Aachen - Es geht wieder um die Existenz der Alemannia

Es geht wieder um die Existenz der Alemannia

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Tivolibild
Der neue Aachener Tivoli.

Aachen. Die Wetten laufen: Endet Alemannias Jahreshauptversammlung vor 20 Uhr? Angepfiffen wird die Veranstaltung am Samstag bereits um 11 Uhr in der Sporthalle an der Neuköllner Straße. Es gibt zuverlässige Anzeichen dafür, dass es eine Mammutveranstaltung wird.

Aus Sicht des Vereins dürfte der wichtigste Tagesordnungspunkt sein, dass die Versammlung mit einer Dreiviertelmehrheit dem Optionsvertrag mit der Stadt zustimmt. Die Stadt hatte für die schwer errungene Bürgschaft über 5,5 Millionen Euro Anteile an der Stadion GmbH (etwa 63 Prozent des Stammkapitals) eingefordert.

Solche Zugriffsrechte dienen als Sicherheit, falls die Bürgschaft dann doch gezogen werden sollte. „Wir bitten die Mitglieder sehr dringend, diesen Beschluss zu fassen, er ist existenziell für diesen Verein”, wirbt Präsidiumsmitglied und Notar Christoph Terbrack in eigener Sache. Folgen ihm die Mitglieder nicht, hätte das zwar keine sofortigen Auswirkungen, die Stadt könnte aber zum 1. Juli 2011 von ihrer Bürgschaft zurücktreten. „Die Entscheidung für den Vertrag ist alternativlos”, beschwört auch Präsident und Versammlungsleiter Alfred Nachtsheim die Mitglieder. „Wer noch Profifußball in Aachen erleben will, muss zustimmen.”

Alemannias Finanzsituation und wohl auch das Finanzgebaren wird das dominierende Thema an diesem Tag sein. Wer hat die Finanzsituation zu verantworten, hätten die Aufsichtsräte eingreifen können oder sogar müssen?

Nachtsheim kündigt fast einen Paradigmenwechsel an. „Wir möchten Transparenz, möchten alle Fragen beantworten.”

Für die Fan IG steht der Regieplan seit Wochen fest. Der Zusammenschluss fordert eine „Neuausrichtung”, prangert „Verfilzungen” an, und fordert den Rückzug des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Jürgen Linden. Der stellt sich aber als einer der wenigen Aufsichtsräte noch einmal dem Votum der Gemeinde: „Ich kandidiere, weil ich für Alemannia auch in dieser Zeit noch Einiges leisten kann. Ich gehe nicht vom Bau, bevor er fertig ist.” Vom Netzwerk Lindens profitiert der Verein unverändert, zuletzt organisierte er den Kredit bei der Kreissparkasse Heinsberg. Linden kennt das Risiko, die Wiederwahl ist nicht gesichert. Er setzt auf seine Verdienste, möchte Kontinuität im Aufsichtsrat: „Wir haben Alemannia in den letzten Jahren zukunftsfähig gemacht. Daran habe ich einen maßgeblichen Anteil.”

Klaus Offergeld aus dem Vorstand der Fan-IG fordert eine differenzierte, sachorientierte Betrachtung. „Wir hatten uns einen kompletten Neuanfang gewünscht, aber wir würden natürlich auch mit Jürgen Linden weiter zusammenarbeiten, wenn er gewählt würde.” Die Ausgangslage habe sich in den letzten Wochen, nachdem die plakative Rücktrittsforderung erhoben wurde, geändert. „Wir sind ins Gespräch gekommen. Die angeschobene Diskussion führt dazu, dass Entscheidungen transparenter werden. Das große Problem ist nicht Jürgen Linden. Vielmehr hat der Verein ein Glaubwürdigkeitsproblem, weil er es seit langem nicht mehr schafft, die Mitglieder mitzunehmen.”

Schwierige Veranstaltung

Offergeld erwartet eine schwierige Veranstaltung. Die Sorge ist vorhanden, dass auch diese Jahreshauptversammlung aus dem Ruder läuft. „Die IG ruft sehr deutlich dazu auf, dass wir geduldig diskutieren, ohne jemanden persönlich anzugreifen. Wir lassen nicht zu, dass chaotische Verhältnisse provoziert werden.”

Im Fokus wird auch Geschäftsführer Frithjof Kraemer stehen. Die Saisonbilanzen der Alemannia GmbH und der Stadion GmbH 2008 mahnen die Mitglieder schon seit Monaten an. Mit großzügiger Verspätung wurden sie in den letzten Stunden erst veröffentlicht.
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