Erster Schultag: Jeder zehnte Aachener startet wieder durch

Von: Stefan Herrmann
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Für 1828 i-Dötzchen beginnt nun der Ernst des Lebens. Foto: imago
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Ungewiss: Was passiert mit dem Gebäude der geschlossenen Barbaraschule in Rothe Erde? Foto: Stefan Herrmann
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Aufgepasst: Der Trend ist rückläufig, insgesamt bewegen sich Aachens Schülerzahlen aber weiter auf einem hohen Niveau. Grafik: Hans-Gerd Claßen

Aachen. Exakt 46 Tage oder 1104 Stunden (plus ein paar Stündchen am letzten bzw. wieder vor dem heutigen ersten Schultag) liegen nun hinter Aachens Schülern, die gemeinhin als die schönste Zeit des Jahres gelten: die Sommerferien.

Doch bekanntlich hat alles ein Ende, vor allem die schönen Dinge, und die dann auch noch viel zu schnell. Nun also: Die Schulranzen sind gepackt, die Klassenräume gewienert, die Bleistifte gespitzt und die Lehrer haben die ersten Hausaufgaben für ihre Schützlinge bereits im Hinterkopf. Das Schuljahr 2016/17 beginnt. Der richtige Zeitpunkt, um einmal durchzuzählen und genau hinzuschauen, was sich in Aachens Schullandschaft in der „Sommerpause“ so getan hat.

Das sind die Neuen: Für 1828 i-Dötzchen beginnt nun der Ernst des Lebens. Denn so viele Erstklässler zählen Aachens Grundschulen einschließlich der Domsing- und der Waldorfschule. Leichte Veränderungen kann es aber immer noch geben, wenn zum Beispiel in der Zwischenzeit Familien nach Aachen gezogen sind und nun ihr Kind kurzfristig an einer Grundschule anmelden. Daher wird in den kommenden Wochen noch einmal genau durchgezählt. Die Zahlen, die die Verwaltung nun vorgelegt hat, stellen den Stand zum 5. August dar. Generell gilt aber: Der Trend ist rückläufig. So zählte Aachen im Schuljahr 2000/01 noch 2329 i-Dötzchen, 2004/05 waren es 2173, zehn Jahre später zählte die Stadt 2014/15 dann nur noch 1893 Erstklässler.

Die große Masse: Im abgelaufenen Schuljahr haben insgesamt, also sowohl in den Grund- als auch in den weiterführenden Schulen, 24 034 Kinder und Jugendliche in den Klassen gebüffelt (auch hier sind 483 Schüler der Waldorfschule enthalten). Auch wenn die Zahl weiterhin beeindruckend ist – schließlich geht bei rund 250 000 Einwohnern somit fast jeder zehnte Aachener zur Schule –, sinkt die Zahl seit Jahren kontinuierlich. Waren es im Schuljahr 2002/03 noch 27 332, so nahm sie über 25 703 (2009/10) auf nun gut 24 000 ab. Generell wird die Situation der Aachener Schullandschaft von Politik und Verwaltung aber als positiv bewertet. Und was die Zahlen angeht: Hier geht man allein wegen der vielen Flüchtlingskinder davon aus, dass der Bedarf an Schulplätzen hoch bleibt beziehungsweise in Zukunft eventuell sogar leicht ansteigt.

Die Wechsler: Nach vier Jahren Grundschule steht traditionell der Sprung auf eine der weiterführenden Schulen an. 1900 Schülerinnen und Schüler beginnen in diesen Tagen das neue Abenteuer an einer der Haupt-, Real- oder Gesamtschulen oder an einem der Gymnasien im Stadtgebiet. Darunter sind übrigens 260 sogenannte Einpendler. Das bedeutet: Sie wohnen zwar nicht in Aachen, besuchen aber hier eine der städtischen oder privaten Schulen.

Die Erfolgsgeschichte: Im Primarbereich ist der offene Ganztag (OGS) nicht mehr wegzudenken. Schaut man allein auf die rasant gestiegenen Zahlen, kann man sicherlich von einer Erfolgsstory sprechen: 5065 OGS-Plätze sind für das nun beginnende Schuljahr von Verwaltungsseite geplant. Das sind stolze 1800 mehr als noch vor gerade einmal zehn Jahren (2007/08: 3204 Plätze). Die Schattenseite dieser Entwicklung ist aber ebenfalls an zahlreichen Grundschulen sichtbar: Die (Raum-)Kapazitäten sind oftmals bis auf den letzten Stuhl und die hinterste Küchenecke ausgereizt. Stadt und Politik setzen längst auf sogenannte multifunktionale Lösungen, also die Mehrfachnutzung von Räumen sowohl für den klassischen Unterricht als auch für die OGS-Betreuung. Trotzdem sind Neu- und Anbauten weiterhin notwendig, vor allem was die Mittagsverpflegung der Kinder angeht. Denn die bisherigen Mensen oder dafür hergerichteten Bereiche halten dem Ansturm auf das OGS-Angebot kaum stand.

Trauriger Abschied: Den gab es schon am letzten Unterrichtstag vor den Sommerferien an der KGS Barbarastraße. Denn trotz engagierten Kampfs der Politiker, der Lehrer vor Ort und der gesamten Schulgemeinschaft des kleines Grundschulstandortes fiel letztlich im Frühjahr bei der Bezirksregierung in Köln die Entscheidung, dass die Einrichtung schließen muss. Eigentlich wurde zwar stets die Formulierung „auslaufend“ verwendet, praktisch sind die Tafeln aber bereits Anfang Juli das letzte Mal zugeklappt worden. „Das Gebäude steht erst einmal leer“, bestätigt Björn Gürtler vom städtischen Presseamt. Der Großteil der übriggebliebenen Schüler sei an die Grundschule Brühlstraße angegliedert worden. Teile der Schulmöblierung wurden aussortiert, ausgelagert oder werden ab September an andere Schulen mit entsprechendem Bedarf verteilt. Was passiert nun mit dem leerstehenden Komplex? „Das muss noch von den entsprechenden Gremien beraten werden“, sagt Gürtler. Mit dem Ende der Sommerpause sind hier also jetzt Politik und Verwaltung am Zug.

Freudiger Empfang: Den erleben vor allem die Schüler der 4. Gesamtschule in ihrer neuen Heimat. An der Sandkaulstraße hat die Stadt eines der größten Bauprojekte der jüngeren Vergangenheit abgeschlossen. Für gut 15 Millionen Euro ist ein moderner Schulkomplex samt Sporthalle entstanden – und das mitten in der City. Damit dürfte sich auch die Raumsituation der weiterhin wachsenden 4. Gesamtschule – aktuell wird sie von etwa 660 Schülern besucht – deutlich entspannen, die sich seit Jahren mit Übergangslösungen „durchwursteln“ musste.

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