Aachen - Erika Pluhar lässt reichlich Charme spielen

Erika Pluhar lässt reichlich Charme spielen

Von: Hans-Werner Fröhlich
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Auch als Autorin beeindruckend: Schauspielerin Erika Pluhar las in der Buchhandlung Schmetz am Dom aus ihrem Roman „Gegenüber“. Foto: imago/Future Image

Aachen. In ihrer anspruchsvollen Reihe der Autorenlesungen konnten Barbara Hoppe-Vennen und Dr. Walter Vennen in der Buchhandlung Schmetz am Dom Erika Pluhar aus Wien begrüßen. Erika Pluhar wurde im deutschsprachigen Raum bereits in den 60er Jahren durch den bis heute Maßstäbe setzenden Fernsehzweiteiler „Bel Ami“ bekannt, in der sie meisterhaft die Madeleine Forestier verkörperte.

Seitdem war Erika Pluhar als vielgefragte Schauspielerin tätig, lange Zeit am Wiener Burgtheater und in Film und Fernsehen. Sie startete eine weitere Karriere als Sängerin, ihre Chansons trägt sie mit eigenen, tiefgründigen Texten vor.

Mittlerweile hat sich das Multitalent Erika Pluhar zu einer außergewöhnlichen Autorin entwickelt. Ihr 2016 erschienenes Buch „Gegenüber“ stellte sie in Aachen vor ausverkauftem Hause vor. Walter Vennen führte als Moderator mit viel Fingerspitzengefühl in den Roman ein. Mit ihrer wohlklingenden, modulationsfähigen Stimme las Erika Pluhar ausgewählte Texte.

Der Roman „Gegenüber“ beschreibt die Entwicklung einer Freundschaft zwischen der fast 80-jährigen Henriette Lauber und der viel jüngeren Linda Krutisch. Henriette war Cutterin beim Film und lebt jetzt zurückgezogen in einer kleinen Wohnung. Erika Pluhar liebt die Tätigkeit der Cutterin aus ihrer Zeit bei Film und Fernsehen sehr. Das Schneiden der Filme, das wurde im Gespräch mit Vennen deutlich, erfordert einen ganz besonderen Blick. „Jeder Film ist eine aus dem Spielen entstandene Wirklichkeit“, lässt Erika Pluhar ihre Henriette Lauber sprechen. So führt auch dieses Buch den Leser mit einem besonderen Blickwinkel aus der Fiktion in eigene Alltagserfahrungen.

Behutsam dargestellt

Henriette erleidet in ihrer Wohnung einen Schwächeanfall. Nachbarin Linda drängt ihr zunächst ihre Hilfe auf. Erika Pluhar gelingt es, behutsam die so unterschiedlichen Charaktere und ihre Lebensgeschichten darzustellen. In die Geschichte eingebunden ist der weitgehend vergessene Konflikt in der Westsahara. Henriette ist Patin von Mamoud. Bei Dreharbeiten in Algerien hatte sie sich des verwaisten Flüchtlingskindes angenommen. Die tiefe Beziehung zu Mamoud, der als politischer Vertreter an Konferenzen in Europa teilnehmen kann, ist Henriettes wesentlicher Kontakt zur Außenwelt.

In den Dialogen mit Linda werden die völlig konträren Familiengeschichten beider Frauen offenbar. Henriette stammt aus einer jüdischen Familie, Lindas Großeltern waren begeisterte Nazis. Einen breiten Raum nimmt im Roman das Thema Altern ein. Die Frauen sprechen über die letzten Dinge, den Glauben an Gott. Henriette glaubt nicht an Gott und ein Jenseits, schließt diese jedoch nicht aus. Linda als gläubige Katholikin antwortet in erfrischender Offenheit: „Und damit kannst du leben, Frau Lauber?“

Erika Pluhar verneinte im Gespräch mit Walter Vennen die häufige Frage, ob der Roman autobiografisch sei. Eigene Erfahrungen seien jedoch eingeflossen, meinte sie lächelnd. Lang anhaltender Beifall dankte der Autorin für eine beeindruckende Lesung.

Als Zugabe trug sie mit ihrer wunderbaren Stimme ihr Gedicht vor: „Was heißt das nur, ich werde alt?“ So machte sie an diesem Abend Mut, sich auf das Alter einzulassen.

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