Aachen - „Erstis“ feiern: Wilde Party ohne Katerstimmung

„Erstis“ feiern: Wilde Party ohne Katerstimmung

Von: Matthias Hinrichs
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Ihnen stieg das Bier mal in anderer Form zu Kopfe: Die frisch gebackenen Mitglieder der Fakultät Biologie huldigten Kaiser Karl mit kunstvoll gestalteten Kronen – aus Plastik und Blech, versteht sich. Denn Glas blieb weitgehend tabu bei der Erstsemester-Rallye rund um die Hochschule. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Am Templergraben wird schon wieder gebaggert – in jeder Hinsicht. Vor dem Super C steht selbstredend erst einmal ein bisschen Flirten auf dem Studienplan. Zum Beispiel im kleinen Pavillon mit „Foto-Box“, wo sich die ersten Erstsemester beim fröhlichen Grimassen-Shooting ein Stelldichein geben.

Gleich nebenan hantiert ein junger Mensch, Marke Maschinenbauer in spe, auf einem waschechten Minibagger, um einen großen Schraubenschlüssel in eine Tonne zu bugsieren. Knapp daneben. Egal. Die rund 130 Stationen dieser etwas anderen akademischen Lauf- und vielfach auch Saufbahn bieten garantiert noch Gelegenheit, den einen oder anderen Punkt im Wettbewerb um die smartesten „Jungstudis“ der Stadt zu ergattern.

Gute Imprägnierung gefragt

Am Kármán-Auditorium zum Beispiel, wo ein paar mutige Mädels – der Hüpfburgen-Fakultät quasi knapp entwachsen – über sicherem Luftkissenpolster ihr Talent als kesse Cowgirls beim „Bull Riding“ beweisen. Da haben die zwölf Verkehrskadetten, die den viel zitierten Shared Space vor dem RWTH-Hauptgebäude vorsichtshalber bis zum frühen Abend zur Tabuzone fürs Blech erklären, ihren Job allerdings besser im Griff. Ehren(amtlichen)sache, zur Feier des Tages.

Und besser so. Denn tausende Erstis („Zweitis“ und „Drittis“ natürlich auch) lassen sich an diesem völlig verregneten Mittwoch fast so massenhaft auf dem City-Pflaster aus wie die Oktoberwolken über ihren Köpfen. Motto: Stell dir vor, es ist Semesterstart-Rallye – und alle geh‘n hin. Das Wörtchen Öcher Reän nehmen sie gleich nebenbei ins Neubürger-Vokabular auf. Gute Imprägnierung ist eben alles – möglichst auch von innen. Das Bier fließt in Strömen – karnevaleskes Chaos wie noch im vergangenen Jahr bleibt indessen zumindest bis zum Abend weitgehend aus.

Allerdings auch der erhoffte Massenandrang im Aktionszentrum der Organisatoren von AStA, Fachschaften und Hochschulleitung auf dem Talbotparkplatz hinterm Audimax – vorerst, und trotz teils grandioser Live-Bands wie Bekahoona, Public Subway, Flash Light Fury und Smashbrothers. Das ändert sich schlagartig, als ein wahrlich telegenes Trio die Szene entert. Denn hier kommt die Maus: die Maus! Der tierische Superstar aus dem „Ersten“ watschelt, diesmal exklusiv für die „Erstis“, unter bombastischem Jubel mit seinem ohrenschlackernden Partner, dem kleinen blauen Elefanten, auf die Bühne. Und auch der Dritte im Bunde, Armin Maiwald, seines Zeichens längst legendärer Erfinder der „Sendung mit der Maus“, badet höchstpersönlich und höchst genüsslich in der Menge.

Armin Maiwald erklärt die Uni

„Klar hab‘ ich gleich zugesagt, als ich eingeladen worden bin – schließlich verdanken wir den Wissenschaftlern aus Aachen sehr viel“, sinniert er jovial im Gespräch mit den Moderatorinnen Anne Schröder und Maya Cybulska vom Hochschulradio. Also erlärt der vielleicht charmanteste Lehrmeister der Nation ein paar Lach- und Sachgeschichten rund ums kleine Einmaleins des Hochschullebens – von A wie Alma Mater bis Z wie Zentrale Studienberatung sozusagen. Aus dem Näh- respektive Experimentierkasten der Wissenschaft plaudern zudem kundige Köpfe wie RWTH-Prorektor Aloys Krieg und dessen „Prof“-Kollegen Gero von Plessen und Stefan Kowalewski.

Trocken geht‘s dabei freilich keine Sekunde zu – auch nicht, als der Öcher Reän am Nachmittag endlich schlapp macht. Und nicht nur der. Bis zum Abend melden Polizei und Ordnungsamt „keine besonderen Vorkommnisse“. Immer eine Frage der Perspektive. „Besser hätte es kaum laufen können“, frohlockt Raphael Kiesel, Vorsitzender des RWTH-AstA. Will sagen: Die „Studis“ haben die erste große Prüfung – in Sachen Kinderstube nämlich – ziemlich souverän bestanden, ganz anders als anno 2013. „Die Tutoren, die die Rallyes begleitet haben, haben tatsächlich weitgehend dafür gesorgt, dass das Glasverbot beachtet wurde“, bilanziert Detlev Fröhlke, Leiter des Ordnungsamts. Ein Scherbengericht in Sachen Vandalismus steht diesmal also nicht zu erwarten.

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