Aachen - Es wird teurer: Politik baut Müllabfuhr um

Es wird teurer: Politik baut Müllabfuhr um

Von: Robert Esser
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Aachen. Wenn bei Politikern Müll auf der Tagesordnung steht, muss das nicht zwingend mit dem Abfallentsorgungssystem der Stadt zu tun haben – im Betriebsausschuss des Aachener Stadtbetriebs zum Glück schon. Einstimmig haben alle Fraktionen am Dienstagabend – nach jahrelangem Hadern und Zögern – die „Neuausrichtung der Abfallwirtschaft“ beschlossen.

Denn das bestehende System ist ungerecht und türmt Schulden auf. Kleine Tonnen sind zu billig, große – im Verhältnis – zu teuer. Die Folge: Für viele Einfamilienhäuser könnte die Mülltonnenabfuhr ab 2017 doppelt oder zuweilen gar drei Mal so teuer wie bisher werden. Aber: „Eine deutliche Mehrheit der Einwohner dieser Stadt wird vom neuen Gebührensystem profitieren“, betonte Dieter Lennartz, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft im Stadtbetrieb. Genaue Zahlen und Euro-Beträge legte man am Dienstag im Ausschuss allerdings noch nicht öffentlich auf den Tisch. Die Abrechnungsmodelle sollen erst in den kommenden Tagen publik werden. Und am 30. August soll das neue Abfallentsorgungssystem inklusive neuer Gebührenordnung im Bürgerausschuss thematisiert werden – bevor es im September politisch abgesegnet und am 1. Januar 2017 in Kraft treten könnte.

Strittige Punkte wurden am Dienstag ziemlich schnell unter den Tisch gekehrt. So würden für den schwarzen Restmüllsack künftig sieben statt drei Euro fällig. Und die bislang kostenlose Sperrmüllabfuhr will die Stadt bald mit 15 Euro berechnen. Auch wenn viele befürchten, dass damit die ohnehin steigende illegale Müllentsorgung weiter provoziert wird, stimmte kein Politiker gegen diesen Punkt.

In Sachen Mindestbehältervolumen regte sich auch nur kurz Widerstand von Seiten der Grünen: Harald Schmitz-Reiber und Jochen Luczak monierten, dass für die neue Abfallwirtschaftssatzung ein Mindestbehältervolumen von 7,5 Litern pro Person und Woche festgeschrieben werden soll, so dass künftig die kleinste Tonne mit vierwöchiger Leerung nur noch für einen Zwei-Personen-Haushalt zulässig ist. „Für viele ist die Tonne viel zu groß“, sagte Luczak. Und stimmte dann doch nicht dagegen. Lennartz erläuterte, warum der Stadtbetrieb die Tonnendimension für realistisch hält: „Jeder Aachener produziert im Durchschnitt 129 Kilogramm Müll pro Jahr – das entspricht rund 20 Litern pro Woche“, sagte er. CDU-Politiker Ferdinand Corsten nannte das „moderat“. SPD-Politikerin Daniela Lucke verwies auf die Solidargemeinschaft – und erinnerte: „Das bisherige System ist ungerecht.“ FDP-Politiker Peter Blum lobte die kommende Planungssicherheit durch die neue 30-prozentige Grundgebühr – jeweils plus Tonnengröße und -art (Rest- und Biomüll). Hinzu kommen die Gebühren nach Abfuhrrhythmus. Generell gilt: Die Tonnen werden größer und nicht mehr wöchentlich, sondern zwei- bis vierwöchentlich (die Biotonne zweiwöchentlich) abgeholt. Allein dadurch fallen über eine Million Leerungen weg – was hunderttausende Euro sparen könnte. Geld, das man in einen dritten Recyclinghof in Aachen-Nord investieren könnte, wenn es tatsächlich übrig bleibt – so ein neuer Müllhof steht bald auf der Tagesordnung.

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