„Et Leben is de Summe von ene Haufen Hantier“

Von: Carolin Kruff
Letzte Aktualisierung:
7901377.jpg
Mit ihren Geschichten mitten aus dem Leben mittenmang unter den Leuten: Heinz und Willi alias Uwe Brandt (rechts) und Bernd Büttgens faszinierten 500 Zuschauer in Kornelimünster mit einem ganz besonderen Zirkusabend. Foto: Andreas Steindl
7901380.jpg
Verzauberte das Publikum mit seinem Akkordeon: Manfred Leuchter in der Rolle des Weißclowns. Foto: Andreas Steindl

Kornelimünster. Wenn zwei Öcher Urgesteine eine Busreise tun und ihr trautes Revier verlassen, dann kann es passieren, dass sie in Kornelimünster landen, genauer im Zirkus Lollipop der GS Kornelimünster am Abteigarten. Dass sie aber urplötzlich und „zufällig“ zu den Hauptdarstellern des Abends werden – damit haben Heinz und Willi wohl nicht gerechnet.

In der Tat – diese Namen sollten Sie sich merken: Der „unbestechliche“ Heinz Grosjean, Steinkaulstraße 14, angestellt beim Katasteramt Aachen, „strafversetzt“ zu den Buchstaben L bis M, und Willi Hermanns von der Sedanstraße, der „berühmteste aller Öcher Friedhofsgärtner“ und „Primelquäler“.

Wie ein altes Ehepaar

Wie ein altes Ehepaar wirken die beiden verschrobenen Originale; Heinz als der bodenständige Pragmatiker, der sich im adretten Nadelstreifenanzug gerne als „Grandseigneur von Welt“ gibt, was durch seine etwas zu kurz geratene Krawatte und seinen „Öcher Dialekt“ jedoch wieder herrlich konterkariert wird, Willi als in Erinnerungen schwelgendes und sensibles „Muttersöhnchen“ und absoluter Zirkus-Fan, der in Cordhose, Karohemd, „Rock“ und Hornbrille einer anderen Zeit entsprungen zu sein scheint. Vom Outfit über die Mimik bis hin zu den flotten Dialogen und kleinen Sticheleien zwischen den Zeilen: Hier passt alles bis in die Haarspitzen!

Ins Herz schließt man die beiden Lokalpatrioten sowieso von Beginn an, denn: Sie erzählen Geschichten mitten aus dem Leben, zeigen sich als gefühlvolle „Normalos“, ja, sie könnten Nachbarn sein. Das macht sie so lebensecht – und liebenswert. Hinter dem urkomischen Gespann verbergen sich Bernd Büttgens (Willi), stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung, und Uwe Brandt (Heinz), Intendant des Grenzlandtheaters, die ihren Alter Egos eine Menge Öcher Temperament verpassen.

Aber von vorne: Denn eigentlich wollten die beiden mit den anderen 500 Gästen im Zirkuszelt einen spannenden Abend mit Artisten und Kunststücken erleben. Dafür wurde sogar der Kegelabend abgesagt. Dann die große Enttäuschung: Ernst Frösch vom Bezirksamt Kornelimünster (Rolf-Dieter Crott) muss die Veranstaltung absagen. Schuld ist das schützenswerte „Quellmoos“, das kurz vor Veranstaltungsbeginn in der Inde entdeckt wurde. Es brauche absolute Ruhe, was bei einem Zirkusabend nicht gewährleistet sei, heißt es.

Verdutzte Gesichter bei Heinz und Willi. Aber kaum ist die erste Enttäuschung verflogen, erobert das urkomische Duo spontan die Manege. „Der Mann von der Bezirksverwaltung ist längst im Bett, und der Quellmolch wird es auch überleben“, so Heinz wild entschlossen. Und schon nimmt das komödiantische Gastspiel seinen Lauf, und die beiden stellen das Programm komplett auf den Kopf.

Aus „Zirkus Lollipop“ wird kurzerhand „Zirkus Muckefuck“, Willi wird zum feschen Zirkusdirektor ernannt, die Band wird aus dem Publikum via „Speed-Casting“ zusammengewürfelt, wobei es sich um keine Geringeren als Stefan Hansen (Keyboards), Johannes Meier (Gitarre) und René Brandt (Schlagzeug) handelt. Der erste Knaller: Heinz als Zauberkünstler in einem violett-silbernen Glitzer-Outfit – und dazu Tennissocken! Und statt exotischer Tiere werden jede Menge spannende Gäste angekündigt. Zum Beispiel Johannes Flamm, der seiner Klarinette oder „Tröte“, um im Heinz-Jargon zu bleiben, atemberaubende Töne entlockt, mit denen er sogar das einzige „Tier“ dieser Veranstaltung betören und seinem Körbchen entlocken kann: Einen am seidenen Faden hängenden, sich nach oben schlängelnden Alemannia-Schal – natürlich zu den Zeilen von „Alemannia Aachen wird nicht untergehn“. Das gibt Hoffnung!

Manfred Leuchter schlüpft in die Rolle des Clowns, der mit Melodica und Akkordeon das Publikum verzaubert. Bei „Bruder Jakob“ singt das ganze Zelt mit, sogar im Kanon! Und die Aachen-Hymne „Et tröckt mich noh heäm noh ming Käjserstadt“ versetzt nicht nur Heinz und Willi in eine sehnsuchtsvolle Stimmung. Zwischen den „Zirkusnummern“ verfallen die „Klatschtanten“ Heinz und Willi in Plauderlaune und versorgen die Zuschauer mit ihren philosophisch angehauchten Anekdötchen, Küchenweisheiten und dem neuesten Öcher Verzäll. Ob die Beschwerde beim OB über die sechs Wahlzettel bei der letzten Wahl, die „pisseligen“ Karlsfiguren auf dem Katschhof, die Baustellen in der City oder das „stressige“ Berufsleben – nichts und niemand bleibt verschont.

Todesmutig an der Messerwand

Foppereien, Lästereien, Schabernack mit dem Publikum, tiefgründige Öcher Erkenntnisse und Aufregerthemen (Willi: „Da knallt misch der Blutdruck hoch“) gehören natürlich mit dazu und vermischen sich mit dem Nonstop-Gelächter der Zuschauer. Und schließlich sind sich beide Herren einig: „Et Leben is de Summe von ene Haufen Hantier.“ Als todesmutiger Held mit ordentlich Muffensausen findet sich Heinz nach einer verlorenen Schnick-Schnack-Schnuck-Runde an der Messerwand wieder.

Doch als Willi das erste Wurfgeschoss dramatisch in die Höhe streckt und die ersten Takte zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ das Zirkuszelt erfüllen, muss noch etwas geklärt werden: „Du Heinz, wo hast du eigentlich die Busfahrkarte?“ Schallendes Gelächter! Den Part des Messerwerfers übernimmt dann doch ein Profi: Patrick Brumbach, der sich als „schnellster Messerwerfer der Welt“ bezeichnen darf – so steht es im Guinness-Buch der Rekorde.

Einen schönen musikalischen Schlusspunkt setzt das Chanson „Oh mein Papa“, das Flamm und Leuchter gemeinsam mit Heinz und Willi anstimmen und das schon bald der 500 Kehlen starke Chor im Konfettiregen mitsäuselt. Und genauso plötzlich wie das Duo zu Beginn im Zelt stand, ist es zum Schluss auch wieder entschwunden – den Bus zurück in die „Heimat“ wollten sie schließlich bei allem Spaß nicht verpassen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert