Erschreckende Zahlen: Neue Kitas müssen schnell her

Von: Stephan Mohne
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Eine Kita am Viadukt? An der K
Eine Kita am Viadukt? An der Kurbrunnenstraße/Ecke Bachstraße sieht die Verwaltung auf dem heutigen Parkplatz Potenzial für vier Gruppen. Kostenschätzung: rund 2,9 Millionen Euro. Foto: Stephan Mohne

Aachen. Bei der Lektüre dieser rund 400 Seiten dürfte manchem Politiker ganz anders werden. Die Zahlen, die man einer umfangreichen Analyse der Verwaltung in Sachen Kindertagesstätten entnehmen kann, sind ebenso alarmierend wie erschreckend.

371 neue Plätze müssten bis Mitte 2013 her, wenn man davon ausgehen würde, dass zur Erfüllung des dann geltenden Rechtsanspruchs eine Versorgungsquote von 35 Prozent reicht. Doch das wird nicht reichen, wie eine Elternbefragung deutlich gemacht macht. Demnach braucht Aachen eine Quote von über 44 Prozent. In diesem Fall fehlen sogar mehr als 900 Plätze. Zur Erinnerung: Die Mehrheit des Rates hat festgelegt, dass pro Jahr 100 neue Plätze geschaffen werden sollen. Das wäre in beiden Fällen bei weitem zu wenig. Und: Wie berichtet können nicht wie bisher „normale” Kindergartenplätze in solche für Kinder unter drei Jahren umgewandelt werden. Zumindest nicht in weiten Teilen der Stadt. An einigen Stellen mangelt es mittlerweile gar an Plätzen für Kinder über drei Jahre.

Wo kann ausgebaut werden?

In der detailreichen Ausarbeitung geht der Fachbereich Kinder, Jugend und Schule der Frage nach, wie es weitergehen kann oder auch muss. Alle Bereiche der Stadt - eingeteilt in 14 Sozialräume - werden unter die Lupe genommen. Unter dem Strich steht, dass in den Gebieten mit der größten Unterversorgung neue Einrichtungen gebaut werden müssen. Und das dann auch noch schnell, denn mit Vorlauf brauche man rund zwei Jahre bis zur Fertigstellung. Diese hat man bis Mitte 2013 schon jetzt nicht mehr. Rund zehn Millionen Euro würden die dringendsten Neubauten in den „Alarmgebieten” verschlingen - reine Baukosten ohne Ausstattung und Außenanlagen. Zusätzlich läuft eine Untersuchung aller städtischen Kitas im Hinblick auf deren Raumsituation und Ausbaumöglichkeiten. Das Ergebnis wird erst Mitte 2012 erwartet, aber auch mit diesen Maßnahmen müsse nächstes Jahr dringend begonnen werden, weswegen noch einmal vorerst 2,5 Millionen Euro in den Haushalt sollen. In anderen Sozialräumen gibt es hingegen eine Überversorgung an normalen Plätzen. Wie viele davon noch umgewandelt werden können, wird geprüft. Sollte dies auch zugunsten eines benachbarten Sozialraums möglich sein, „wird dann allerdings in Kauf zu nehmen sein, dass eine wohnortnahe Versorgung nicht überall machbar ist und den Eltern ggf. weitere Wege zugemutet werden müssen”, heißt es in der Analyse.

Und so sieht es in den einzelnen Sozialräumen im Detail aus:

Zentrum/Soers: Bei U3-Plätzen ist dieser Bereich am ärgsten gebeutelt, es fehlen 122 - immer bezogen auf die „kleine” 35-Prozent-Variante.

Hochschulviertel/Hörn: Das Viertel ist bestens versorgt.

Ostviertel/Rothe Erde: Eine große „Problemzone” in Sachen U3, denn es fehlen 94 Plätze.

Süd-West: Hier besteht ein Bedarf an normalen Plätzen, 33 an der Zahl. Insbesondere im Preuswald ist eine wohnortnahe Versorgung nicht gegeben. Außerdem werden integrative Plätze benötigt.

