Aachen - Es gibt Geld, es gibt Stellen, aber es gibt keine Lehrer

Es gibt Geld, es gibt Stellen, aber es gibt keine Lehrer

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
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Zu wenig Lehrer bedeuten zu große Klassen: Jutta Wesenick unterrichtet an der Förderschule am Foto: Michael Jaspers

Aachen. Lutz Pirnay sagt den Satz so, wie er ist - ernst: „Es trifft die Schüler, die eine gute Betreuung am meisten nötig haben.” Pirnay ist Leiter der Förderschule Am Kurbrunnen und spricht über ein Problem, mit dem sich alle Förderschulen der Städteregion herumschlagen müssen.

Lehrermangel. Rund 18 Prozent Lehrer fehlen an den neun Förderschulen in der Stadt und den zwölf im Kreis Aachen. Für die Förderschule am Kurbrunnen bedeutet dies, dass es statt neun Lerngruppen nur acht geben kann und in vier dieser Klassen gleich 16 Kinder zusammensitzen. Eigentlich sollen an einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen elf Kinder eine Lerngruppe bilden. „So schlimm hatten wir es noch nie”, sagt Pirnay.

An 35 Lehrern mangelt es in der Städteregion, auch wenn die Stellen auf dem Papier besetzt sind. Doch Mutterschutz, Elternzeit und langfristige Erkrankungen sorgen für einen Mangel, den die Förderschulen so bislang noch nicht kannten.

Der Markt ist leer

Das Problem ist, dass es keine Vertretungslehrer gibt. „Der Markt ist leer”, sagt Schulamtsdirektor Norbert Greuel. Und so bleibt der Geldbeutel bei der Bezirksregierung voll, denn ein Etat, um Vertretungslehrer einzustellen, ist da. „Es gibt Geld, es gibt Stellen, aber es gibt keine Lehrer”, sagt Greuel.

In der Regel kommen Förderschullehrer von der Universität Köln. Doch der Numerus Clausus (1,4) grenzt die Zahl der Studenten ein. Und wer fertig ist, verdient in anderen Bundesländern besser. Dabei werden neue Lehrer in NRW händeringend gesucht.

3000 Schüler besuchen 21 Förderschulen in der Städteregion. 460 Lehrer fördern sie im Idealfall. Doch von dem sind die Schulen weit entfernt. Erst im Februar kommen neue Lehrer auf den Markt. „Bis dahin müssen wir durchhalten”, sagt Stefan Jannes, Leiter der Förderschule Am Kennedypark. Auch hier sind die Lerngruppen auf 15 Kinder vergrößert worden. Dabei muss die Ganztagsschule ein Angebot bis 16 Uhr stemmen. „Kaum zu leisten, mittlerweile muss Unterricht ausfallen”, sagt Jannes. Pirnay spricht am Kurbrunnen von zehn Prozent Unterrichtsausfall. „Das ist schon sehr schwierig”, sagt er.

Dabei würde Greuel sogar Grundschul- oder Hauptschullehrer einstellen, auch solche, die erst ein Examen abgelegt haben. „Wir greifen nach jedem Strohhalm, sind sehr daran interessiert, die Situation zu verbessern”, erklärt er. Auch Pirnay greift nach Strohhalmen. Einer ist ein Vater, ausgebildeter Schlosser, der im Werkunterricht die Lehrer unterstützt. Pirnay ist dankbar für jede helfende Hand. „Wir bewegen uns an der Belastungsgrenze”, sagt er - ernst.
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