Erste Brennstoffzellen-Anlage in Aachener Haushalt

Von: Robert Flader
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Aachen. Manchmal kommt sich Martin Pieren vor wie bei einem großangelegten Lauschangriff. Dabei sind es keineswegs versteckte Mikrophone oder abgehörte Telefonleitungen, die dem 28-Jährigen zu schaffen machen.

Nein, was ihm dieser Tage wirklich „Sorgen” bereitet ist etwa 170 Kilogramm schwer, steht im Keller seines Hauses und ist doch ganz harmlos: Eine Brennstoffzellen-Anlage.

Sie ist in Aachen die erste ihrer Art, Teil eines Pilotprojektes und wird dementsprechend rund um die Uhr auf Herz und Nieren überprüft. „Man kann ständig kontrollieren, wofür ich gerade Strom und Gas brauche”, muss Pieren lachen. Er hat den Keller seines Dreiparteienhauses, in dem außer ihm noch seine Mutter und Oma leben, für den Pilotversuch zur Verfügung gestellt: Die erste Brennstoffzelle in einem Aachener Haushalt soll den Energiebedarf eines ganzen Hauses decken und kostengünstig Strom erzeugen. Ein kleines Kraftwerk eben!

Die Stawag, der europäische Energieanbieter Wingas und die schweizer Hexis AG wollen mit dem Projekt erproben, ob eine kostenreduzierende Erzeugung von Wärme und Strom langfristig überhaupt möglich ist.

„Erdgas ist der Energielieferant der Zukunft”, verdeutlicht Dr. Christian Becker vom Vorstand der Stawag. „Es geht neben der Kostenreduzierung für den Verbraucher auch um die schonendere Nutzung von Ressourcen.”

Zum Vergleich: Erdgas kostet etwa fünf bis sechs Cent pro Kilowattstunde, Strom von herkömmlichen Kondensationskraftwerken ist mit Preisen zwischen 16 und 20 Cent vergleichsweise teuer. „Keine Frage, die langfristigen Einsparungen durch die Brennstoffzelle werden sich lohnen”, so Volker Nerlich von Hexis. So könnten auch 20 bis 30 Prozent der CO2-Emmission eingespart werden. Was die Anlage kosten soll, ließe sich jetzt allerdings noch nicht abschätzen.

Sollte sich die Brennstoffzellen-Anlage in den kommenden 24 Monaten als serienreif erweisen, wird sie wohl ab 2012 als Alternative zum herkömmlichen Heizkessel für Wärme- und Stromerzeugung auf den Markt kommen.

Im 15-Minuten-Takt werden die Daten der Brennstoffzelle nach Winterthur in die Schweiz, dem Hauptsitz der Hexis AG, übertragen. „Damit gerade beim Pilotversuch nichts schief geht”, erklärt Nerlich. Da ist ständige Kontrolle natürlich verständlich. Für Martin Pieren kein Problem. Für ihn ist ohnehin nur eins wichtig: „Dass die Oma nicht kalt hat.”
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