Erinnerung an die Pogromnacht wachhalten

Von: Antje Uhlenbrock
Letzte Aktualisierung:
pogromnachtbild
Verliehen der Gedenkstunde Inhalt und einen würdigen Rahmen: Die Schülerinnen und Schüler der Viktoriaschule hatten die Wannseekonferenz aufgearbeitet, der Chor sang Mozart-Requiems. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der Applaus unterblieb während der Gedenkstunde zur Reichspogromnacht im Krönungssaal des Rathauses. Aus Rücksicht auf den stillen Charakter dieses 9. November. Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und die Viktoriaschule gestalteten den Abend.

Auch 72 Jahre nach der Zerstörung von Synagogen und jüdischen Geschäften, der Ermordung und Inhaftierung vieler Juden in Aachen und ganz Deutschland durch die Nationalsozialisten war das Gedenken daran nicht minder bewegend.

„Bei mir überwiegt das Gefühl der Beklemmung. Doch so sehr uns die Sprachlosigkeit erfasst, können und dürfen wir heute nicht schweigen. Die Erinnerung an das Geschehene muss wachgehalten werden”, appellierte Bürgermeister Björn Jansen. Vor allem, da Rassismus auch in Teilen der heutigen Gesellschaft noch anzutreffen sei.

Dessen sind sich die Schüler und Schülerinnen der Viktoriaschule bewusst. An zwei Projekttagen setzten sich die Gymnasiasten des Leistungskurses Geschichte mit den Originaldokumenten der Wannseekonferenz auseinander. Katharina Bedoya, Chayenne Gussenhoven und Elisa Hertzler berichteten über die von den Nationalsozialisten so genannte „Reichskristallnacht” - ein Euphemismus, der die Pogrome massiv verharmlost. Die Bevölkerung habe am Abend des 9. November 1938 „schweigend verharrt und zeigte sich eingeschüchtert”, erzählten die Gymnasiastinnen. Ein Szenario, das sich niemals wiederholen dürfe - das konnte an diesem Abend nicht oft genug betont werden.

Pfarrer Jens-Peter Bentzin, Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, erklärte: „Die Christen fühlten sich den Juden gegenüber erhaben. Erst vor 50 Jahren setzte ein Umdenken ein. Heute ist Israel nicht von Gott verworfen, die Kirche ist nicht an die Stelle Israels getreten, sondern an die Seite Israels berufen.” Doch sei es verständlich, dass die Juden dies nicht gleich willkommen hießen. Misstrauen und Zurückhaltung bestimmten nach wie vor das christlich-jüdische Verhältnis. Aber auch „Zeichen von Vertrautheit” seien zu spüren.

Der Chor der Viktoriaschule unter Leitung von Urs Wörner untermalte das Gedenken mit zwei Requiems von Mozart. Pianist und Schüler Frederik Kranemann berichtete über die Erinnerungskultur sowie die Problematik einer Historisierung der NS-Zeit.

„Wir wollen heute ans blühende jüdische Leben gedenken, dessen Auslöschung in jener Nacht begann”, sagte Rabbiner Mordechai Bohrer. Abschließend sprach er ein Gebet - auf Hebräisch und Deutsch.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert