Erstirallye: Das City-Pflaster mutiert zur Spielwiese

Von: Matthias Hinrichs
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Auch im Schatten des ehrwürdigen Doms ging es am Mittwoch buchstäblich hoch her. Foto: Michael Jaspers
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Tausende „Erstis“ tummelten sich auf dem riesigen Spiele-Parcours zwischen Hochschulviertel und Altstadt. Foto: Michael Jaspers
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Immer am Ball: Vor dem Kármán tauchten etliche Aachener Neubürger denkbar tief in die fröhliche Materie namens Ersti-Rallye ein.

Aachen. Etliche Neubürger sind schon gegen 11 Uhr ruckzuck auf der Palme. Je schneller, desto besser. Aber gemach – und so viel vorweg: Während Hochschulviertel und Altstadtpflaster an diesem verregneten Mittwoch zur gigantischen, lustig lärmenden Spielwiese mutieren, bleiben die Telefone bei Polizei und Ordnungsamt den ganzen Tag lang so gut wie stumm.

Tausende „Erstis“ tummeln sich derweil auf dem riesigen Rallye-Parcours zwischen Katschhof, Templergraben und Königshügel – im denkbar turbulenten Wettbewerb um die, nun ja, ersten akademischen Weihen schlechthin.

Vor dem Portal des Super C markiert besagte Palme (aus durchaus kunststofftechnischem Anbau) nämlich nicht mehr und nicht weniger als die erste große „Prüfung“ im munteren Kampf um die bunten Plastik-Coins, die an vielen Stationen der „Ersti-Rallye“ gesammelt werden – um später dank großzügiger Sponsoren in bare Münze für soziale Zwecke in Sachen Studienstart umgewandelt zu werden.

Kein Wunder also, dass Laura Witzenhausen, Sarah Völkel und Thomas von Salzen vom Organisationsteam „Erstsemesterarbeit“ (ESA) am Nachmittag noch ein bisschen glücklicher strahlen. „Die Erstis feiern fröhlich und friedlich, wir sind sehr stolz auf sie“, sagt Sarah. Dabei sind vor allem hunderte „Zweitis“ oder „Drittis“ inzwischen längst mit ihren Kräften am Ende.

Viele haben bis in den frühen Morgen hinein gewerkelt und getüftelt, um die rund 150 Anlaufstellen der kunterbunten Rallye zu perfektionieren. Vom technisch raffiniert gestalteten Quiz frei nach dem unkaputtbaren TV-Kinderklassiker „Eins, zwei oder drei“ bis zum nicht ganz ernst gemeinten Ratespiel mit Rektor – Motto „Wie aixzellent seid ihr?“ – reicht die Palette der Herausforderungen rund um die dicht bevölkerte Party-Arena auf dem Templergraben.

Rund zehn Monate lang, erzählt Laura, haben die Teams da gar an softwaregesteuerten Systemen gebrütet, programmiert, gelötet und verkabelt, um die vielfach altbekannten „Formate“ mit allerhand glitzernden Effekten ins rechte Hightech-Licht zu rücken.

Was natürlich nicht heißt, dass die (meist ja noch gar nicht so lange zurückliegende) Seligkeit à la Kindergeburtstag nicht an allen Ecken des vertrackten Parcours‘ zu ihrem Recht käme. Auf der riesigen Hüpfburg, an der Schokokussschleuder oder beim Bobby-Car-Rennen mit speziellen Hindernissen kommen alle Talente und Temperamente auf ihre Kosten.

Rund um Dom und Rathaus gleicht die Szenerie nicht selten einer Invasion von mehr oder weniger bierseligen Marsmännchen. Ungezählte „Erstis“ in knatschgrünen Capes ergötzen sich an launigen Geschicklichkeitsspielen und Gerstensaft – durchweg aus Dosen, die an allen Ecken in ungezählten blauen Säcken gesammelt werden.

Die Pfand-Erlöse kommen der Initiative „Viva con Agua“ zugute, die sich für sauberes Trinkwasser in den ärmsten Ländern der Welt engagiert. Die Eskapaden der „Erstis“ bleiben dennoch überschaubar – von größeren Müllbergen oder gar Alkoholleichen ist zumindest bis zum Nachmittag nichts zu sehen.

Und so kann auch Laura Witzenhausen im Namen des 17-köpfigen ESA-Teams am frühen Abend eine ganz und gar erfreuliche Bilanz ziehen. „Die Polizei musste nicht einen einzigen Einsatz fahren“, berichtet die 23-Jährige angehende Wirtschaftswissenschaftlerin. „Und auch mit dem Aufräumen sind wir schon fast fertig.“ Wahrlich exzellent!

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