Er gibt Kindern in Kambodscha eine Perspektive

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Der Verein Kinderhilfe Kambodscha feiert: Michael Weiss (links) gründete die Initiative vor zehn Jahren. Gemeinsam mit Wolfgang Karius freut er sich auf das Benefizkonzert zum Jubiläum. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Michael Weiss hat bei seinen Reisen durch Asien viele faszinierende Orte gesehen – aber auch viel Elend. Besonders die Straßenkinder von Kambodscha haben sein Herz berührt. Anfangs gab er ihnen Essen aus, dann besorgte er ihnen einen Heim- und Schulplatz, schließlich baute er mit ihnen zusammen ein eigenes Dorf.

Was der Aachener Architekt allerdings nicht ist und nie war, ist ein blauäugiger Gutmensch. „Ich habe alle Fehler gemacht, die man machen kann“, sagt er trotzdem rückblickend auf seine Anfänge in der Entwicklungshilfe selbstkritisch, obwohl er auch damals schon im Vergleich zu anderen recht misstrauisch war. Mittlerweile weiß er, dass viele vermeintlich gut gemeinte Einrichtungen und Organisationen nicht unbedingt dem Wohl der kambodschanischen Kinder dienen, sondern dem Wachsen der Bankkonten von Erwachsenen.

Zahlreiche Projekte

Sicher kein Fehler war indes die Gründung des Vereins „Kinderhilfe Kambodscha e.V.“ vor zehn Jahren. Zuvor hatte Weiss mit seiner Frau Veronika ein 2,5 Hektar großes Land vor den Toren Phnom Penhs gekauft. Zusammen mit Freunden rief er schließlich den gemeinnützigen Verein ins Leben, der seitdem hinter der Realisierung und dem Betreiben des Kinderdorfes steht. Mittlerweile hat die „Kinderhilfe Kambodscha“ 270 Mitglieder. Außerdem wurde 2008 – mit der Eröffnung des Dorfes – eine Stiftung gegründet, die regelmäßig ihre Kapitalerträge in die Einrichtung investiert.

Auf diese Weise schufen Weiss und seine Mitstreiter für 100 Voll- und Sozialwaisen (zum Beispiel Opfer von häuslicher Gewalt oder Kinder von tödlich erkrankten Eltern) bis zum Alter von 21 Jahren einen sicheren und würdigen Platz zum Leben. Er entspricht den Vorstellungen der Kinder, denn sie entwickelten zusammen mit Weiss das Modell, das schließlich die Baugenehmigung brachte. Jetzt leben in acht Kinderhäusern bis zu 15 Kinder in Familienstrukturen. Neben dem Besuch der benachbarten Schule werden sie auch hier auf ein eigenes selbständiges Leben vorbereitet – durch Englischunterricht, Gartenarbeit, das Betreiben eines eigenen kleinen Ladens, Sport und Musik. Im Meditationshaus und bei traditionellem kambodschanischem Tanz können sie die buddhistische Kultur ihres Landes erleben.

Ohne Mitgliedsbeiträge und anonyme Patenschaften würde es nicht gehen. Aber die „Kinderhilfe Kambodscha“ wünscht auch das zeitliche Engagement ihrer Mitglieder. Einige Vorstandsmitglieder sind regelmäßig vor Ort. Die Mitglieder werden zu Reisen ins Kinderdorf eingeladen, um sich ein eigenes Bild zu machen. „Von den 270 waren schon 80 da – natürlich auf eigene Kosten“, erzählt der Vorsitzende Weiss.

Oder man macht es wie Wolfgang Karius, ehemaliger Kirchenmusikdirektor der Anna-Kirche und seit einer längeren Asienreise Vereinsmitglied. Vier Mal war er bereits als Senior-Volontär im Dorf, hat mit den Kindern gespielt und natürlich musiziert. In Aachen hilft er dem Verein mit Benefizkonzerten – wie jetzt am 19. September in der Annakirche (siehe Info-Box). „Gutmenschentum hilft nicht. Aber hier bekommt man Kraft, die man woanders nicht bekommt“, sagt er.

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