Es gilt: Nach der Wahl ist vor der Wahl

Von: Annika Kasties
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Ein Berg versiegelter Stimmen: Bettina Kuca behält den Überblick über die Wahlscheine für die zurückliegende Landtagswahl Foto: Steindl
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Die Wahlurnen aus Papier werden wenn möglich bei der Bundestagswahl wiederverwertet: Renée Stühlen vom Fachbereich Wahlen hat bis dahin noch viel zu tun. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Zeit zum Entspannen hatte Bettina Kuca bislang noch nicht. Materialien müssen bestellt, Aushilfskräfte organisiert und Wählerverzeichnisse aktualisiert werden. Denn in sechs DIN-A4-Ordnern stapeln sich bereits die Anträge im Ausland lebender Deutscher, die am 24. September bei der Bundestagswahl ihre Kreuze setzen wollen.

Rund fünf Wochen nach der Landtagswahl gilt: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Und zwar nicht nur für die Parteien und Spitzenkandidaten, sondern vor allem auch für Kuca und ihre Kollegin Renée Stühlen vom Fachbereich Wahlen. Von Relaxen kann in Raum 105 des Verwaltungsgebäudes am Blücherplatz derzeit keine Rede sein. Schließlich sind es bis zur Bundestagswahl nur noch knapp 100 Tage. Und die „To-do-Liste“, die bis dahin abgearbeitet werden muss, ist lang.

Mitarbeiterzahl wächst noch

Noch setzen auf der gedanklichen Liste vor allem Kuca und Stühlen einen Haken hinter die einzelnen Punkte. Der Fachbereich Wahlen ist mit zweieinhalb Planstellen besetzt. In den kommenden Wochen wird die Anzahl der Mitarbeiter aber wieder steigen. 25 Aushilfen waren mit der Organisation der zurückliegenden Landtagswahl beschäftigt. Für die Bundestagswahl werden Kuca und Stehlen drei weitere Stellen besetzen. Allein schon, um die rund 46.000 Briefwahlanträge zu beackern, mit denen Kuca rechnet – gut 10.000 mehr als noch bei der Landtagswahl im Mai. Schließlich sollen sie alle pünktlich im Briefkasten der Wähler landen.

Denn gerade bei der Zustellung hatte es vor der Landtagswahl in Aachen an einigen Stellen gewaltig gehapert. Zahlreiche Leser hatten sich an die Stadt und an unsere Zeitung gewandt, weil sie ihre Wahlbenachrichtigung und/oder Briefwahlunterlagen nicht erhalten hatten. Dass der Ärger darüber bei den Wählern entsprechend groß war, kann Kuca nachvollziehen. Warum die Briefe an vielen Stellen nicht ihre Adressaten erreichten, habe man aber auch bis heute nicht abschließend klären können, so die 55-Jährige. Damit bei der Bundestagswahl nach Möglichkeit alles glatt läuft, werde es diesbezüglich noch ein Gespräch mit Vertretern der Post geben.

Ganz neue Optik

Vielleicht warten dann die Briefe, die Hunderte Postboten in Aachen verteilen werden, mit einer ganz neuen Optik auf. „Wir überlegen noch, ob wir die Umschläge für die Bundestagswahl anders beschriften sollten, damit sie sich noch deutlicher von Werbung unterscheiden“, sagt Kuca. Denkbar wäre etwa das Logo der Stadt oder eine andere Farbgebung. Darüber hinaus geht der Appell von Kuca und Stühlen aber auch an den Wähler: „Wenn der Name nicht am Briefkasten steht, kann auch nichts ankommen.“ Stühlen weiß, wovon sie spricht. Schließlich sei sie vor der Landtagswahl selbst so ein ums andere Mal durch Aachen gefahren, um persönlich Briefwahlunterlagen einzuwerfen.

Doch was, wenn dennoch alle Stricke reißen und die Unterlagen nicht rechtzeitig ankommen? Auch ohne Wahlbenachrichtigung können Bürger ihre Stimme abgeben, erinnert Stühlen. Benötigt werde dafür lediglich der Personalausweis. Etwas mehr Aufwand ist gefordert, wenn die Briefwahlunterlagen in der Post verloren gehen. Dann sollte man sich direkt an den Fachbereich Wahlen wenden (Telefon 432-1609). „Der Wahlschein wird dann für ungültig erklärt und ein neuer ausgestellt“, erklärt die 38-Jährige.

Auch wer sich spontan entscheidet, am Wahlsonntag selbst das Wahllokal aufzusuchen statt wie beantragt per Brief zu wählen, müsse entweder vor Ort seine Briefwahlunterlagen vor den Augen der Wahlhelfer vernichten oder vorher den Wahlschein für ungültig erklären lassen. Nur so lasse sich verhindern, dass jemand seine Stimme mehrfach abgebe und diese doppelt gezählt werde, erklärt Kuca.

Auch beim Auszählen der Stimmen wollen Kuca und Stühlen, die bei der zurückliegenden Landtagswahl erstmals eine Wahl „von A bis Z“ abgewickelt haben, im September aufs Tempo drücken. Bislang wurden pro Stimmbezirk sieben Wahlhelfer eingesetzt – unabhängig davon, ob am Wahlsonntag um 18 Uhr 100 oder 1000 Stimmzettel in der Urne liegen.

Deshalb sollen die Bezirke, in denen viele Wahlberechtigte leben und erfahrungsgemäß viele Menschen wählen, personell verstärkt werden. „Mein Wunsch ist, dass bis 22 Uhr alle Stimmen ausgezählt sind“, sagt Kuca. Am 14. Mai ging die Zählung bis nach Mitternacht. Der Stimmbezirk Horbach bildete das langsame Schlusslicht. „Da war einfach der Knoten drin“, so Kuca. Auch deshalb werden sie und ihre Kollegin die Schulungsunterlagen bis zur Bundestagswahl noch mal überarbeiten.

Späte Entspannung

Das Thema Wahlen wird Kuca und Stühlen auch über den 24. September hinaus beschäftigen. Schließlich findet im November die Seniorenratswahl statt. Danach dürfte dann aber auch am Blücherplatz wieder etwas Entspannung eintreten, zumindest in Raum 105.

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