„Es macht mir totalen Spaß, Aachen gestalten zu können“

Von: Oliver Schmetz
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Die Katschhoftreppe (im Hintergrund) ist eines ihrer Lieblingsprojekte: Die grüne Baudezernentin Gisela Nacken würde Aachen aber künftig gerne vom OB-Sessel aus gestalten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Diese Treppe auf dem Katschhof führt zwar hinauf zum Rathaus, aber nicht hinein ins Büro des Oberbürgermeisters. Doch deshalb hat Gisela Nacken, die nach dem 25. Mai durchaus gerne im OB-Sessel sitzen möchte, diesen Ort auch nicht als Treffpunkt gewählt.

Sondern weil sie ihn mag, weil sie ihn für „gut gelungen“ hält, und weil er nicht zuletzt im Kleinen für das steht, was die grüne Bau- und Umweltdezernentin unter Stadtentwicklung versteht. „Es wäre doch schlimm, wenn es keine Veränderungen gäbe“, sagt Gisela Nacken. „Stillstand ist für mich Ausdruck von etwas Negativem.“ Und an der neuen Katschhoftreppe entdeckt sie nur Positives: Das Bauwerk verbinde Dom und Rathaus besser, werde offensiv genutzt und sei „ein ruhiger Ort ohne Konsumpflicht, der schöne Blicke eröffnet“.

Es gehört zum Phänomen Gisela Nacken in Aachen dazu, dass sich an ihren Projekten oft lautstarker Widerspruch entzündet, ob es nun um Templergraben oder Büchel, um Campus oder Campusbahn, um Elisengarten oder Katschhoftreppe geht. „Die Leute tun sich oft schwer mit Veränderungen“, hat sie dafür sogar Verständnis, das aber schnell schwindet, wenn die Vorwürfe unter die Gürtellinie gehen. Das Lesen anonymer Beschimpfungen in Internetforen tut sie sich schon lange nicht mehr an, aber „es gibt auch Tage, an denen ich nach der Zeitungslektüre am liebsten gleich wieder ins Bett gehen würde“ – etwa weil sie die Kritik unberechtigt findet. „Aber das tue ich natürlich nicht!“

Warum sie sich dann aber auch noch diese OB-Kandidatur antut, gegen den eigenen Chef, ohne große Gewinnchancen, aber dafür mit der erwartbar kritischen Resonanz in den Leserbriefspalten? „Ich weiß, dass ich polarisiere, das gehört zur Demokratie dazu“, sagt die Kandidatin. Und: „Ich habe ein dickes Fell.“ Aber sie räumt auch ein, dass sie lange überlegt hat, ob sie Kandidatin werden soll. „Die grünen Kollegen haben mich schließlich überzeugt“, sagt sie, „denn ich stehe für grüne Projekte und bin die bekannteste Grüne in Aachen.“

Und vermutlich passt diese Kandidatur auch zum Wesen der 56-Jährigen, die politischen Konflikten nie aus dem Weg gegangen ist – ob als junge Alternative im konservativen Elternhaus in der Nähe von Heinsberg, ob während ihres Architekturstudiums in Aachen oder während ihrer Zeit als Fraktionssprecherin der Grünen im Landtag. Oder auch als grüne Baudezernentin: Gisela Nacken macht keinen Hehl daraus, dass sie sich in ihrer Position parteiintern immer wieder heftigen Diskussionen stellen musste, wenn etwa Bauprojekte mit dem Naturschutz kollidierten, wie beim Campus Melaten. „Das ist oft anstrengend, aber sehr positiv“, sagt sie.

Heftige Diskussionen mit ihrem Chef hat ihre Kandidatur nach Nackens Angaben nicht provoziert. Sie schätze den CDU-Oberbürgermeister Marcel Philipp als „sehr sachlichen und fairen Menschen“, sagt die Herausforderin ganz offen, „und wir sind beide der Meinung, dass wir das fair hinbekommen“. Und was sie besser macht als ihr Chef, wenn sie gewählt wird? Gisela Nacken lacht, denkt kurz nach und spricht dann recht diplomatisch von „anderen Schwerpunkten“, die sie setzen wolle. „Er setzt mehr auf Wirtschaftsförderung, ich mehr auf Mobilität, Stadtentwicklung, aktive Klimapolitik“, sagt sie. Und: „Ich habe einen engeren Draht in die Verwaltung.“

Seit 15 Jahren ist sie Dezernentin und hat den Wechsel von der Politik in die Kommunalverwaltung nie bereut. Im Gegenteil: Im Landtag gehe es in der Regel um Gesetze, in der Kommune um die Umsetzung konkreter Projekte, was ihr als gelernter Architektin entgegenkomme, sagt sie. „Es macht mir totalen Spaß, Aachen gestalten zu können.“ Die Chancen, dies künftig vom OB-Sessel aus tun zu können, schätzt sie zwar realistisch als eher gering ein. Ein ambitioniertes Ziel verfolgt sie bei der OB-Wahl gleichwohl. „Ich fände es sehr gut, wenn wir als Partei in Aachen unser Ergebnis von fast 20 Prozent bei der vorigen Kommunalwahl stabil halten könnten“, sagt sie. „Und darunter will ich dann auch als OB-Kandidatin nicht bleiben.“

Hoppla. 20 Prozent für eine grüne OB-Kandidatin. Das riecht dann aber ganz schwer nach Stichwahl. Und wer 20 Prozent oder mehr holt, wäre auch gar nicht mehr so weit von Platz zwei und damit von der Teilnahme an der Stichwahl entfernt... Gisela Nacken hört sich solche Gedankenspiele an, schweigt dazu und schmunzelt ein bisschen. „Ich weiß, dass das ein sehr ehrgeiziges Ziel ist“, sagt sie nur. Und wenn es nichts wird mit dem Platznehmen auf dem OB-Sessel nach dem 25. Mai? „Ich bin seit 15 Jahren Dezernentin, damit würde ich dann gerne weitermachen.“ Ihre auf acht Jahre befristete Amtszeit läuft im Januar 2015 aus, im Herbst müsste der neu gewählte Stadtrat sie im Amt bestätigen. Nach der Wahl ist für Gisela Nacken also vermutlich auch vor der Wahl.

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