Ermittler bestätigen Rockerkrieg in Aachen

Von: Stephan Mohne
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Polizeischutz für Bandidos: Im Klinikum wird ein Opfer des Rockerkrieges behandelt. Täter soll ein Mitglied der Hells Angels sein. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Polizei will nichts mehr dem Zufall überlassen. Auch wenn es möglicherweise ein Zufall war, der zu jener brutalen Auseinandersetzung am Sonntagabend mit zwei durch Messerstiche Schwerverletzten führte. Noch am Dienstag bewachten Polizisten den Eingang des Klinikums.

Dort war eines der Opfer, das mittlerweile außer Lebensgefahr ist, notoperiert worden. Auch ein zweites Opfer wurde dort behandelt, konnte aber mittlerweile wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Auch am Marienhospital war die Polizei postiert. Dort lag bis Dienstag der mutmaßliche Täter, der bei den Auseinandersetzungen ebenfalls verletzt worden war.

Die Polizei ist schon deswegen derart in Alarmstimmung, weil es sich im Zuge der Ermittlungen bestätigt hat, dass es in Aachen einen handfesten Rockerkrieg gibt. Es ist der „Urvater“ aller Rockerkriege, denn derzeit prallen in Aachen die Hells Angels und die Bandidos aufeinander. Wahrscheinlich stand auch die Massenschlägerei von Sonntag, an der mehrere Dutzend Männer beteiligt waren, im Zusammenhang mit Revierkämpfen der Erzfeinde.

Jost Schützeberg, Sprecher der Staatsanwaltschaft, bestätigte am Dienstag, dass ein 32-Jähriger, dem die Ermittler schwere Körperverletzung und schweren Landfriedensbruch vorwerfen, den Hells Angels angehört. Die beiden 24 und 34 Jahren alten „Gegner“, die am Sonntag an einer Tankstelle an der Trierer Straße vorfuhren, wo die Gewalttaten ihren Anfang nahmen, gehören laut Schützeberg den Bandidos an. In ihren Reihen tummeln sich nach AZ-Informationen auch Mitglieder der Aachener Hooligan-Szene und Rechtsextreme.

Ein Brennpunkt der Rockerauseinandersetzung ist offenkundig einmal mehr das Ostviertel, wo sich vor nicht allzu langer Zeit bereits die Gangs „Black Jackets“ und „United Tribuns“ bekriegten. Nun treten dort wiederholt die „Hells Angels“ öffentlich mit ihren Kutten auf. So etwa am vergangenen Samstag, so auch Dienstagnachmittag am Elsassplatz. Die Polizei war dort ohnehin angesichts der jüngsten Vorfälle vertreten, um Präsenz zu zeigen. Zu Straftaten sei es nicht gekommen, hieß es. Die Bandidos, die bis zu ihrem Verbot unter anderem in der Aachener Rotlichtszene aktiv waren, tauchen in jüngster Zeit wieder häufiger in der Innenstadt auf.

Gegen den 32-Jährigen wurde am Dienstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl erlassen. Daraufhin wurde der Mann ins Justizkrankenhaus nach Frönndenberg (Kreis Unna) verlegt. Die Bewachung durch die Polizei konnte somit zumindest dort aufgehoben werden. Noch nicht ganz schlüssig ist laut Aussage von Jost Schützeberg, was am Sonntag wo geschehen ist. Denn nach der Auseinandersetzung an der Tankstelle wurden die Opfer nicht umgehend ins Krankenhaus gebracht. Dort kamen sie erst zwei Stunden später an. Ob sie also bereits an der Trierer Straße verletzt wurden oder bei einer Auseinandersetzung im weiteren Verlauf, müsse noch geklärt werden.

Die Polizei muss unterdessen wieder Sonderschichten im zuletzt scheinbar ruhiger gewordenen Ostviertel einlegen – so wie es aus verschiedenen Gründen in der Vergangenheit nicht erst einmal der Fall war.

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