Aachen - Erst Ladendieb, dann Gewalttäter

Erst Ladendieb, dann Gewalttäter

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
Wo viele bummeln, tummeln sich
Wo viele bummeln, tummeln sich auch Diebe: Zuletzt gab es aus der Adalbertstraße heftige Klagen über Ladendiebstähle. Am Montag ging dort ein Täter den gleichen Beamten gleich zweimal ins Netz. Foto: Krömer

Aachen. Eine Polizistin, die mit einem Messer verletzt wird, eine weitere verletzte Frau, mehrere teils gewaltsame Festnahmen - was sich liest wie das Ergebnis einer heftigen Schlägerei, ist die Bilanz eines einzigen Tages in den Aachener Einkaufsstraßen.

Dabei sind es nur die heftigsten Fälle, die hier erwähnt werden, und es geht auch nicht um Gewalttäter, sondern bloß um Ladendiebe. Eigentlich. Denn ganz so einfach lässt sich das offenbar nicht mehr trennen.

„Wir stellen fest, dass die Ladendiebe immer dreister und gewalttätiger werden”, sagt Polizeisprecher Paul Kemen. Zu gewaltsamen Konflikten komme es in der Regel dann, wenn die Täter erwischt werden, was gerade in größeren Kaufhäusern häufiger geschehe, da sich diese professionelle Detektiv-Teams leisteten. „Und immer öfter wehren sich die Täter dann vehement”, berichtet Kemen.

Das Klappmesser gezückt

Am Montag dieser Woche war jedoch vor allem eine Polizeibeamtin die Leidtragende bei der Festnahme eines renitenten Diebes. Der 29-Jährige war erwischt worden, als er aus einem Discounter am Adalbertsteinweg zwölf Flaschen Bier mitgehen lassen wollte, und leistete bei der Festnahme heftigen Widerstand. Dabei zückte er ein Klappmesser, mit dem die Beamtin im Gerangel erheblich an der Hand verletzt wurde.

Eine Kundin war es dagegen, die am gleichen Tag in einem Supermarkt in der Burtscheider Kapellenstraße leicht verletzt wurde, als dort ein Ladendieb das Weite suchte. Der 23-Jährige hatte zwölf Packungen Zigaretten gestohlen und stieß noch im Ladenlokal mit der Frau zusammen. Sehr viel weiter kam er danach nicht mehr: Passanten und Angestellte konnten ihn in der Fußgängerzone mit vereinten Kräften überwinden. Für besagte Kundin muss das Erlebnis eine Art „Déjà vu” gewesen sein: Laut Polizei war sie auch vor knapp drei Jahren unmittelbare Augenzeugin, als ebenfalls in der Kapellenstraße bei einem Überfall auf einen Schlecker-Markt eine Kassiererin lebensgefährlich verletzt wurde. Auch damals zog sich die Zeugin Verletzungen zu, weil sie noch versuchte, den Täter an der Flucht zu hindern.

Turbulent, aber ohne Verletzte verlief am Montag eine Festnahme vor der Mayerschen Buchhandlung. Dort hatte ein 30-jähriger Ladendieb CDs im Wert von 150 Euro mitgehen lassen, konnte aber auf dem Bürgersteig vom Hausdetektiv und zwei Mitarbeitern des Ordnungsamts überwältigt und der Polizei übergeben werden.

27 Paar Socken unter dem Arm

Widerstandslos ließ sich dagegen ein 34-jähriger polizeibekannter Drogenabhängiger in der Adalbertstraße festnehmen - allerdings gleich zweimal binnen kürzester Zeit und das auch noch von genau den selben Polizisten. Zunächst erwischten diese ihn mit 27 Paar Socken unter dem Arm. Die Ware wurde den Geschäftsinhabern zurückgegeben, der Mann musste laut Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt werden, da er über einen festen Wohnsitz verfügt und keine weiteren Haftgründe vorlagen. Die Folge: Kaum eine Stunde später lief er den Beamten wieder in die Arme - diesmal mit neun Damenpullovern, die er samt Kleiderbügeln gestohlen hatte. Auch danach blieb er auf freiem Fuß, wie Polizeisprecher Kemen bestätigt.

Gerade in der Adalbertstraße hatte vor einigen Monaten ein Geschäftsmann massiv das seiner Meinung nach viel zu lasche Vorgehen der Polizei kritisiert und beklagt, dass sogar Serientäter „höchstens nach einer Geldstrafe” direkt zu neuen Raubzügen zurückkehrten. Die Kritik an seinen Beamten hatte Polizeipräsident Klaus Oelze in der AZ ebenso vehement zurückgewiesen.

Damals bestätigte die Polizei allerdings die Wahrnehmung vieler Geschäftsleute, dass die Zahl der Ladendiebe deutlich zugenommen habe. Die Statistik wies für 2011 einen Anstieg der Taten um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Aktuell sehen die Zahlen anders aus. Im ersten Halbjahr 2012 registriert die Polizei in der Städteregion einen Rückgang um gut 14 Prozent, von 2100 auf 1800 Delikte. Aber die positive Bilanz hat eine Kehrseite, denn: „In der Gesamtheit wird es immer aggressiver”, sagt Kemen.
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