Erdmännchen Freisteller

Erdmännchen: Aus Pechvögeln werden Glückskinder

Von: Thorsten Karbach
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Halten den Tierpark auf Trab: Die Erdmännchen-Babys Fips und Lucky entdecken die Welt – und ihr Stoffpony. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Lucky hat Glück gehabt. Fips auch. Dabei kamen die beiden Erdmännchen als Pechvögel zur Welt, wurden von ihrer Mutter nicht angenommen. Kurz darauf starb diese, ebenso ein drittes Jungtier. Lucky und Fips toben dagegen quicklebendig über die Beine ihrer Ersatzmama – keine Erdfrau, sondern Tierpflegemeisterin Stefanie Kuckartz.

Sie hat mit ganz viel Liebe und kleinen Milchspritzen – anfangs reichte ein Milliliter zur Fütterung – die beiden Waisen aufgezogen. Zuhause in der Wohnung. Das ist eine Geschichte, wie sie nur der Aachener Tierpark schreibt.

So ist auch vor dem kleinen Häuschen, in dem ansonsten die Landschildkröten im Kühlschrank überwintern, tierisch viel los. Sat 1 hat seine Fernsehkamera aufgebaut. Kleine Erdmännchen, die von einem Menschen aufgezogen werden – das verspricht große Gefühle in bewegten und bewegenden Bildern. Und da sind sie auch schon: Fips und Lucky, mittlerweile stattliche 185 beziehungsweise 211 Gramm schwer. Bei der Geburt haben sie kaum 35 Gramm gewogen.

Am 23. April wurden die beiden Schleichkatzen – im Euregiozoo gibt es sie seit 2000 – geboren. „Regelmäßig haben wir Nachwuchs. Aber Gottseidank bislang ohne Komplikationen“, erzählt Tierpark-Direktor Wolfram Graf-Rudolf. Bislang. Seit dem 23. April kümmert sich also Ersatzmama Stefanie Kuckartz um Lucky und Fips. Und während die beiden in einem kleinen Sandhaufen erste – so Erdmännchen-typisch – Löcher graben, kann sie glücklich sagen: „Sie sind übern Berg.“

Selbstverständlich ist das nicht. Auch nicht, was Kuckartz seit diesem Apriltag leistet. In den ersten acht Tagen mussten die Tiere – auch nachts – alle zwei Stunden gefüttert werden. Nach acht Tagen schliefen sie erstmals fünf Stunden am Stück. Eine gefühlte Ewigkeit. Nach 16 Tagen blieben die nächtlichen Snacks aus. Abendessen gab es um 23 Uhr, Frühstück um 5 Uhr. Einen Tag zuvor öffneten sie erstmals die Augen und schoben sich über den Boden. Kaum zu glauben, dass sie jetzt mit neugierigen Blicken um ihre Ersatzmama herumflitzen. Nach 22 Tagen begann Lucky Hackfleisch und Mehlwürmer zu verspeisen. Neben der Milchspritze serviert ihnen Kuckartz diesmal Rohkost. „Sie haben schon ganz schön zugelegt“, sagt sie.

Mittlerweile sind sie dann auch in den Tierpark umgezogen. Aus der großen Menschen- ging es in die kleine Erdmännchenwohnung – „möbliert“ mit einem Sandhaufen, einer Schlafbox und einem Schuh. Auf dem stehen sie gerne und recken den Hals. Es gibt so viel zu entdecken!

Ob Lucky und Fips letztlich zu den fünf anderen Erdmännchen ins eigentliche Gehege zurückkehren, ist laut Graf-Rudolf noch offen. Denkbar ist auch, dass sie ein ganz neues Zuhause in einem anderen Zoo bekommen. Bis dahin werden sie ihre Ersatzmama aber noch ordentlich auf Trab halten. Und ihr Haustier, an dem sie schon ordentlich ziehen und zerren – ein Stoffpony. Auch die Aachener Zeitung haben sie schon schätzen gelernt. Zumindest den Stellenmarkt als zusammengeknülltes Spielzeug. Und so genießen diese beiden kleinen Kerle allen Raum, um sich gesund und munter entfalten zu können. Weil sie Glück hatten. Und Stefanie Kuckartz.

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