Erst schrumpfen Gewinne, jetzt das Casino

Von: Robert Esser
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Hochfliegende Pläne: Das Casi
Hochfliegende Pläne: Das Casino Aachen will zwei Drittel des Gebäudes an der Monheimsallee abgeben. Varieté, Konzerte und Kongresse könnten einziehen. Aber dazu müssten neue finanzkräftige Partner einsteigen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Poker um den Casino-Standort Aachen geht weiter. Betreiber Westspiel will den Spielbankbetrieb an der Monheimsallee von 1900 auf etwa 620 Quadratmeter eindampfen, das Automatenspiel vom Kapuziner Karree zurück ins Kurhaus holen und weiter Personal abbauen.

„Mehr Platz brauchen wir nicht mehr. Im Rekordjahr 1984 haben wir hier 363.439 Gäste begrüßt und sagenhafte 14 Millionen Euro Spielbankabgabe ans Land überwiesen”, rechnet Spielbank-Direktor Hans-Jürgen Strunck vor.

2010 kamen noch 82.000 Spieler in den Glückstempel. Das Land erhielt nur noch 2,9 Millionen Euro. Die dramatischen Verluste befeuerten immer wieder Überlegungen, den Aachener Standort zugunsten einer neuen, einträglicheren Dependance in Köln aufzugeben. Der Pachtvertrag im Haus an der Monheimsallee endet zum 30. Juni 2016, fürs Automatencasino im Alten Posthof läuft der Kontrakt mit der Stadt noch bis Ende 2018.

Die neuen Rahmenbedingungen für einen Verbleib des Casinos in Aachen haben Westspiel-Geschäftsführung und NRW-Bank-Vertreter mit Oberbürgermeister Marcel Philipp jüngst erörtert. Wenn sich das Casino mit sechs Roulette- und zwei Black-Jack-Tischen auf den linken Flügel des Kurhauses und mit zehn Pokertischen auf die erste Etage konzentriert, würde unter anderem der alte Konzertsaal im rückwärtigen Gebäudeteil frei.

„Vorstellbar wäre dort ein Varieté-Betrieb, wie es ihn schon an anderen Casino-Standorten gibt”, sagt Strunck. „Oder man belebt die Idee des Hauses für Musik neu und errichtet dort einen Saal für klassische Konzerte.” Oder das ausgebuchte Eurogress erweitert seine Kongressfläche. Vieles sei denkbar, so lange man sich die Kosten mit neuen Partnern und der Stadt als Vermieterin teile. Dem Vernehmen nach wurde die Kernsanierung des historischen Objekts auf rund 25 Millionen Euro kalkuliert. „Ich bin sicher, dass Westspiel und damit die NRW-Bank hier investieren wollen”, betont Strunck. Aber eben nur, wenn andere mit von der Partie sind. Und diese anderen müsse die Stadt für das Vorhaben gewinnen, erläutert der Casino-Chef.

Fünf Arbeitsgruppen seien bereits eingerichtet worden, um die „Revitalisierung des Casinos Aachen” voranzutreiben, erläutert Strunck. Erste Ergebnisse sollen nach dem ersten Quartal 2012 vorliegen, Ende kommenden Jahres soll ein tragfähiges Gesamtkonzept stehen. Dieses wird auf jeden Fall weitere Auswirkungen auf die Personalstruktur haben.

Von ehemals 200 Mitarbeitern sind derzeit noch 150 beschäftigt. Weitere Vertragsauflösungen stehen an, zudem eine günstigere Besoldungsstruktur. Auch die Casino-Gastronomie könnte künftig laut Strunck von externen Gastronomen übernommen werden - inklusive Lenné-Pavillon. Der Gürtel wird also noch enger geschnallt an der Monheimsallee. Zumal man in den nächsten drei Jahren ein weiteres Einspielminus von bis zu 15 Prozent erwartet. Trotz Poker-Boom.
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