Aachener Initiatoren sind Joachim Sina, Tobias Ruof und Matthias Caspar-Bours. Ruof ist im deutsch-schweizerischen Grenzland aufgewachsen, lebt jetzt in Aachen und arbeitet in Maastricht: „Mich prägen Erinnerungen daran, dass an der Grenze noch Soldaten mit Maschinengewehren Hier kann ich über die Grenze fahren, und nichts geschieht.“

Matthias Caspar-Bours will die europäische Idee bewahren: „Im letzten Jahr ist mit dem Brexit das Unmögliche möglich geworden. Jetzt scheint es für einige wieder möglich, dass die Zukunft nicht mehr Europa heißt.“ Inzwischen hat sich der kleine Platz an der Rathausseite gefüllt, an die 200 Menschen mögen es gegen 14 Uhr sein, später über 300. Der Aachener Journalist Manfred Kutsch eröffnet die Kundgebung: „Es wurde Zeit.“ Sechs Redner treten in der kommenden Dreiviertelstunde ans Mikrofon. Sie erzählen, warum sie sich als Europäer fühlen und warum es so wichtig ist, diese Idee zu verteidigen. Kutsch selbst berichtet von seinen Erfahrungen in der Grenzregion nach dem Zweiten Weltkrieg, vom anfänglichen Misstrauen der belgischen und niederländischen Nachbarn, vom langsamen Wiederzusammenwachsen.

Zusammenhalt wünscht sich auch Maurice de Boer, Hausherr des Ratskellers. Der aufkeimende Nationalismus in seinem Geburtsland Niederlande erschreckt ihn. Dass auch in Deutschland rechtspopulistische und nationalistische Bewegungen an Boden gewinnen, daran erinnerte Benny Battke vom europäischen Studentenforum AEGEE in Aachen. „Geht wählen!“ ruft er den Zuhörern zu. Große Ideen beginnen im Kleinen. Untereinander klarkommen, Andersdenkende nicht ausgrenzen, das ruft Christian Harting in Erinnerung.

Mit einer Menschenkette endet die erste „#pulseofeurope“-Kundgebung in Aachen, die nun jeden Sonntag hier stattfindet.

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