Erste Liga live: Für viele Kneipen bald zu teuer?

Von: Matthias Hinrichs
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Teurer Spaß für viele Gastronomen: Der Bezahlsender „Sky“ erhöht die Gebühren für öffentliche TV-Übertragungen zum 1. September nochmals erheblich. Viele Kneipiers denken daher darüber nach, ihre Mattscheiben ins Abseits zu stellen. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Aachen. Nach der WM ist vor der Bundesliga und der Champions League – fragt sich nur, ob die Fans der öffentlichen Fußball-Feten in direkter Tresen-Nähe auch in absehbarer Zeit noch so viele Gelegenheiten haben werden, den Top-Kickern zuzujubeln wie bislang.

Nachdem der Bezahl-Sender „Sky“ die TV-Gebühren in Sachen Sportübertragungen für Gaststätten zum 1. September erneut um satte 30 bis 40 Prozent nach oben schraubt, will mancher Kneipier, der die exklusiven Live-Übertragungen bislang zum frisch Gezapften angeboten hat, die Glotze künftig wieder ins Abseits stellen.

„Wenn die nicht mit sich reden lassen, war‘s das wohl endgültig für uns“, sagt zum Beispiel Hans-Georg Salz, Geschäftsführer im „Kuckucksnest“ an der Mauerstraße. „Man muss den Eindruck haben, dass der Sender keinen besonderen Wert auf uns Gastronomen als Kunden legt, damit mehr Privatleute seine Übertragungen abonnieren“, meint Salz. Was das Unternehmen allerdings mit Nachdruck zurückweist. Zwar habe es für Privatkunden in den vergangenen vier Jahren keine Preiserhöhungen gegeben – dennoch lege man auf faire Kontrakte mit den „Public Viewing“-Arenen ebenso viel Wert wie auf die klassischen Sofagucker, heißt es dort. Zudem sei der Dreh an der Gebührenschraube aufgrund sukzessive steigender Kosten auch in den laufenden Verträgen mit den Fußballverbänden erforderlich.

Derzeit würden für ihn allerdings bereits 470 Euro monatlich fällig, berichtet Salz, und das für Übertragungen in einem Nebenraum, in dem maximal 70 Leute Platz hätten. Die Tarife variieren je nach Zuschauerkapazitäten und Standort. Städte mit eigener Bundesliga-Elf etwa zahlen mehr als solche wie Aachen, dessen Heimmannschaft derzeit bekanntlich in der 4. Liga unterwegs ist.

Dennoch: Letztlich rechne sich das Angebot schon heute allenfalls insofern, als Stammkunden gehalten werden könnten, bilanziert Hans-Georg Salz. Nun aber sei das Fass in Sachen Fernsehen übergelaufen – zumal es sich bereits um die zweite massive Gebührenerhöhung binnen Jahresfrist handele.

Das sorgt auch bei auch Dirk Deutz für Katerstimmung. „Gerade die kleineren Gaststätten leiden darunter, dass ,Sky‘ seine Tarife in den vergangenen Jahren immer wieder drastisch angehoben hat“, sagt der Vorsitzende des örtlichen Hotel- und Gaststättenverbands. „Für viele lohnt sich das Ganze einfach nicht mehr.“

Thomas Jonas, Betreiber des „Meisenfrei“, hat sein Abo aus diesem Grund gerade gekündigt: „Aktuell zahle ich bereits 678 Euro für zwei Decoder, die es mir ermöglichen, zum Beispiel Konferenzschaltungen und Top-Spiele auf jetzt etwa 100 Quadratmetern parallel zu zeigen. Künftig müsste ich aber über 1000 Euro berappen. Die können wir über den normalen Umsatz einfach nicht hereinholen.“ Zumal viele Übertragungen, auch aus der Champions-League, zunehmend wieder von öffentlich-rechtlichen Sendern übertragen würden, kritisiert auch Kai Keßler, Betreiber des „Sowiso/Ocean“, der ebenfalls zwei Übertragungen synchron anbietet. Dennoch werde er den Stecker auch künftig nicht ziehen. „Wir sind auch für unsere Fußballübertragungen ziemlich bekannt – und so soll es bleiben.“

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