Er ist es: Ein Bild von einem Preisträger!

Von: Robert Esser
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Ein echter Mullefluppet im Kreise des bunt kostümierten Kuratoriums: Martin Ratajczak erhielt am Montagabend im Saalbau Kappertz den Mullefluppetpreis der Aachener Zeitung. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. 40.000 Fotos hat Martin Ratajczak für die Aachener Zeitung geschossen, aber am Donnerstagabend lieferte der 81-Jährige sein Meisterstück ab: Es war das Idealbild eines Mullefluppet-Preisträgers ­ sagenhaft schlitzohrig, herrlich humorvoll und von kaiserstädtischer Klasse.

Mehr als 400 Gäste im ausverkauften Saalbau Kappertz in Rothe Erde spendeten minutenlang frenetisch Applaus für den stadtbekannten Foto-Journalisten. Stehende Ovationen für einen, der eigentlich immer andere ins rechte Licht rückt.

Und mit dem exakt 15,9 Zentimeter großen Bronze-Helden in der Hand bewies Mullefluppet-Preisträger Ratajczak sodann, dass er nicht nur mit der Kamera im Anschlag ein echter Hingucker ist: Dass er ein prächtiger Pfundskerl ist, genau wie die 500 Gramm schwere Mullefluppet-Statue auf dem edlen Marmor-Sockel.

Zur Freude der Gala-Gäste plaudert der gebürtige Burtscheider aus, wie er etwa in der Aachener Justizvollzugsanstalt das Schild „Fluchtweg” ablichtete. Und wie er vor 30 Jahren am Roskapellchen eine Taufe wiederholen ließ, weil beim ersten Versuch der Fotoapparat gestreikt hatte. Oder wie es der Polizei gelang, ein einziges Mal vor ihm, dem rasenden Reporter, bei einem Verkehrsunfall aufzukreuzen ­ aber nur weil der Streifenwagen selbst in den Crash verwickelt war.

Seit 1962 fotografiert Ratajczak für die Zeitung ­ fast ein halbes Jahrhundert. Da hat man was zu erzählen. Das Publikum amüsiert sich köstlich. Überraschende Einfälle Wie zuvor bei der launigen Laudatio, in der AZ-Redakteur Manfred Kutsch den Fotografen in den Fokus nimmt, der sonst selbst am Drücker ist: „Unter den zehntausenden Bildern, die Martin für die Zeitung gemacht hat, sind tausende Diamantene und Eiserne Hochzeiten, Schützenehrungen, Karnevalssitzungen, Bundesverdienstkreuzverleihungen. Und dazu kommen viele Ereignisse, die gar nicht stattfinden würden, würde der Ratajczak nicht kommen!” Kutsch erinnert daran, dass der altgediente Kollege bei Einsätzen immer für eine Überraschung gut ist: „Als ihm vor langer Zeit beim Brand des Pfarrhauses St. Peter der Feuerwehrchef hektisch in die Quere kam, frotzelte ihn Martin vor den meterhohen Flammen ganz locker von der Seite an: ’Sind die Jubilare noch nicht da?”

Oder bei der Berichterstattung über eine Gasexplosion: „Vor einem in die Luft geflogenen Haus in der Roermonder Straße wollte ihn im Oktober 1998 eine Polizeisperre an der Weiterfahrt hindern”, erzählt Kutsch.

Ratajczak flunkerte den Beamten spitzbübisch an: „Ich bin von der Stawag, ich muss den Gasometer ablesen.” Und er fuhr durch. So zählt Ratajczak als Senior der Fotografen-Gilde eben längst nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil. 1999 war er mit 71 Jahren der erste Bildreporter der Stadt, der für 10.000 Mark eine Digitalkamera kaufte und damals als visionärer Exot galt.

Dass Ratajczak zudem das Wunder gelingt, als Pressemann mit wirklich jedem gut Freund zu sein, bezeugt die Schar der Gratulanten im Publikum und auf der Bühne: Der Circus Roncalli schickt das brillante Duo „Vik & Fabrini”, Gitta Haller und Albert Henrotte treffen mit ihrem traditionellen Öcher Sketch als „Noffzang & Denge” präzise den Lachnerv des johlenden Publikums. In fast anarchistischer „Strunx”-Manier startet hingegen Comedian Meikel Freialdenhoven seine Zwerchfell-Attacken ­ und erntet nicht weniger Lacher.

Die Bandbreite der zweieinhalbstündigen Show ­ flott moderiert von AZ-Redakteur Kutsch und Kuratoriumskollege Christian Mourad ­ bedient Herz und Heiterkeit. Musikalisch rührt Ex-Karnevalsprinz Rolf Gerrards die Zuhörer mit seiner melancholischen Liebeserklärung an „Aix-la-Chapelle”. Geradezu hingerissen genießt der Saal die fulminante Mullefluppet-Hymne ­ live gesungen vom Preisträger des Jahres 2002, Uwe Brandt, Bruder René und Ägid Lennartz. Auch die Songs des Kuratoriums ­ mit Henrotte, Kutsch und Sarah Siemons aus der AZ-Redaktion ­ kommen bestens an. Ebenso die tanzenden „Friends of Fantasy”, deren fantastische Formation kaum auf die Kappertz-Bühne passen.

Es klingt kurios: Aber viele der „Fantasy”-Tänzerinnen waren wohl noch nicht geboren, als Mullefluppet 1985 erstmals in der damaligen Aachener Volkszeitung als täglicher Kurzlektüren-Lieferant und Würdigung für Öcher Originale auftauchte. Seitdem ist Fluppi fest etabliert. Wie die buchstäblich ausgezeichnete Mullefluppet-Riege der Vorjahre, die ihren „jüngsten” Neuzugang in Rothe Erde willkommen hieß.

So konnte sich jeder vom fotografierenden Mullefluppet-Preisträger 2009 ein Bild machen. Aber ab heute dreht Martin Ratajczak den Spieß garantiert wieder um: als gefeierter Fotograf der AZ.
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