Esprit macht seinen „Flagship-Store“ am Holzgraben dicht

Von: Robert Esser
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Zu groß, zu hohe Verluste: Die Modekette Esprit schließt weltweit unrentable Geschäfte. Am Samstag öffnet der „Flagship-Store“ zwischen McDonald‘s und Köpi am Holzgraben zum letzten Mal. Foto: Michael Jaspers
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Neun Geschäftslokale stehen allein am Holzgraben leer: Die Situation verschlimmert sich in der ehemals beliebten Einkaufsstraße seit Jahren.
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Kein Happy End: Das Bavaria-Kino wurde eigens für Esprit am Holzgraben 9 im Jahr 2000 abgerissen.
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Noch zwei Wochen: Am 17. Juni macht „Lust for Life“ das Licht aus.

Aachen. 15 Jahre nach dem Abriss des Bavaria-Kinos und dem Bau eines imposanten „Flagship-Store“ (Vorzeigeladen) geht Esprit am Holzgraben ohne Happy End. Am Samstag öffnet das Modehaus in Aachen zum letzten Mal, Ausverkauf. Damit verliert die Einkaufstangente vom Holzgraben über den Dahmengraben einen weiteren Anziehungspunkt – bis zum „Lust for Life“.

Die umsatzschwache Kaufhof-Tochter macht in zwei Wochen dicht. Alles muss raus. Dann soll der Umbau der alten Horten-Immobilie beginnen. In den unteren Etagen ist ein „Food Market“ als neuer Kundenmagnet geplant. Aber das wird mindestens anderthalb Jahre dauern, eher länger.

Bis dahin blutet die ehemals quicklebendige Einkaufspassage Richtung Elisenbrunnen weiter aus. Am kurzen Holzgraben stehen drei Ladenlokale leer – darunter knapp die Häfte der ehemaligen McDonald‘s-Fläche, die der Hauseigentümer seit geraumer Zeit erfolglos separat zur Anmietung auf dem Markt anbietet. Im weiteren Verlauf warten am Dahmengraben derzeit neun Geschäftslokale auf neue Mieter. 15 Einzelhändler halten dort noch durch. Die Leerstandsquote beträgt hier knapp 40 Prozent – für Aachens Innenstadt rekordverdächtig. Und Besserung ist erstmal nicht in Sicht.

Wie es mit der Esprit-Immobilie weitergeht, ist offen. Eigentümerin ist die Sparkasse Aachen. „Wir bedauern sehr, dass Esprit Aachen verlässt“, sagt Sparkassen-Sprecher Erich Timmermanns. „Es gibt noch keinen Nachmieter. Wir sondieren gerade – natürlich Richtung Einzelhandel, aber auch ein gastronomisches Angebot wäre möglich“, sagt er auf AZ-Anfrage. Schließlich ist der Holzgraben gegenüber des Glaskubus‘ seit Jahren fest in der Hand von Fastfood, Restaurants und Kneipen.

1950 war das Kino am Holzgraben 9 errichtet worden. Das Büro von Professor Hans Kahlen ließ dann 2001 anstelle des legendären Lichtspielhauses den Esprit-Neubau mit 1440 Quadratmetern Verkaufsfläche auf drei Ebenen und großer Glasfassade hochziehen – „wie eine riesige Glasvitrine“, hieß es damals.

„Ich glaube nicht, dass dieses moderne Ladenlokal zu lange leersteht“, erklärt Einzelhandelsexperte Manfred Piana, Geschäftsführer des Märkte und Aktionskreises City (MAC). „Man muss allerdings feststellen, dass durch das Einkaufszentrum Aquis Plaza zwischen Kaiserplatz und Willy-Brandt-Platz an der Adalbertstraße mit den vielen Mode-Geschäften durchaus ein konkurrenzfähiges Gegengewicht zu vergleichbaren Geschäften im Altstadt-Bereich entstanden ist. Darunter leiden dann auch die Umsätze für ,Flagship-Stores' wie Esprit“, sagt er.

Dabei läuft der Umbau des Modeunternehmens Esprit rund um den Globus schon seit rund zwei Jahren. Ab 2015 forcierte man die Schließung unrentabler Esprit-Läden. In Deutschland gab es Ende 2016 noch 147 Stores, weltweit sind es knapp 900. In Aachen verlieren jetzt einige Dutzend Mitarbeiter, meist Frauen, endgültig ihre Jobs.

Wobei das Aus für den hiesigen Standort laut Esprit-Unternehmenssprecher Hartmut Schultz absehbar war: „Der Store wurde am 15. August 2002 eröffnet. Er wird nun geschlossen, weil er schon länger hoch verlustig und viel zu groß ist“, teilt er am Freitag mit. Er verweist Kunden auf das wachsende Online-Geschäft von Esprit und Aachener Nachbarstädte. „Die nächsten Esprit-Geschäfte befinden sich in Düren – circa 35 Kilometer von Aachen – und in Mönchengladbach, was ja kaum 65 Kilometer entfernt ist“, so Schultz.

Ob das Modeunternehmen in den kommenden Jahren an anderer Stelle in die Kaiserstadt zurückkehrt, lässt der Esprit-Sprecher offen. Alternativ-Standorte in verwaisten Geschäftslokalen gäbe es in unmittelbarer Nähe in allen erdenklichen Größen jedenfalls genug. Hier warten noch viele Vermieter auf ein Happy End.

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