Aachen - Es brummt: Bienen bevölkern den Boxgraben

Es brummt: Bienen bevölkern den Boxgraben

Von: Peter Schopp
Letzte Aktualisierung:
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Preiswerte Alternative: Statt eines (nie realisierten) archäologischen Fensters zieht nun eine blühende Bienenwiese an der Kreuzung Boxgraben / Weberstraße Besucher an - wofür vor allem (v.l.) Ilse Stollenwerk, Günter Kessler und Markus Jansen zu danken ist. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Es brummt seit Jahrzehnten kräftig! Kein Wunder, man steht hier an der Kreuzung Boxgraben und Weberstraße. Auf einem Stückchen Muttererde, in dem im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte vergraben liegt sollen nun neben Autos auch Zehntausende Bienen verkehren.

Wie es dazu kam? Ein alter Pau-Kanal kam vor einigen Jahren bei Straßenarbeiten zum Vorschein. Stadt und Archäologen wünschten sich damals eine Offenlegung in Form eines „Archäologischen Fensters“, das den Blick unter die Oberfläche ermöglichen sollte. Bloß: Dafür fehlte Geld.

Im Laufe der Jahre verschwand neben den Befürwortern dieser Idee auch der Kanal als solcher wieder in einer Versenkung, die zugeschüttet neben der eigens umgelegten Straße ungefähr 200 Quadratmeter Fläche bietet.

Vor zwei Jahren trat der Verein Bienenfreunde Euregio an die Stadt heran mit der Bitte, dieses Brachland – das mittlerweile als Hundeklo genutzt wurde – zur Blühfläche für heimische Insekten machen zu dürfen.

In enger Kooperation mit dem Aachener Stadtbetrieb, Abteilung Grünpflege, und dem Fachbereich Umwelt der Stadt Aachen legen die Mitglieder des Vereins, allen voran Günter Kessler als Initiator, immer wieder selber Hand an, säen ein und reißen aus, um heute, nach mehr als einem Jahr Anwachszeit, ein erstaunliches Resultat präsentieren zu können.

Ilse Stollenwerk vom Stadtbetrieb erklärt, dass es einige kleine Flächen in Aachen gibt, auf denen solch eine grüne Oase installiert ist. „Für die heimischen Insekten, aber auch für den Menschen ist es von großem Nutzen, das Leben in der Stadt auf diese Art vielfältig zu halten“, freut sie sich sichtlich über das Ergebnis. Allerdings müsse das Gelände eine gewisse Größe haben, sonst würde es von den Menschen nicht als wichtiges Biotop erkannt. Auf der gegenüberliegenden Seite werde ein deutlich kleineres, ebenfalls begrüntes Areal vornehmlich (noch immer) als Hundewiese und Müllablagefläche genutzt.

Umso schöner ist diese Ecke. 44 verschiedene Kräuter, Pflanzen und Blumen sorgen für ein stimmungsvolles Bild. Dr. Winfried Engels von der Stadt Aachen stellt klar: „Es handelt sich bei allen Gewächsen um Pflanzen, die seit mehreren hundert Jahren in der Gegend heimisch sind.“ Außerdem könnten einige Insekten nur mit solchen Pflanzen ihren Fortbestand sichern, da sie ihre Eier ausschließlich in immer den gleichen Pflanzen ablegen. „Bienen, Falter und andere Insekten haben heutzutage Probleme bei der Suche nach nektargebenden Blüten. Die werden entweder abgemäht oder mit Unkrautvernichtungsmitteln bekämpft“, bedauert Markus Jansen, Vorsitzender der Bienenfreunde, das Gartenverhalten vieler Menschen und appelliert für eine kleine Wildfläche in den Gärten. „Wenn man das richtig macht, sieht es auch nicht ungepflegt aus – und die Vielfalt im Garten steigert sich“, sagt er.

Gerade in Zeiten, in denen der Bienenbestand dramatisch abnimmt, müssten wir Menschen den Tieren Hilfestellungen geben und ihnen ein Auskommen auch im innerstädtischen Bereich ermöglichen. Dazu können auch Baumpatenschaften oder Patenschaften für Baumumrandungen dienen, die von Bürgern angenommen werden. Es gibt viele Möglichkeiten, sich in Sachen „grüne Lunge“ zu engagieren. Auch wenn es auf dem Boxgraben nun noch mehr brummt.

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