Burtscheid/Beverau: Auch einer der am stärksten unterversorgten Bereiche bei U3, denn es fehlen 78 Plätze.

Forst/Driescher Hof: Es gibt 104 U3-Plätze zu wenig, aber derzeit 112 Ü3-Plätze zu viel. Hier soll eine Umwandlung geprüft werden.

Eilendorf:Weil es es knapp 70 Ü3-Plätze zuviel und kaum U3-Plätze zu wenig gibt, können vielleicht einige zugunsten benachbarter Sozialräume umgewandelt werden.

Haaren/Verlautenheide/Kalkofen:Hier besteht kein Handlungsbedarf.

Richterich/Horbach/Vetschau: Auch hier ist alles in Ordnung.

Alt-Laurensberg/Orsbach: Alle Zahlen sind im grünen Bereich.

West/Gut Kullen/Vaalserquartier: Hier ist es wie in Eilendorf. 134 Plätze Ü3 zu viel, nur ein U3-Platz fehlt. Eine Umwandlung zugunsten der „Nachbarn” wird geprüft.

Brand: Hier sind 21 U3-Plätze zu wenig. Außerdem wird durch das Neubaugebiet Schagenstraße weiterer Bedarf erwartet.

Kornelimünster/Oberforstbach/Schleckheim:Im Ü3-Bereich gibt es eine deutliche Überversorgung. Teils kann damit den Nachbarn aus Walheim/Schmithofgeholfen werden, denen Plätze fehlen.

Deutlich wird, dass zum Beispiel in Zentrum/Soers und Ostviertel/Rothe Erde Neubauten ein Muss sind: Dafür muss man erst einmal passende Grundstücke finden. So ist hier auch das Gebäudemanagement mit im Boot, das gemeinsam mit externen Büros Machbarkeitsstudien für zwölf Grundstücke gefertigt hat, von denen letztlich acht als positiv bewertet werden. So könnte es etwa an den beiden Kitas im Farwickpark an der Passstraße einen Teilabriss und dann Erweiterungen geben. Auf dem Gelände der Grundschule Eintracht-straße könnte eine Kita für 90 Kinder gebaut werden. 70 Plätze sind bei einem Neubau auf dem Parkplatz am Viadukt Kurbrunnen-straße/Bachstraße möglich und weitere 50 an Kalverbenden im Bereich des „Hauses der Jugend”. Diese Bauten haben wohl Priorität, weil sie in Zonen mit hoher Unterdeckung liegen. Im Ostviertel allerdings ist kein Grundstück dabei. Weitere potenzielle Standorte für Neubauten/Erweiterungen sind Reimser Straße (Preuswald), Schagenstraße (Brand), Händelstraße (Hörn) und Nerscheider Weg (Schleckheim). Alle zusammen würden rund 20 Millionen Euro kosten. Außerdem könnten noch Umbauten in bestehenden Kitas erfolgen. Die Kosten dafür sind noch nicht zu beziffern, weil die Untersuchung läuft.

Unerträgliche Belastung

Apropos: Einige Kitas sind zuletzt im laufenden Betrieb umgebaut worden. Die Belastungen für Eltern, Kinder und Mitarbeiter seien aber fast unerträglich gewesen, heißt es. Das soll demnächst vermieden werden. Gegebenenfalls müsse die Kita so lange in andere Räume umziehen.

Auch Sofortmaßnahmen werden genannt. In Einzelfällen seien Überbelegungen möglich. Zudem soll ein „Platzsharing” für Kinder mit 25 Wochenstunden geprüft werden - ein Kind würde dann vormittags, ein anderes nachmittags den Platz belegen. Was von alldem nun umgesetzt werden kann und soll, darüber muss die Politik rasch brüten. Konsequenzen aus der Analyse sollen im Oktober in die Bedarfsplanung einfließen. Heute wird die Verwaltung das 400-Seiten-Buch dem Kinder- und Jugendausschuss auf den Tisch legen.
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