Aachen - Erster Mai: Gesprächsrunden statt klassischer Kundgebung

Erster Mai: Gesprächsrunden statt klassischer Kundgebung

Von: Katharina Redanz
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Bei herrlichem Sonnenschein gab es verschiedene Gesprächsrunden anstelle der klassischen Reden auf der Bühne. Foto: Andres Steindl
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Bei der Demonstration am Sonntagmorgen zogen rund 800 Menschen vom DGB-Haus am Europaplatz zum Markt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn der erste Mai auf einen Sonntag fällt, ist das schon einmal schlecht für den Arbeitnehmer. Und wenn – wie in Aachen – die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) einer der wichtigen Akteure für die Veranstaltungen am Tag der Arbeit ist, macht es das nicht unbedingt besser.

„In der Tat haben uns schon ein paar Leute bei der Demonstration gefehlt, weil sie in der Kirche waren“, sagt Ralf Woelk, Regionsgeschäftsführer des Deutsches Gewerkschaftsbundes (DGB).

Dennoch zogen am Sonntagmorgen rund 800 Menschen im Rahmen der klassischen Demonstration zum ersten Mai vom DGB-Haus am Europaplatz zum Markt. Mit verschiedensten Bannern, Musik und politischen Parolen wie „Schießt die Nahles auf den Mond“ oder „Nazis raus“ machten Männer und Frauen allen Alters auf sich und die Bedürfnisse der Arbeitnehmer aufmerksam.

„Für mich war es gar keine Frage, dass ich bei der Demo mitlaufe“, sagt die 21-Jährige Alexandra, die auf der gesamten Strecke laut zu hören war. „Ich kann auch gar nicht anders, als hier mit Leib und Seele zu brüllen, denn ich finde alles, was gerade passiert, so ungerecht.“ Eigentlich gebe es genug Geld für Arbeitnehmer und auch für Flüchtlinge, „nur leider liegt das meiste Geld in den Händen weniger Leute“, sagt die Auszubildende des Uniklinikums und wird dabei sichtlich wütend.

Gerade die Flüchtlinge lägen ihr am Herzen – gemeinsam mit Freunden mobilisierte sie in Flüchtlingsheimen für die Teilnahme an der traditionellen Demonstration, denn auch die Geflüchteten sollten auf sich aufmerksam machen. In der Tat liefen mehrere Flüchtlinge den Weg von knapp zwei Kilometern mit. „Das begrüßen wir sehr“, sagt auch Ralf Woelk vom DGB. Denn auch die Gewerkschaften spielten eine wichtige Rolle im Integrationsprozess der Geflüchteten.

Der Tag der Arbeit stand in diesem Jahr bundesweit unter dem Motto „Zeit für mehr Solidarität“. „Das ist ein gutes Motto“, so Woelk, „Solidarität ist das Gründungsmotto von Gewerkschaften schlechthin.“ Heutzutage sei der Begriff ein wenig angestaubt. Viele Arbeitnehmer machten Probleme mit sich selbst aus und suchten die Schuld bei Problemen am Arbeitsplatz bei sich selbst, erklärt der Geschäftsführer. „Deshalb müssen wir jetzt zeigen, dass man zusammen stärker ist als alleine und dass an vielen Problemen nicht die Arbeitnehmer schuld sind, sondern in der Gesellschaft etwas falsch läuft.“

In Aachen nutzen die Verantwortlichen das Motto dafür, von der traditionellen Maikundgebung abzusehen und lokalen Akteuren am „so wichtigen Tag der Arbeit“ eine Plattform zu bieten: „Lokale Akteure sind so nah an den Arbeitern wie sonst niemand.“ So gab es bei herrlichem Sonnenschein verschiedene Gesprächsrunden anstelle klassischer Reden auf der Bühne.

Vor mehreren hundert Gästen plädierte die IG Metall unter dem Motto „Zeit für mehr Solidarität“ für einen starken Zusammenhalt untereinander. In der zweiten Gesprächsrunde unter dem Thema „Zeit für mehr Menschlichkeit“ ging es hauptsächlich um Geflüchtete. „Wir wollen diese Menschen auf dem Arbeitsmarkt integrieren. Als DGB können wir beispielsweise Bewerbungen checken oder bei den Betrieben nach Ausbildungs- und Praktikumsplätzen gucken.“ Schließlich sei Arbeit unverzichtbar für erfolgreiche Integration und gesellschaftliche Teilhabe. In einem weiteren Talk forderte die große DGB-Jugend gute und faire Bildung für Alle. Ebenso wurden klassische Themen wie Lohndumping, Gerechtigkeit für Frauen auf dem Arbeitsmarkt, Steuergerechtigkeit und die gesetzliche Rente angesprochen.

Aufgelockert wurden die verschiedenen Wortbeiträge mit politischem Kabarett von „Muita Merda“, und auch neben der Bühne gab es ein umfangreiches Rahmenprogramm – von Kinderschminken und einem Clown über Informationsstände verschiedener Parteien und Organisationen. Auch kulinarisch reichte die Bandbreite von Kuchen über Currywurst bis hin zu kurdischen Spezialitäten.

Schließlich war es höchste Zeit für Mittagessen nach den verschiedenen Beiträgen auf der Bühne – oder nach dem sonntäglichen Gottesdienst. Denn „auch wenn manche wegen der Kirche nicht mit zur Demo gekommen sind, so kommen sie natürlich um die Mittagszeit alle für die Veranstaltungen auf den Marktplatz“, sagt Woelk. Das sei ja auch absolut in Ordnung.

Nächstes Jahr allerdings braucht er sich keine Sorgen zu machen, dass sich Demonstration und Gottesdienst überschneiden –  der erste Mai fällt auf einen Montag. „Zum Glück fällt dann auch für die Arbeitnehmer der Feiertag nicht wieder weg“, so Woelk, wobei er sich viel erhoffe von der aktuellen Diskussion um das Nachholen von Feiertagen, die auf das Wochenende fallen. „Dann hätten wir das Problem nie mehr und es wäre eine schöne Entscheidung zugunsten der Arbeitnehmer.“

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