Aachen - Erst Badespaß, dann heftige Ohrenschmerzen

Erst Badespaß, dann heftige Ohrenschmerzen

Von: Oliver Schmetz und Robert Esser
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Seit einer Woche schwimmt hier keiner mehr: Am Mittwoch will die Stadt entscheiden, ob das Freibad Hangeweiher keimfrei ist – und am Donnerstag wieder seine Pforten öffnen kann. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Hohe Temperaturen, strahlender Sonnenschein, drei Tage Planschen im Hangeweiher: An das Pfingstwochenende würden Susanne Meyer und ihre Tochter Louisa wohl nur positive Erinnerungen knüpfen – wenn sich nicht danach Kinderarztbesuch an Kinderarztbesuch gereiht hätte. Die viereinhalbjährige Tochter klagte ständig über Probleme mit den Ohren.

„Sie ist eine begeisterte Wasserratte, aber das hatte sie noch nie“, sagt ihre Mutter. Höhepunkt: 14 Tage nach Pfingsten musste die Familie die Ferien auf dem Ponyhof abbrechen, weil Louisa vor Schmerzen schrie. Diagnose: schwere eitrige Mittelohrentzündung.

Susanne Meyer hätte sich dennoch kaum etwas dabei gedacht, hätte sie nicht wenige Tage später die AZ-Berichte über die plötzliche Schließung des Freibads gelesen. Und über die Pseudomonaden im Badewasser, jene multiresistenten Keime, die häufig vor allem eines verursachen können: Ohrenentzündungen. Als sie dann noch las, dass die Probe bereits zwei Wochen vorher genommen worden war – am 11. Juni, genau zwei Tage nach Pfingsten – zählte sie zwei und zwei zusammen und meldete sich als potenzielles Opfer bei der Stadt.

Damit steht sie nicht alleine, was allerdings kaum verwundert. Alleine an Pfingstsamstag, -sonntag und -montag, als die kurz darauf gefundenen Keime durchaus schon im Wasser gewesen sein können, besuchten laut Stadt 7847 Badegäste das Freibad. Und in den knapp zwei Wochen danach, in denen das Bad wegen schwerer Versäumnisse des zuständigen Labors, aber auch wegen Pannen bei der Stadt noch geöffnet blieb, waren es noch einmal 4000.

Allerdings ist die Zahl der Badegäste, die sich mit Krankheitssymptomen an die Stadt gewandt haben, offenbar gering: Vier Menschen hätten sich gemeldet, wobei in zwei Fällen das Krankheitsbild mit Pseudomonaden zusammenhängen könne, teilte das städtische Presseamt auf AZ-Anfrage mit. Beim Gesundheitsamt der Städteregion sei die Zahl nicht zu ermitteln, „da der zuständige Mitarbeiter auf Außenterminen ist“, hieß es. Tags zuvor sei von „ein paar Meldungen“ die Rede gewesen. Generell verweise man die Bürger in solchen Fällen an das Gesundheitsamt, das Empfehlungen gebe, heißt es bei der Stadt.

Susanne Meyer hatte sich per Mail an Dezernentin Susanne Schwier und Sportamtsleiterin Petra Prömpler gewandt, von beiden aber nichts mehr gehört. Stattdessen habe kurz darauf ein Mitarbeiter des Gesundheitsamts angerufen und unter anderem gefragt, ob bei ihrer Tochter Proben genommen worden seien, um den Erreger zu bestimmen. „Das war natürlich nicht der Fall, da wusste ja noch keiner etwas von den Keimen im Hangeweiher“, sagt die Mutter, die irritiert darüber ist, von der Stadt gar nichts mehr gehört zu haben: „Eine Entschuldigung hätte ich schon erwartet.“

Immerhin erklärte das Presseamt am Dienstag, dass man „Fehler wie im vorliegenden Fall“ künftig vermeiden wolle, indem man überlege, wie man Kontrollen und die Benachrichtigungskette zwischen Labor, Gesundheits- und Sportamt verbessern könne. Woher die Keime kamen, stehe noch nicht fest, sei aber oft auch nicht zu ermitteln, hieß es. Klar sei jedoch, dass „definitiv keine Betriebsstörung“ vorliege – auch nicht unterirdisch im Leitungssystem. Mit solch „technischen Gründen“ hatte die Stadt zunächst die Schließung erklärt und erst nach AZ-Recherchen Gesundheitsgefahr eingeräumt.

Am Mittwoch soll feststehen, ob die Gefahr gebannt ist, und entschieden werden, ob das Freibad am Donnerstag wieder öffnet – laut Wetterbericht bei strahlendem Sonnenschein.

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