Aachen - Es gibt noch Hoffnung für den verbrannten Hochaltar

Es gibt noch Hoffnung für den verbrannten Hochaltar

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
schierenbild
Zuversichtlich nach dem Brand: Der 75-jährige Conrad Schieren, der mit seinem Vater - Bildhauer Christian Schieren - den Barockaltar restaurierte, besitzt noch Originalteile des Kunstwerks. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Conrad Schieren, 75 Jahre, steht fassungslos da. Vor ihm ragt das Gerippe des riesigen Barockaltars gen Himmel. Vor mehr als 50 Jahren hat er zahllose Stunden an dem wertvollen Stück geschuftet - zehn Jahre lang. Denn sein Vater Christian Schieren war bis zu seinem Tod einer der gefragtesten Bildhauer in der Stadt.

Der Weiße Saal im Rathaus, die Nikolaus-Kapelle im Dom, Holzarbeiten im Goldenen Einhorn am Markt - und eben dieser 380 Jahre alte Hochaltar an der Großkölnstraße tragen seine künstlerische Handschrift.

Er kann es kaum fassen

„Als ich von dem Brand in der Nikolauskirche erfuhr, war ich entsetzt. Ich durfte meinem Vater nach dem Krieg bei der Restaurierung helfen. Ich kenne hier jeden Winkel”, sagt Schieren. „Dass hier jetzt so viel in Schutt und Asche liegt oder zumindest sehr stark verkohlt ist, tut schrecklich weh. Ich kann einfach nicht glauben, dass eine kleine Silvesterrakete so ein Inferno anrichten kann”, sagt er.

Unterdessen sucht die Polizei noch immer nach Jugendlichen, die ein Zeuge in der Nacht zum 1. Januar dabei beobachtet haben will, wie sie eine Rakete auf die Citykirche abschossen (wir berichteten). Und Pastoralreferent Dieter Spoo wartet auf einen verlässlichen Zeitplan für die Sanierung der Kirche - die bis zu zwei Jahre dauern kann. In wenigen Wochen soll der Fahrplan stehen.

Heiliger Judas Thaddäus

Heute pfeift der eiskalte Wind durch die riesigen Fensterrahmen, in denen bis zum 31. Dezember 2010 noch die wertvolle Bleiverglasung des Hochchors steckte. Alles zerstört. „Aber ich bin sicher, dass sich der Hochaltar wieder aufbauen lässt”, sagt Schieren. Er ist Bildhauer wie sein Vater. Unter dem Arm trägt er in einem dicken Ordner die fotografischen Erinnerungen an den glanzvollen Wiederaufbau in die Citykirche. Und er blättert. „Sehen Sie, hier stand zum Beispiel eine große Figur des Heiligen Judas Thaddäus - davon sind nur noch schwarze Reste übrig.” Was umso tragischer ist, weil das Original dieser Heiligenstatue eigentlich in St. Foillan stand. Dort hatte man sich im Rahmen der Nachkriegssanierung bedienen wollen. Doch St. Foillans Pastor wollte die Figur für den Hochaltar der Nikolauskirche nicht herausrücken. „Also hat mein Vater eine perfekte Kopie angefertigt, die haben wir dann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in den 60er Jahren ausgetauscht. Die Kopie steht immer noch in St. Foillan, das Original ist verbrannt.”

Überhaupt: Nach dem Krieg waren bereits viele Originalteile des demontierten Hochaltars verschwunden. Häufig mussten größere Teile des sakralen Schmuckstücks komplett neu angefertigt werden. Original waren laut Schieren neben den sechs Statuen die imposanten Säulen und die Ölgemälde eines Rubens-Schülers. Letztere sind unwiederbringlich verloren - aber alles andere lässt sich nach Schierens Überzeugung wieder herrichten. „Das ist eine Frage des Aufwands und des Geldes”, sagt er. Der 75-Jährige könnte noch historische Originalteile beisteuern. „Seit mehr als 50 Jahren habe ich zum Beispiel noch die Hand einer Figur und uralte Metalltüren des Tabernakels zu Hause - die würde ich sofort zur Verfügung stellen.” Das hätte sein Vater Christian sicher so gewollt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert