Erst Bordell bauen, dann Büchel anpacken

Von: Oliver Schmetz
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Ein Stück Stadt aus der Schmuddelecke holen: Das Altstadtquartier zwischen Büchel, Mefferdatisstraße und Kleinkölnstraße soll schrittweise aufgewertet werden. Den Auftakt soll laut Stadt der Bau eines „neuen, zentralen Bordells“ machen, in dem die Rotlichtbetriebe der Antoniusstraße konzentriert werden sollen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Aufgabe ist ambitioniert, der Weg entsprechend weit: Seit Jahren zerbrechen sich Planer, Politiker und nicht zuletzt Investoren die Köpfe darüber, wie man das Altstadtquartier um das marode Parkhaus Büchel aus der Schmuddelecke holen kann.

Seit Ende 2015 gibt es mit dem Entwurf des Architekturbüros Chapman Taylor, das den städtebaulichen Wettbewerb gewann, hochfliegende und konkretere Pläne für das triste Stückchen Stadt, das nur einen Steinwurf von Premiumplätzen wie dem Markt entfernt liegt.

Danach wurde ein Bebauungsplanverfahren in Gang gesetzt und hinter den Kulissen verhandelt – mit den Planern, vor allem aber mit den beiden Investoren Norbert Hermanns und Gerd Sauren, denen große Teile des Areals gehören. Das Ziel: In dem auf viele Jahre angelegten Prozess, das Gebiet zwischen Büchel, Mefferdatisstraße, Großkölnstraße, Kleinkölnstraße und Nikolausstraße schrittweise zu entwickeln und aufzupolieren, sollte die städtebauliche Qualität des Siegerentwurfs von Chapman Taylor nachhaltig gesichert werden.

Hintergrund: Auf Geheiß der Investoren hatte das Büro seinen Entwurf zwischenzeitlich überarbeitet, was in Teilen der Politik auf heftige Kritik gestoßen war. Denn der Masterplan für ein neues Altstadtquartier, der unter anderem neue Wegeverbindungen und einen völlig neuen Platz vorsieht, erschien plötzlich weniger grün und luftig als vorher, einzelne Baukomplexe waren dafür wuchtiger und höher.

Nach etlichen Abstimmungsrunden habe man nun aber eine „einvernehmliche Verständigung“ über das städtebauliche Konzept, die Gebäudehöhen und das Verfahren zur Sicherung der architektonischen Qualität gefunden, teilt die Verwaltung in einer ausführlichen Vorlage für den Planungsausschuss am 18. Mai mit. Und falls die Politik zustimmt, soll diese „Verständigung“ in Vertragsform gegossen werden – mit den jeweiligen Investoren der einzelnen Teilbereiche des riesigen Vorhabens.

Zentraler (Problem-)Punkt des gesamten Projekts ist nach wie vor die Rotlichtmeile Antoniusstraße. Die Investoren würden die Bordelle am liebsten auslagern, doch da spielt – außer der FDP – die Politik nicht mit. Die Pläne sehen nun vor, den Rotlichtbezirk im östlichen Teil des „Sträßchens“ – zur Mefferdatisstraße hin – zu konzentrieren und „abzukoppeln“.

Dazu soll die Antoniusstraße optisch unterbrochen werden, aber nicht mit einem herkömmlichen Gebäude, wie es zuletzt beabsichtigt war. Denn aus städtebaulichen und denkmalpflegerischen Gründen soll der Straßenverlauf trotz Trennung erkennbar bleiben. Wie das aussehen könnte, steht nicht in der Vorlage, wohl aber, dass am Wettbewerb dafür auch Künstler und Designer teilnehmen sollten.

Vor allem anderen soll aber ein „neues, zentrales Bordell“ geplant und gebaut werden, in dem die Betriebe, die heute entlang der Antoniusstraße liegen, konzentriert werden können. Die Fertigstellung dieses Baus sei die Voraussetzung für die Umstrukturierung der Bordellnutzung und die Konzentration im Ostteil der Straße, heißt es in der Vorlage – und damit für die Erneuerung des gesamten Quartiers.

Von einem „Laufhaus“ ist im Übrigen nicht mehr explizit die Rede – auf einem Plan findet sich dafür der Begriff „Lusthaus“ –, und es ist auch unklar, was mit dem östlichen (Bordell-)Bereich hinter der optischen Trennung passiert. Zu den zunächst vorgesehenen vier Baublöcken im Quartier gehört der Bereich nicht.

Nach dem Bordell soll dann der Büchel angepackt werden – genauer das Areal um das marode Parkhaus oder der „Südwestblock“, wie die Planer ihn nennen. Aufgrund seiner „städtebaulichen Bedeutung“ und der „Verfügbarkeit der gesamten Grundstücke“ soll hierfür der erste Hochbauwettbewerb stattfinden. Der Auslobungstext ist noch nicht geschrieben, aber fest seht schon, dass man zehn bis zwölf Architekturbüros beteiligen will.

Sie sollen Ideen entwickeln für ein Nutzungskonzept, das im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss größtenteils Einzelhandel, im zweiten Geschoss Büros, Praxen und eine Kita und ab dem dritten Geschoss Wohnungen vorsieht. Eine neue Kita ist also – anders als es zwischenzeitlich den Anschein hatte – nach wie vor im Altstadtquartier Büchel vorgesehen. Die weiteren Wettbewerbe für den „Südostblock“ zur Mefferdatisstraße hin und den „Nordwestblock“ zur Kleinkölnstraße hin werden erst danach angepackt. Der Weg ist eben noch weit.

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