Aachen - Eskalation in Elsassstraße: Straßengang jagt Polizisten

Eskalation in Elsassstraße: Straßengang jagt Polizisten

Von: os
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Aachen. Ein Polizist verfolgt einen einzelnen Straftäter und sieht sich plötzlich zehn bis 15 Personen gegenüber, die ihn beschimpfen, bedrohen und verfolgen. Dem Polizisten gelingt die Flucht, er ruft Verstärkung, doch auch die muss sich zurückziehen.

Grund: Auf der Gegenseite haben sich mittlerweile 50 bis 60 aggressive Personen versammelt. Was anmutet wie Szenen aus einem harten Hollywood-Streifen über New Yorker Straßengangs, hat sich am Donnerstagabend ganz real im Aachener Ostviertel abgespielt – und tags darauf vor allem auch im Polizeipräsidium in der Aachener Soers für heftige Diskussionen gesorgt.

„Da gibt es einige Leute, die wohl glauben, sie befinden sich in einem rechtsfreien Raum“, bestätigt Polizeisprecherin Sandra Schmitz auf Anfrage der AZ den äußerst bedenklichen Vorfall. „Aber das ist eine Entwicklung, die wir auf keinen Fall dulden werden.“

Seinen Anfang nimmt das Ganze am Donnerstag gegen 19 Uhr in der Elsassstraße. Ein Streifenwagen ist dort just in dem Moment unterwegs, als ein mit Haftbefehl gesuchter 20-Jähriger ein Lokal verlässt. Einer der Polizeibeamten erkennt den Mann, dieser wiederum ergreift sofort die Flucht. Der Polizist verfolgt ihn zu Fuß, wird dabei allerdings schnell selber zum Gejagten.

Denn eine Gruppe von zehn bis 15 Personen, die die beiden passieren, nimmt ebenfalls die Verfolgung auf – und jagt den Polizisten. „Scheiß-Bulle“ rufen sie dem Beamten hinterher, „wir kriegen dich und hauen dich kaputt“.

Dem Polizisten gelingt die Flucht, man ruft Verstärkung, mehrere Streifenwagen kommen hinzu. Die Polizei will den 20-Jährigen, der bereits mehrfach als Gewalttäter in Erscheinung getreten ist und diesmal wegen Falschgelddelikten gesucht wird, unbedingt ausfindig machen.

Doch wieder ist man deutlich unterlegen: Die Beamten sehen sich mitten auf der Straße einer Gruppe von 50 bis 60 Personen gegenüber – und räumen das Feld. „Das sind Situationen, in denen man sich zum Zwecke der Deeskalation lieber erstmal zurückzieht und später zuschlägt“, sagt Schmitz.

Zwei Strafanzeigen wegen Landfriedensbruchs werden sofort gestellt: gegen den 20-Jährigen und gegen einen 26-Jährigen, der der Polizei bekannt ist. Die Ermittlungen gegen die übrigen Personen laufen unter dem Stichwort „unbekannt“. Über weitere Maßnahmen hüllt sich die Polizei in Schweigen.

Was zunächst bleibt, ist Unbehagen bei den Bürgern – und auf den Fluren des Präsidiums. „Der Kollege hatte wirklich Angst um sein Leben“, sagt Schmitz. „Man stelle sich nur vor, er wäre auf der Flucht gestolpert oder hätte seine Dienstwaffe gezogen.“

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