Er hat als Souvenir eine Brücke im Gepäck

Von: Mischa Wyboris
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Sie trennen 90 Jahre: Annika (4) von der katholischen Kindertagesstätte St. Monika und Elisabeth de Ben (94) aus dem Marienheim in Brand haben über die „Generationsbrücke” zueinander gefunden. Foto: Marienheim

Brand. Wenn man sich im Büro von Horst Krumbach umsieht, kommt man um Amerika nicht herum. Die Stadt Denver im Bundesstaat Colorado, um genau zu sein, die in Form einer großen Wandkarte sofort ins Auge fällt.

18 Orte sind darauf mit kleinen Kärtchen kenntlich gemacht - allesamt Pflegeheime, die der Leiter des Marienheims vor zwei Jahren innerhalb von sechs Wochen besucht hat. Was er von dort mitgebracht hat, nennt er „Generationsbrücke” und ist ebenso wenig Bauwerk wie bloßes Souvenir.

„Bessie´s Hope” heißt die gemeinnützige Organisation, bei der Krumbach hospitiert hat und die mit ihrem Programm zur Bekämpfung von Einsamkeit älterer Menschen in Pflegeheimen mit Schulklassen und Kindergärten kooperiert. 13.000 Kinder und Jugendliche hat die Initiative in Denver mit pflegebedürftigen Senioren zusammengeführt, einmal im Monat gibt´s gruppenweise Generationentreffen mit Singen, Spielen und Erzählen. „Kindern muss Alter und Gebrechlichkeit als ein ganz normaler Bestandteil unseres Lebens vermittelt werden”, sagt Krumbach und hat das Konzept jetzt auch in Aachen auf den Weg gebracht.

Seit kurzem besuchen Kinder der katholischen Kindertagesstätte St. Monika die Bewohner des benachbarten Marienheims, das Pflegeheim der katholischen Kirchengemeinde St. Donatus - allerdings nicht, ohne vorher auf die Begegnung vorbereitet zu werden. „Es ist wichtig, den Kindern behutsam nahezubringen, was sie erwartet”, sagt Krumbach.

Das kann früher oder später auch der Tod eines Menschen sein, zu dem ein Kind eine Verbindung aufgebaut hat - bislang zweimal geschehen. „Krankheit und Tod gehören zu unserem Dasein, das ist kein grausames Thema”, sagt Anneliese Puschmann, Aachener Psychoanalytikerin für Kinder und Jugendliche, und findet: „Wenn Trennung und Verlust altersgerecht erklärt werden, können Kinder gut damit umgehen.”

„Eine lethargische Bewohnerin ist richtig aufgeblüht”, hat Betreuerin Susanne Schmitz vom Sozialdienst des Marienheims beobachtet, und „demente Menschen erinnern sich ans Familienleben und bekommen ein neues Selbstwertgefühl”, fügt Kollegin Ulla Mennicken hinzu. Selbstwertgefühl, das auf der anderen Seite auch die Kinder gewönnen: „Viele verlieren ihre Schüchternheit”, sagt Schmitz.

Noch steckt die Aachener Initiative in den Kinderschuhen und macht ihre ersten Gehversuche, doch die „Generationsbrücke” erstreckt sich langsam weiter. Künftig soll das Projekt nach amerikanischem Vorbild auch auf Schulen ausgeweitet werden; derzeit gibt es Gespräche mit Bildungseinrichtungen und der Stadt, einen vielversprechenden Förderantrag hat Krumbach bei der Robert-Bosch-Stiftung eingereicht. Gute Chancen dürfte die Initiative auch beim Ideenwettbewerb „USable” haben, bei dem die Körber-Stiftung vergleichbare, von amerikanischen Beispielen geprägte Projekte prämiert.

Eine Brücke zwischen den Generationen

Mit altersgerechten Infos werden die Kinder und Jugendlichen auf die Begegnung mit den Senioren vorbereitet. Jede maximal zehn Teilnehmer große Gruppe trifft sich einmal im Monat mit den Pflegeheimbewohnern zum Singen, Spielen und Erzählen.

Das langfristige Projekt will Berührungsängste der Kinder mit pflegebedürftigen alten Menschen abbauen und die Lebensqualität der Senioren erhöhen.

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