Aachen - „Es wird möglicherweise härtere Diskussionen im Stadtrat geben“

„Es wird möglicherweise härtere Diskussionen im Stadtrat geben“

Von: Stefan Herrmann
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Freudige Gesichter: CDU-Chefin Ulla Thönnissen und der wiedergewählte OB Marcel Philipp am späten Sonntagabend. Foto: Stefan Herrmann

Aachen. Am Tag nach seinem Wahlsieg zeigte sich ein erleichterter Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU). Im AZ-Interview sprach der 43-Jährige über den neuen Rat mit AfD und Pro NRW, mögliche Koalitionspartner und einem heiß diskutierten Facebook-Eintrag auf seiner Seite.

Wie gut schläft es sich als Wahlsieger? Und vor allem: wie lange?

Marcel Philipp: Die Nacht war vor allem zu kurz. Bis Mitternacht habe ich im Eurogress ausgeharrt, um die Ergebnisse mitzubekommen und anschließend mit den engen Parteifreunden ein wenig zu feiern. Wenn man dann nach so einem Tag nach Hause kommt, dann legt man sich nicht direkt ins Bett. Ich musste zunächst noch ein bisschen zur Ruhe kommen. Der Wahlsieg ist eine Riesen-Erleichterung gewesen. Das merke ich heute, dass die Nervosität der vergangenen Wochen abgefallen ist.

Jetzt beginnt die genaue Analyse des Wahlergebnisses. Wie beurteilen Sie den neu zusammengestellten Stadtrat? Sind

Philipp: Wir haben als CDU unsere Position im Rat behaupten können. Wir haben sehr viele Bezirke gewonnen, weswegen es erneut Überhangmandate geben wird. Das heißt: Es wird wieder ein sehr großer Stadtrat sein. Die Geschlossenheit in der CDU ist ausgezeichnet. Wir haben einen sehr guten Wahlkampf gemacht. In dieser Stimmung bereiten wir nun Koalitionsgespräche vor. Insgesamt ist es für uns als CDU eine sehr angenehme Startposition, die ich in der Form in den letzten Wahlkämpfen noch nie so positiv wahrgenommen habe.

SPD oder Grüne sind mögliche Koalitionspartner im Stadtrat. Gibt es bereits einen Favoriten?

Philipp: Es gibt noch keine Vorentscheidung. Wir werden am Freitag – so werden wir es anbieten - sowohl mit den Grünen als auch mit der SPD Sondierungsgespräche führen, wie die Schwerpunktthemen aussehen können, wo man Gemeinsamkeiten besonders herausarbeiten kann. Aber dort werden natürlich Knackpunkte auf den Tisch kommen. So dass man in der nächsten Woche, wenn sich die Fraktion konstituiert, sagen kann, mit wem die Verhandlungen vertieft werden.

Mit der AfD und vor allem Pro NRW sind im neuen Stadtrat auch zwei Parteien vom rechten Rand vertreten. Wie beurteilen Sie die neue Situation?

Phillip: Man muss abwarten, wer da bei uns im Rat sitzt und wie er oder sie sich verhält. Wir hatten fraktionsübergreifend in den vergangenen Jahren eine eindeutige Position, dass wir uns gegen rechtsradikale Tendenzen entschieden zur Wehr setzen. Und auch Rechtspopulismus wird hier wenige Freunde finden. Insofern wird es klare Antworten im Rat geben und möglicherweise auch härtere Auseinandersetzungen. Aber es hängt immer sehr von den Menschen ab, wie sie ihr Amt ausführen, wie sie hier auftreten.

Die Wahlbeteiligung lag unter der von vor fünf Jahren. Ein Misserfolg für alle Parteien?

Philipp: Ich hatte gehofft, dass wir in der kombinierten Europa- und Kommunalwahl die Wahlbeteiligung ein wenig hochschrauben können. Ich wüsste nicht, was man noch machen kann, um Aufmerksamkeit auf eine Wahl zu lenken. Im Straßenbild war es schließlich ausreichend sichtbar. Die geringe Wahlbeteiligung ist sicherlich auch zu einem gewissen Teil auf Unzufriedenheit einiger Bürger zurückzuführen.

Sie selbst haben am Sonntagabend schon sehr früh auf Facebook einen Post veröffentlicht, dass Sie sich auf weitere sechs Jahre als OB freuen. Da stand das Ergebnis noch gar nicht fest…

Philipp: Das ist von außen schwer zu verstehen. Wir haben bereits viele Wahlen im Hinterkopf, die wir mitgemacht haben. Man weiß dann relativ sicher, in welcher Reihenfolge welche Wahlurnen ausgezählt werden. Und am Ende waren es vor allem ein paar dicke Wahlurnen für uns – beispielsweise die Briefwahlbezirke Steine-brück und Burtscheid/Beverau. Deshalb war ich mir schon sehr früh sicher, dass das klappen kann. Es ist dann nochmal knapper und vor allem später geworden, bis das Ergebnis wirklich über die 50-Prozent-Marke gesprungen ist. Aber man konnte es am Anfang trotzdem schon absehen. Deswegen wollte ich meine Stimmung auf Facebook auch nicht verstecken, sondern mitteilen, dass ich mich über das Ergebnis freue.

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