Erinnerungen an die Zeit der Schmuggler

Von: Carolin Cremer-Kruff
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Begehrtes Fotomotiv: Der VW-Bulli des Hamburger Zolls aus dem Jahre 1962. Vincent nahm für die Kamera kurzfristig auf dem Fahrersitz Platz. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Zwischen Besenporsche, Kaffeesäcken, alten Zeitungsberichten und Video-Interviews wurde Hans Peters’ Erinnerung wieder wach. In der Nachkriegszeit, als er sieben, acht Jahre alt war, schmuggelte er mit seiner Kusine regelmäßig Lebensmittel vom belgischen Gemmenich nach Aachen.

Denn in der nachkriegsgebeutelten Heimat waren viele Lebensmittel entweder nicht vorhanden oder nicht erschwinglich. Butter, Mehl und Zucker und manchmal auch weiße Schokolade oder amerikanischen Kaugummi packte er damals in seinen kleinen Rucksack, bevor es durch den Wald und an den Zöllnern vorbei wieder zu Fuß zurück nach Hause ging. „Wenn ich damals Schokolade in meine Schulklasse mitgebracht habe, war ich der Größte“, schmunzelte der 77-Jährige.

Schon 15.000 Besucher

Kein Wunder, dass er am Sonntag wie viele weitere Zeitzeugen im Centre Charlemagne fasziniert inmitten der Ausstellung „Mokka Türc & Marihuana“ stand, bei der sich alles um das Thema „Schmuggel an der Aachener Grenze“ dreht. Ein heißes Thema, ein „Aachener“ Thema, das war auch Kuratorin Myriam Kroll bewusst, als sie im vergangenen Jahr begann, die Ausstellung zu konzipieren. „Mit diesem großen Interesse haben wir allerdings nicht gerechnet. Bislang konnten wir 15.000 Besucher begrüßen“, freute sie sich. Und so wird die Ausstellung kurzerhand bis zum 17. April, verlängert.

Das ursprünglich geplante Abschlussfest wurde einfach in ein großes Zollfest umgemünzt, das pünktlich zum offiziellen Frühlingsanfang viele Besucher anlockte. Denn dort gab es – im wahren Sinne des Wortes – ein grenzenloses Programm bei freiem Eintritt, darunter Sonderführungen durch die Ausstellung, einen Vortrag über die Aachener Kaffeefront und musikalische Darbietungen der Zollkapelle Aachen.

Auch die Museumswerkstatt verwandelte sich für diesen Tag in eine geschäftige „Schmugglerwerkstatt“, in der Kinder fleißig werkelten. So auch die fünfjährige Klara, die akribisch ein Schmugglerversteck in Form eines Gürtels erstellte. „Wenn er fertig ist, kann ich darin meine Süßigkeiten verstecken“, verriet sie schüchtern.

An den Nebentischen entstanden weitere Schmugglerverstecke, z. B. in Form von Büchern, aber auch Zollautos, Zollschiffe, Zöllner und Kellen wurden gebastelt. „Auf diese spielerische Weise können wir den kleinen Besuchern das Thema unserer Ausstellung näher bringen“, erklärte Museumspädagogin Pia vom Dorp.

Dabei hatte sie von Beginn an den generationenübergreifenden Austausch im Blick. Denn zu den Basteltischen gesellte sich ein Erzähltisch, an dem im Laufe des Tages einige Zeitzeugen Platz nahmen und spontan ihre Schmugglergeschichten zum Besten geben konnten. Abenteuerliche Geschichten aus dem Leben – da hörten nicht nur Kinder gespannt zu!

Viel zu erzählen hatte auch Michael Prömpeler, der die eine oder andere Führung durch die Ausstellung unternahm. „Jeder Aachener hat Schmuggler in der Familie. Wer etwas anderes behauptet, ist meist ein Zugezogener“, resümierte er mit einem Augenzwinkern. Die Besucher jedenfalls hörten gespannt zu, wenn er von Prothesen und Kinderwagen mit doppeltem Boden als Schmugglerverstecken erzählte, von korrupten Zöllnern, von Kolonnenschmugglern, von lustigen und tragischen Grenzgeschichten – bis in die heutige Zeit. „Die Ausstellung gleicht eher einem Abenteuerspielplatz als einem Museum. Das macht die damalige Zeit für die Besucher sehr lebendig“, freute sich Prömpeler.

Interessante Einblicke in eine andere Zeit gab es aber nicht nur im Inneren des Centre Charlemagne, sondern auch davor, auf dem Katschhof. Der historische VW-Bulli des Hamburger Zolls aus dem Jahr 1962 war wohl das begehrteste Fotomotiv beim Zollfest. Direkt daneben stand zum Vergleich die neue Generation, ein Gefährt des Aachener Zolls, dessen Ausstattung – vom mobilen Büro über ein Radioaktivitäts-Messgerät bis zum Drogentest – Zolloberinspektor Mark Gerner den Besuchern gerne zeigte und ausführlich erklärte. Auf die spannendste aller Fragen konnte er jedoch keine konkrete Antwort geben: Wie erkennt man eigentlich einen Schmuggler?

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